Festspiel „Vom Hussenkrieg“ feierte glanzvolle Premiere – Neuinszenierung überzeugt

Von Ralf Gohlke · 9. Juli 2023 um 15:00

Im Krieg gibt es keine Gewinner – diese Erkenntnis kennzeichnet auch die Neuinszenierung des Neunburger Festspiels „Vom Hussenkrieg“. Dennoch oder gerade deshalb feierte das Premierenpublikum die Leistung aller Beteiligten mit riesigem Beifall.

Die moderne Version des Stücks aus der Feder von Peter Klewitz, ergänzt und neu gestaltet mit Texten von Christina Fink und unter der Regie von Karin Michl mit ihrer Assistentin Verena Forster, setzte das Laienensemble des Festspielvereins in hervorragender Weise um.

Vieles erschien vertraut am Premierenabend am Freitag, trotz der dreijährigen Zwangspause wegen Corona. Dennoch wurde deutlich, dass es sich in vielerlei Hinsicht um einen echten Neustart handelte.

Paar aus der Geschäftsleitung der Firma Steininger hatte Schirmherrschaft übernommen

Das begann bereits mit dem traditionellen Empfang für die Schirmherrschaft. Es war ein Novum, dass mit Michaela und Siegfried Dettmann von der Geschäftsleitung der Firma Steininger ein Paar die Schirmherrschaft übernommen hatte. Als Ort des Geschehens fungierte erstmals der Schlosssaal in der ehemaligen Residenz der Wittelsbacher Pfalzgrafen.

Entsprechend lang war die Liste der namentlich zu begrüßenden Gäste, die Bürgermeister Martin Birner (CSU) abzuarbeiten hatte. Prominenteste Gäste waren MdL Alexander Flierl (CSU), Landrat Thomas Ebeling (CSU), Regierungspräsident Walter Jonas und Hubert Schmid, Abteilungsleiter im Bereich Städtebauförderung bei der Regierung der Oberpfalz. Erschienen waren ebenso zahlreiche ehemalige Schirmherren.

Birner hob hervor, dass die Thematik des Festspiels selten so aktuell gewesen sei. Die große Gemeinschaftsleistung aller Beteiligten werde in Verbindung mit dem 40. Jubiläum ebenfalls deutlich. Gleiches gelte für die Begeisterung für die Heimat und deren Geschichte. Er würdigte im Weiteren die enge Verbindung zum Schirmherrenpaar, das nicht nur aktuell, sondern auch schon früher viel für das Festspiel geleistet hätte.

Festspiel sendet Hoffnung und eine Botschaft des Zusammenhalts

Als wunderbaren und geradezu magischen Moment bezeichnete Siegfried Dettmann die noch verbleibenden Minuten bis zum Beginn. Er zog Parallelen zu den tapferen Menschen einst und jetzt, die auf ihrem Heimatboden versuchten, marodierenden Gruppen eines Heeres aus dem Osten Einhalt zu gebieten. Mit dem Festspiel werde nicht nur an das historische Ereignis des 15.Jahrhunderts erinnert, sondern eine Botschaft der Hoffnung und des Zusammenhaltes gesendet.

Was im Stück gezeigt werde sei Krieg und der bedeute immer Leid. Trotz des Sieges der Oberpfälzer bleibe der schale Nachgeschmack. Vorschusslorbeeren verteilte er sowohl an die Vereinsführung als auch an das weibliche Dreigestirn der Neuinszenierung.

In einem kurzen Grußwort würdigte Regierungspräsident Walter Jonas die Festspielkultur der Oberpfalz allgemein und das Neunburger Festspiel als einen herausragenden Teil dieser Szene.

Wie gewohnt durchschritten die Ehrengäste das Spalier der Festspieler, die dazu applaudierten. Mit fünf Schlägen auf seinen Amboss eröffnete ein Schmied schließlich den Einzug zur Eröffnung. Als Herold gewandet trat der frühere Stadtschreiber (Hans-Werner Habel) durch das Tor der neuen Kulisse und verkündete: „Der Markt im Jahr des Herren 1456 ist eröffnet“.

Und damit beginnt das neue Stück, das von seinen Rückblenden in das Jahr der Schlacht bei Hiltersried 1433 bestimmt wird. So haben Karin Michl und Christina Fink die Verbindung zur Urversion hergestellt, die in ihren Grundzügen schon aus urheberrechtlichen Gründen bestehen bleibt. An die Stelle des Chronisten treten dafür Tristram Zenger (Bruno Spitzhirn) und sein Sohn Milo (Jonathan Binder), die durch die Ereignisse führen.

Deutlich werden die Schwerpunkte der Regie, bei den Darstellern den persönlichen Ausdruck hervorzuheben. Eine ganze Reihe von ehemals endlosen Dialogen wurde gestrafft, vieles auch verkürzt, was der Dynamik der Aufführung sehr zugute kommt, ohne die Spannung wegzunehmen.

Selbst die Schlacht erhielt eine neue Choreographie, die dem Gesamtbild entspricht. Zum Teil neue Charaktere lassen auch dem Humor etwas Raum. Dass die „weibliche Hand“ des Regie-Teams dem Stück im positiven Sinn eine Aufwertung verschafft, wurde von mehreren Zuschauern bestätigt. Weitere Aufführungen sind am Samstag, 15. Juli, sowie am Freitag, 21. Juli, und am Samstag, 22. Juli. Einlass ist ab 19 Uhr, Beginn um 20.30 Uhr.

Spektakulär, wie gewohnt, gestaltet sich der Auftritt der Hussiten nach ihrem Beutezug. Foto: Ralf Gohlke
Die Ritterschaft rüstet sich für den Angriff auf die Wagenburg der Hussiten. Foto: Ralf Gohlke
Was sich vor 23 Jahren ereignet hat, erklärt Tristram Zenger (Bruno Spitzhirn, l.) seinem Sohn Milo (Jonathan Binder). Foto: Ralf Gohlke
Pfalzgraf Johann und seine Gattin Beatrix (Michael Hellmuth und Julia Grund) sorgen sich angesichts der drohenden Gefahr um ihre Herrschaft. Foto: Ralf Gohlke
Das Schirmherrenpaar Michaela und Siegfried Dettmann (vorne Mitte) passierte zusammen mit den Ehrengästen das Spalier der Festspieler. Foto: Ralf Gohlke
Ein Märchen um einen menschenfressenden Lindwurm erinnert an den Drachenstich. Foto: Ralf Gohlke
Große Freude nach der gelungenen Premiere herrschte bei Dramaturgin Christina Fink, Regisseurin Karin Michl und Regie-Assistentin Verena Forster (ab 4. v. l.). Foto: Ralf Gohlke