Nach Pferde-Drama in Burglengenfeld: Halter in Erklärungsnot

Von Thomas Rieke · 24. Mai 2023 um 12:30

Die Aktion des Landratsamts, bei der am 15. Mai von einem Pferdehof im Stadtgebiet Burglengenfeld (Landkreis Schwandorf) 29 Tiere abtransportiert worden sind, hat nicht nur im näheren Umfeld des betroffenen Anwesens gehörig für Aufsehen gesorgt. Und: Der Fall hat eine lange Vorgeschichte.

Wie berichtet, rückten am Montag vergangener Woche elf Mitarbeiter der Kreisverwaltungsbehörde Schwandorf aus, um auf einer Hofstelle im Gemeindegebiet Burglengenfelds eine per Bescheid angekündigte Zwangsmaßnahme durchzuführen. Dabei wurden sie von Beamten der örtlichen Polizeiinspektion unterstützt.

Wegen „nicht artgerechter Haltung“, die laut Veterinäramt bei einem Großteil des Tierbestands zu einem bedenklichen Ernährungs- und Pflegezustand geführt haben soll, wurden die Pferde verladen und zu einem Betrieb außerhalb des Landkreises gebracht. Die Maßnahme gilt laut Behördensprecher Hans Prechtl solange, bis die geforderten tierschutzgerechten Bedingungen geschaffen worden sind.

Geschwisterpaar im Fokus der Behörden

Die Vorhaltungen der Behörde richten sich gegen eine junge Frau und ihren Bruder. Das Geschwisterpaar stammt aus dem Landkreis Straubing-Bogen und hatte schon dort mit der Mutter einen Pferdehof betrieben. Und auch dort, so bestätigt Tobias Welck, Sprecher des Landratsamts in Straubing, registrierten Amtstierärzte wiederholt „Versäumnisse und Vergehen“ bei der Tierhaltung.

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Nachbarn hatten laut Welck wiederholt Anzeige erstattet. Veterinäre hätten daraufhin Kontrollen durchgeführt und diverse Mängel festgestellt. Nachdem keine Besserung eingetreten sei, habe man 2022 die Abgabe der Pferde angeordnet. Das Verwaltungsgericht habe jedoch einen Vollstreckungsaufschub bis Anfang April 2023 gewährt. Als die Veterinäre wenig später erneut nach dem Rechten hätten sehen wollen, mussten sie feststellen, dass die Tiere verschwunden waren. Schnell erfuhren sie laut Welck allerdings den neuen Aufenthaltsort im Städtedreieck. „Entsprechend wurden die Unterlagen an das Landratsamt Schwandorf weitergereicht.“

Zwangsmaßnahme war angekündigt

Die Kreisverwaltungsbehörde reagierte prompt. Bereits am 6. April suchte ein Veterinär erstmals den neuen Standort der Tiere auf. Er fand 19 Pferde vor. Ihr Zustand sei, so heißt es im Bescheid des Landratsamts, „durchweg schlecht“ gewesen.

Beim nächsten Besuch am 8.Mai war der Bestand auf 29Pferde angewachsen. Um mindestens 22 sei es gesundheitlich schlecht bestellt gewesen. Der überwiegende Teil der Tiere hatte laut Protokoll schon im Kreis Straubing-Bogen unter schlechten Bedingungen gelitten. Die Hufpflege sei bei den meisten Vierbeinern „stark vernachlässigt“ gewesen, konstatierten die Vertreter des Veterinäramts. In den Boxen habe „große Verletzungsgefahr“ bestanden, weil aus den Trennwänden teilweise Schrauben ragten. Einstreu fehlte, teils seien die Boxen nicht ausgemistet gewesen, listeten sie weiter auf.

Was die Veterinäre besonders beanstandeten, war der fehlende Auslauf. Seit Mitte März sollen die Pferde vorwiegend in ihren Boxen gestanden haben. Die Folge: Muskulaturschwund und Sehnensteifheit.

Aufgrund dieser Diagnosen wurde die Wegnahme der Tiere angedroht. Bis 15. Mai, so heißt es in dem Bescheid, sollten die für den Auslauf benötigten Flächen zur Verfügung stehen, Gefahrenstellen beseitigt werden und der Pflegezustand der Pferde signifikant verbessert sein. Andernfalls würde die Unterbringung auf einem anderen Betrieb angeordnet – auf Kosten der Tierhalter.

Beschuldigte fühlen sich als Opfer

So eindeutig die Faktenlage zu sein scheint, die Beschuldigten fühlen sich, wie sie gegenüber der MZ betonen, ungerecht behandelt. Sie sehen sich vielmehr als Opfer von Denunziation und behördlicher Hyperaktivität. Als die Aktion des Landratsamts am 15. Mai anrollte, steckte die mutmaßliche Hauptverantwortliche im Stau. Weil ihr neues Anwesen noch nicht bewohnbar sei, pendle sie fast täglich zwischen dem Kreis Straubing-Bogen und Burglengenfeld, erklärt sie.

Vor Ort traf die junge Frau auf eine Situation, die sie bis heute empört. Weil der Abtransport schlecht vorbereitet und noch schlechter durchgeführt worden sei, hätten sich teils dramatische Szenen abgespielt. Eine in Panik geratene Stute sei rückwärts aus einem Hänger gestürzt und müsse nun in einer Klinik behandelt werden, so deren Besitzerin.

Tierhalterin verspricht ab Juli deutlich mehr Auslauf

Mit den Vorwürfen des Landratsamts konfrontiert, beteuert die Pferdehalterin, sie tue alles, um die Bedingungen für ihre Tiere zu verbessern. Ab Juli werde sie über ausreichend Wiesen verfügen, so dass Auslauf garantiert sei. Ansonsten sei es schlicht falsch, dass sie frühere Beanstandungen ignoriert habe. Das Gegenteil sei der Fall. Schwierigkeiten mit Nachbarn und baurechtliche Probleme hätten sie gezwungen, nach einer neuen Bleibe zu suchen.

Auf der Hofstelle bei Burglengenfeld habe sie die Chance für einen Neuanfang gesehen. Allerdings liege es in der Natur der Sache, dass „in einem Reitstall nicht immer alles perfekt ist“. Gegen das Vorgehen des Kreisverwaltungsbehörde werde man sich gerichtlich zur Wehr setzen.

Ein Pferdeanhänger steht noch am Gelände. Die Tiere sind seit 15.Mai auf einem anderen Betrieb untergebracht.