Zwei Städte, ein Vorbild: Wieso Neunburg und Schwandorf preiswürdig sind

Von Christian Eckl, Jan Lange · 10. Juli 2023 um 19:00

Gleich zwei Kommunen aus dem Landkreis Schwandorf sind ein Vorbild für andere Gemeinden in der Oberpfalz: Die IHK zeichnete vergangene Woche jene Städte und Gemeinden mit Preisen aus, die ihre Innenstädte auf Vordermann bringen. Und dazu gehören Neunburg und Schwandorf.

Neunburgs Bürgermeister Martin Birner (CSU) strahlte um die Wette mit Schwandorfs Bürgermeister Andreas Wopperer (CSU), der den „Sozioökologischen Sonderpreis“ für die Große Kreisstadt in Empfang nahm.

„Die Pfalzgrafenstadt Neunburg hat eine über tausendjährige Geschichte“, so begann Birner seine Rede vor dem Regierungspräsidenten Walter Jonas und dem Präsidenten der IHK, Michael Matt.

Mit Jonas‘ Behörde herrschte in den vergangenen Jahren nicht immer eitel Sonnenschein, wie sich beide augenzwinkernd zuriefen. Denn Birners Plan war, die historische Altstadt von Neunburg so attraktiv zu machen, dass wieder Leben einkehrt. Das gefällt dem Denkmalschutz nicht immer unvoreingenommen. „Am Ende bringt es uns aber mehr“, sagte Birner, „wenn in den denkmalgeschützten Häusern auch Menschen leben und arbeiten“.

In der Bewerbung für den Kommunal-Award der IHK drückte es die Stadt so aus: „Die Kommune befindet sich im Konflikt, einerseits für jüngere Menschen durch bezahlbare Wohnungen und Bauplätze attraktiv zu sein. Andererseits sollen durch Bundesvorgaben Flächen eingespart werden.“ Zudem gelte es, zunehmende Leerstände im Ortszentrum wiederzubeleben. Statt immer weiter auf die grüne Wiese auszuweichen, setzte Neunburg auf Verdichtung in der Kernstadt.

Kommunales MVZ in Neunburg gegründet

Beeindruckt zeigte sich die Jury bei einem Ortsbesuch auch davon, dass es dem Bürgermeister gelungen war, ein Medizinisches Versorgungszentrum zu etablieren. Nach der Schließung des Krankenhauses und der Schließung von Praxen drohte die wohnortnahe medizinische Versorgung wegzubrechen. Birner und die Stadtverwaltung nahmen die Sache selbst in die Hand, gründeten das Gesundheitszentrum Ostoberpfalz, in dem mittlerweile mehrere Ärzte arbeiten.

„Kommunen aus ganz Bayern kommen zu uns und wollen wissen, ob das auch bei ihnen geht“, sagte Birner beim Besuch der IHK-Jury vor Ort.

„Wie vermarkte ich eine Stadt?“ Das sei genau seine Herangehensweise gewesen. „Denn Mosern kann jeder.“ Neunburg erlitt neben dem Verlust des Krankenhauses auch die Schließung des Bundeswehrstandortes. Auch der Insolvenz des Fertigbauunternehmens Dorrer im Jahr 2002 stellte die Weichen für Neunburg in eine ungünstige Richtung: Wirtschaftlich bergab. „Als ich zum Bürgermeister gewählt wurde, sagte man mir, du musst dich auf eine schrumpfende Stadt einstellen.“ Das wollte er aber nicht tun.

Baukindergeld in der Pfalzgrafenstadt eingeführt

Birner setzte stattdessen auf die Familienfreundlichkeit der Pfalzgrafenstadt. „Wir haben damals ein Baukindergeld eingeführt, das war ein kleiner Baustein.“ Damit habe man Familien dazu gebracht, nicht aus der Stadt wegzuziehen. Doch es ging weiter, denn man habe sich gefragt, was neben der Förderung von Neubauten eigentlich mit der historischen Substanz Neunburgs sei: „Wir haben eine Altstadtförderung eingeführt“, so Birner. Genau das sei auch Wirtschaftsförderung, denn man könne mit dem Pfund, eine geschichtlich so interessante Stadt zu sein, eben auch wuchern.

Bei seinem Amtsantritt 2011 zählte Neunburg noch 3300 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. „Jetzt sind es über 4000“, sagte der CSU-Politiker stolz. Birner stellte auch klar: „Ich habe nichts gegen Denkmalschutz. Aber wir müssen uns doch bei jedem einzelnen Gebäude fragen, wie man das heute nutzen kann.“

Der Stadtrat hat eine Vorkaufsrechtssatzung erlassen, um selbst in der Altstadt aktiv werden zu können. Die Stadt kaufte damit historische Gebäude an, entwickelte sie und verkaufte sie an heimische Unternehmer weiter. „Das ist ein Schlüssel für das, was wir für die Altstadt tun können.“

Auch der Rückgriff auf Städtebaufördermittel sei für ihn zentral. „Ich war in Berlin im Ministerium, das sich beklagt, dass wir Gelder nicht abrufen.“ Doch Birner erwiderte: „Gebt uns Freiheit. Wir kleinen Bürgermeister vor Ort wissen, was unsere Städte für die Weiterentwicklung brauchen.“

Sichtlich stolz war auch Schwandorfs Bürgermeister Andreas Wopperer, der im Namen der Stadt und als Stellvertreter von Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) den Sonderpreis in Empfang nahm. Wopperer stellte ein ökologisch einzigartiges Konzept vor, das sich Schwandorf unter der Überschrift „Forum“ gegeben hat.

Bau von Wohnungen am ehemaligen Brauereigelände

Das Konzept der Schwandorfer Stadtverwaltung beeindruckte die IHK-Jury als Antwort auf Fragen des Klimawandels und der Aufenthaltsqualität. Sogenannte Pocket-Parks, bei denen es sich um Parks im Kleinformat handelt, das Dach der Parkgarage, die als Aufenthaltsort genutzt werden soll, aber auch der Bau von Wohnungen in Eigenregie am ehemaligen Brauereigelände seien vorbildhaft. „Es ist das Werk und die Arbeit unserer Mitarbeiter in der Verwaltung“, lobte der Bürgermeister das Konzept und die Umsetzung.

Schwandorfs Bürgermeister Andreas Wopperer (r., CSU) mit der Urkunde, die IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Helmes übergab Foto: Christian Eckl
Er wurde entsiegelt und zu einem sogenannten Pocket-Park: der Stettnerplatz in Schwandorf.
Der alte Bahndamm wurde abgetragen und Wohnflächen geschaffen – als Nachverdichtung in Neunburgs Kernstadt. Foto: Thäder