Pferde, Geld und ein Totschlag: Niederbayerische Tatort-Villa soll geräumt werden

Von Isolde Stöcker-Gietl, Thomas Rieke · 10. Juli 2023 um 19:00

Eine wohlhabende Zahnärztin tötet ihren Mann mit einer Garrotte. 2020 wurde sie dafür in Regensburg wegen Totschlags verurteilt. Der Verkauf ihrer Villa kommt nun ebenfalls vor Gericht. Denn die Käufer, die mit ihren Pferde vor wenigen Wochen in Burglengenfeld Schlagzeilen machten, haben nie einen Cent bezahlt – und fühlen sich dennoch im Recht.

Vor dem Landgericht Regensburg wird am Mittwoch eine Räumungsklage verhandelt. So unspektakulär wie es klingt, ist dieser Fall nicht. Denn geräumt werden soll eine Villa in Laberweinting (Lkr. Straubing-Bogen), in der 2018 eine Zahnärztin ihren Ehemann mit einer Garrotte erdrosselte. Nach dem Urteilsspruch wegen Totschlags musste die Frau alles verkaufen – auch das herrschaftliche Anwesen. Dabei schloss ihr Makler einen Kaufvertrag mit einer Familie, die bis heute keinen Cent des Kaufpreises beglichen hat. Das bestreiten die Käufer auch nicht. Sie seien vom Kaufvertrag zurückgetreten, betonen sie. Und ergänzen, dass alles, was ihnen danach widerfahren sei, seinen Ursprung in der Auseinandersetzung um die Villa habe. Denn die beklagte Familie macht im Raum Burglengenfeld aktuell in anderer Sache Schlagzeilen. Das Landratsamt Schwandorf ließ 29 Pferde abholen – wegen mutmaßlich schlechter Haltung.

Unser Podcast zum Thema: Garrotte beendet große Liebe

Der Unternehmensberater der verurteilten Zahnärztin, Holger Schäfer, kämpft darum, den Fall endlich abschließen zu können. Der Schlüssel sei vor Zahlung des Kaufpreises an die Familie übergeben worden. Seine Mandantin habe aber weder den Kaufpreis noch Mietzahlungen erhalten. Geld, mit dem Gläubiger abgefunden werden sollten. Als Käuferin des Anwesens fungierte eine 18-Jährige. Nach Meinung von Schäfer handelt sie wohl im Auftrag ihrer Mutter, einer ehemaligen Steuerberaterin.

Auf Nachfrage bestreitet die Frau gegenüber unserer Zeitung, dass sie sich das Haus angeeignet hätten. Die Tochter, das bestätigt der Unternehmensberater, sei mit einer Auflassungserklärung im Grundbuch eingetragen. Und man habe einen mittleren sechsstelligen Betrag in das Anwesen investiert, sagt die vermeintliche Käuferin.

„Alles heruntergekommen“

In Laberweinting will niemand öffentlich über das sprechen, was sich in der Villa seit der Verurteilung der Zahnärztin abgespielt habe. Es seien Pferdeställe errichtet worden, die Baracken glichen und nicht für die Haltung der Tiere geeignet gewesen seien, heißt es. Weiter wurde im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet, dass das sehr gepflegte Anwesen zusehends heruntergekommen gewirkt habe.

Die Familie hat sich inzwischen neu orientiert und im Stadtgebiet von Burglengenfeld (Lkr. Schwandorf) eine Hofstelle gekauft. Nach Recherchen unserer Zeitung, soll hier der gefordert Kaufpreis beglichen worden sein. Dennoch hat die Familie auch auf diesem Anwesen schon Aufsehen erregt, als das Landratsamt Mitte Mai in Begleitung der Polizei 29 Pferde abtransportieren ließ – wegen des „insgesamt schlechten Gesundheits- und Pflegezustands“, wie es hieß. Den Hinweis hatten die Veterinäre von ihren Kollegen im Landratsamt Straubing-Bogen erhalten. Und genau deshalb sieht sich die Frau mit ihren fünf Kindern als Opfer einer Kampagne. „Das wurde alles aufgebauscht“, sagt sie. Und: „Wir werden von den Behörden an die Wand gefahren.“ Den Grund schreibt sie allein der Auseinandersetzung um die Villa zu, in der sie eigenen Angaben zufolge noch wohnt. „Das alles hat uns die Zahnärztin mit ihren Anwälten eingebrockt.“ Warum es zu der Auseinandersetzung kam, kann die Beklagte eigenen Worten zufolge nicht nachvollziehen.

