Rückhaltebecken soll helfen: Hemau rüstet sich gegen Fluten

Von David Santl · 11. Juli 2023 um 05:00

Vor sieben Jahren tobte ein Unwetter über dem Tangrintel und sorgte insbesondere im Haderthal für nie dagewesene Überschwemmungen. Nun soll dort ein Rückhaltebecken zukünftige Hochwasser in die Schranken weisen.

Der 28. Mai 2016 steckt vielen Menschen in Hemau und Umgebung noch immer in den Knochen. Ein historisches Unwetter tobte über dem Tangrintel und sorgte für bis dato nie dagewesene Überflutungen. Besonders hart traf es das Haderthal in der Nähe von Hohenschambach. Die dortigen Tennisplätze der SG Hohenschambach zum Beispiel wurden alleine im Jahr 2016 drei Mal durch Unmengen von Schlamm verwüstet. Wegen der Klimakrise ist zu befürchten, dass es solche schweren Unwetter künftig öfter geben könnte. Die Stadt Hemau will daher nun vorsorgen und im Haderthal ein naturnahes Regenrückhaltebecken bauen.

In einigen Gemeindeteilen oder Neubaugebieten gibt es solche Becken in Erdbauweise bereits. Die Gegend im Haderthal gilt aber als besonders gefährdet. „Wegen der topographischen Gegebenheiten kommt es im Haderthal bei zunehmenden Starkregen und bei rascher Schneeschmelze zu wildabfließendem Niederschlags- oder Tauwasser aus den Hängen westlich von Hohenschambach“, erklärt Dieter Kirsch, der Fachbereichsleiter der städtischen Bauverwaltung. Das betrifft auch die dortige Gemeindeverbindungs-Straße, die Sportstätten und die Abwasseranlage.

9500 Kubikmeter Volumen

Der unkontrollierte Wasserabfluss sorgte in den vergangenen Jahren wiederholt für überflutete Straßen und Schäden an den Bauwerken oder Sportanlagen. Das will die Stadt Hemau künftig vermeiden und darum als Einstiegsmaßnahme ein naturnahes Erdbecken als Rückhaltezone anlegen und einen gedrosselten Abfluss für das Niederschlagswasser schaffen. Dieses unbefestigte Becken soll ein Stauvolumen von gut 9500 Kubikmetern haben. Dafür muss Boden abgetragen und ein Erdwall geschaffen werden.

Zudem ist ein Drosselbauwerk geplant, das über einen offenen Graben mit dem bestehenden und einem neu einzubauenden Durchlass unter der Straße verbunden wird. Wenn alles normal läuft, soll das aufgestaute Wasser über das Drosselbauwerk, den neuen Durchlass unterhalb der Gemeindeverbindungsstraße und den anschließenden Entwässerungsgraben zeitverzögert abgeleitet werden. Bei größeren Hochwasser kommt das Regenrückhaltebecken ins Spiel. Dieses hat einen Notüberlauf. Der Abfluss kann dann aus dem Becken neben dem neu zu errichtendem Durchlass zusätzlich über den bestehenden Durchlass erfolgen.

Besonderes Augenmerk

Bei der ganzen Maßnahme legt die Stadt zudem Wert darauf, die Eingriffe in die Landschaft und die Natur zu kompensieren. „Das Drosselbauwerk wird zum Beispiel in ausreichender Entfernung zu den Bäumen errichtet“, sagt Dieter Kirsch. Zudem wird entlang des Waldrandes ein ausreichender Abstand bei den Abgrabungen eingehalten. „Die Beckensohle und die Böschungen werden außerdem mit regionalem Saatgut begrünt und es werden Gehölzgruppen und Strauchhecken gepflanzt“, so Kirsch weiter. Auf diese Art kann ein wertvoller Beitrag zur Biodiversität geleistet werden.

Projekte wie in Hohenschambach soll es auf dem Tangrintel auch in Zukunft geben, wie der momentan amtierende 2. Bürgermeister Robert Pollinger (CSU) betont: „Wir legen auch bei künftigen Planungen besonderes Augenmerk auf diesen Bereich.“ Beispielsweise beschäftige sich die Stadt schon jetzt bei den Planungen des Baugebietes Sixenfeld mit Entwässerungsmöglichkeiten, um der Zunahme von Starkregen Rechnung zu tragen.