Klimaabend in Schwandorf zeigte, was Private für die Energiewende tun können

Von Jan Lange · 11. Juli 2023 um 12:35

Dass die Förderung von Balkonkraftwerken im April vom Schwandorfer Stadtrat abgelehnt wurde, konnten viele der Teilnehmer des zweiten Klimaabends in der Oberpfalzhalle nicht verstehen. Gleich mehrfach wurde die finanzielle Unterstützung solcher Anlagen vorgeschlagen – so als hätte es den Beschluss nicht gegeben. Es ging darum, Vorschläge zum Thema „Private Haushalte, Wärmeversorgung und Erneuerbare Energien“ zu machen.

Diejenigen, die eine derartige Förderung vorschlugen, blickten dabei auf andere Gemeinden im Landkreis wie beispielsweise Teublitz, Bruck, Nittenau und Bodenwöhr, in denen es eine solche Unterstützung gibt.

Zehn Ja- und 17 Nein-Stimmen zu Förderung

Auch die SPD Schwandorf hätte gern Gelder für Balkonkraftwerke bereitgestellt. Doch ihr Antrag fand nur zehn Befürworter bei 17 Gegenstimmen. Die Kritiker dieser Förderung beriefen sich auch auf eine Stellungnahme von Schwandorfs Klimaschutzmanager Johannes Stapf, die eher skeptisch ausgefallen war. Es würde sich nach Meinung von Stapf nicht um einen Beitrag zur Energieeinsparung handeln.

Veronika Peters-Brunner, die eine der 16 Teilnehmer des Klimaabends war, sah das anders. Jeder könnte damit zur Energiewende beitragen. Dass nicht allein mit der Installation von Balkonkraftwerken das Klima gerettet wird, ist der Sprecherin des Grünen-Ortsverbandes klar. Aber es brauche viele Prozentteile, die ein Großes ergeben, meint sie. Eine Förderung würde die Anschaffung eines Balkonkraftwerkes jedenfalls attraktiver machen, fand sie. Auch Mieter könnten eine solche Anlage installieren – und sie bei einem Umzug mitnehmen.

Der Klimaschutzmanager, der zu der Veranstaltung in der Oberpfalzhalle eingeladen hatte, verwies erneut auf die entfallene Umsatzsteuer bei der Anschaffung und Installation von Balkonkraftwerken, wodurch die Interessenten bereits 19Prozent der Kosten einsparen würden. Dieses Argument kam auch in seiner Stellungnahme für den Stadtrat vor. Stapf hatte beim zweiten Schwandorfer Klimaabend bereits in seinem Eingangsreferat deutlich gemacht, dass er keine Garantie dafür geben könnte, dass die vorgeschlagenen Ideen auch umgesetzt werden. Es müssten erst deren Umsetzung und Finanzierung geprüft werden, zudem bräuchte es einen positiven Beschluss des Stadtrates. SPD-Stadtrat Franz Schindler, der ebenfalls am Klimaabend teilnahm, werde nach eigener Aussage einen erneuten Antrag auf Förderung von Balkonkraftwerken so bald nicht wieder stellen.

Viele geeignete Plätze für PV-Anlagen

Der 67-jährige Sozialdemokrat verwies immer wieder darauf, welche Initiativen und Beschlüsse es im Schwandorfer Stadtrat bereits gegeben habe. So sei beispielsweise ein Grundsatzbeschluss gefasst worden, auf allen Dächern städtischer Gebäude PV-Anlagen zu installieren. Bisher seien davon aber nur zehn Prozent umgesetzt.

Gefordert hatten die Teilnehmer auch die Errichtung von PV-Anlagen über Straßen und Autobahnen, Radwegen sowie Parkplätzen. Es könnten beispielsweise PV-Module an Lärmschutzwänden angebracht werden – natürlich nur dort, wo es auch die entsprechende Sonneneinstrahlung gebe. Für einen Parkplatz, der mit einer PV-Anlage überdacht werden könnte, fielen Franz Schindler sofort die Stellplätze vor dem Landratsamt ein.

Der Kreisausschuss hatte sich jüngst mit dem Vorschlag beschäftigt, einen Solarcarport beim Parkplatz Höllohe zu errichten. Da es sich um eine Freiflächen-Photovoltaikanlage handeln würde, sei eine gemeindliche Bauleitplanung und eine Änderung des Flächennutzungsplans zwingend erforderlich. Ein angrenzender Wald und eine 20-kV-Freileitung würden die Überdachung aller Stellflächen mit einem Solarcarport verhindern, hieß es im Ausschuss.

Zum jetzigen Zeitpunkt werde vonseiten der Verwaltung eine solche Anlage als nicht wirtschaftlich betrachtet. Komplett verworfen wurde die Idee von Grünen-Kreisrat Rudi Sommer aber nicht. Beim Klimaabend in Schwandorf waren am Ende eine ganze Reihe von Vorschlägen, unter anderem auch zur Etablierung eines Biomarktes in der Innenstadt und zum Ausbau der Fernwärme, zusammengekommen. Sie warten nun darauf, eventuell realisiert zu werden.