„Es gab mehrere Anzeigen“

Denn auch in Laberweinting war die Familie wegen der Haltungsbedingungen ihrer Pferde ins Visier der Behörden geraten. „Es gab mehrere Anzeigen aus der Nachbarschaft, was Versäumnisse und Vergehen bei der Haltung betrifft“, berichtet Behördensprecher Tobias Welck. Diesen Anzeigen sei das Veterinäramt Straubing-Bogen nachgegangen. Dabei seien „immer wieder Mängel festgestellt worden“. Schließlich sei 2022 die Abgabe der Pferde angeordnet worden.

Das Verwaltungsgericht gewährte laut Welck einen Vollstreckungsaufschub bis 1.April dieses Jahres. Als die Veterinäre wenig später nach dem rechten sehen wollten, mussten sie feststellen, dass die Tiere aus Laberweinting verschwunden waren. Die Kreisverwaltung Straubing-Bogen war allerdings zu Ohren gekommen, dass die Halter mittlerweile in Burglengenfeld ein ländliches Anwesen erworben haben könnten. Dem entsprechend wurden die Unterlagen nach Schwandorf übermittelt.

Die Pferdehalter versuchten, sich gegen die Fortnahme der Tiere zu wehren, so wie sie auch gegen die Beschlüsse des Landratsamtes Straubing-Bogen vor dem Verwaltungsgericht Regensburg geklagt hatten. Mit ersten Eilanträgen sind sie gescheitert. Vergangene Woche wurden aber ein neuer Eilantrag und eine Klage nachgereicht. Begründung: Man habe jetzt eine Unterbringung für die Pferde organisiert, die auch den Vorstellungen der Behörden entsprechen sollte. Das Landratsamt wurde per Anwalt aufgefordert, die Tiere umgehend zurückzugeben. Auf ihrem tiktok-Kanal hatte die Pferdehalterin massive Vorwürfe erhoben. Beim Abtransport hätte sich eines der Pferde fast das Genick gebrochen.

Das Landratsamt versucht nach Informationen unserer Zeitung derzeit zu klären, ob es den Ankündigungen Glauben schenken darf. Das Gericht bestätigte vorerst nur den Eingang eines weiteren Eilantrags und einer Klage auf Herausgabe der Pferde. Derzeit bestünden aber noch Unklarheiten; Fragen des Gerichts an die Antragsteller, waren bis Freitag noch nicht beantwortet.

Unterdessen wurde bekannt, dass die Pferdehalter ihr neues Anwesen in Burglengenfeld umbauen wollen; außerdem wurde in Aussicht gestellt, einen Bebauungsplan „Sondergebiet Pferdehaltung“ auf den Weg bringen zu wollen. Die Stadt Burglengenfeld knüpft dies allerdings an bestimmte Bedingungen, wie zum Beispiel den Nachweis einer tierschutzrechtlichen Erlaubnis.

Falsche Verdächtigungen?

Unternehmensberater Schäfer spricht von massiven Schäden, die an der Villa in Laberweinting entstanden seien. So sei ein Badezimmer als Meerschweinchengehege umfunktioniert worden – was die Familie nicht bestreitet. Im ehemaligen Herrenzimmer seien Heu, Stroh und anderes Tierfutter gelagert und laut Schäfer liege die Vermutung nahe, dass in dem Zimmer auch gefüttert worden sein könnte. Bei dieser Aussage bricht die beschuldigte Pferdehalterin in Gelächter aus. „Wie hätten denn die Pferde da hinkommen sollen? Wir haben in dem trockenen Raum lediglich Futter gelagert“, sagt sie auf Nachfrage.

Schäfer spricht dagegen von einem „Desaster“, das den noch zu erzielenden Kaufpreis für die Villa deutlich reduzieren werde. Die Zahnärztin selbst wird nicht mehr in das Haus in Niederbayern zurückkehren. Sie werde nach der Haftentlassung, die in absehbarer Zeit erfolgen wird, zu ihrer Tochter nach England ziehen, so Schäfer.