Neue Flüchtlings-Containerdörfer sollen in bislang wenig betroffene Gemeinden

Von Christoph Klöckner · 8. Juli 2023 um 05:00

Die Lage sei „sehr angespannt“, beschreibt das Landratsamt Cham und meint damit die eigenen Möglichkeiten, neue und angekündigte Flüchtlinge in geeigneten Unterkünften unterzubringen. Es will daher Wohncontainerdörfer aufstellen – und zwar insbesondere in den Gemeinden, die bisher wenig oder gar keinen Flüchtlinge in ihrem Gebiet untergebracht haben, wie Michael Gruber von der Pressestelle des Landratsamt es bestätigt.

Hintergrund der Nachfrage war ein Gerücht, wonach in der Gemeinde Weiding ein solches Containerdorf für geflüchtete Menschen aufgebaut werden soll. Auf die explizite Frage, ob in Weiding ein solches geplant sei, antwortete das Landratsamt ausweichend und allgemein. „Die Situation bei der Unterbringung von Geflüchteten im Landkreis Cham ist sehr angespannt“, so Gruber. So wie in vielen Kommunen in Bayern und in ganz Deutschland sei der Bedarf an Wohnungen nach wie vor groß, „nicht zuletzt auch für anerkannte Flüchtlinge und Asylberechtigte, die noch in den Asylbewerberunterkünften wohnen und eigentlich ausziehen wollen beziehungsweise müssen.“

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Prognose: Bis zu 30 neue Asylsuchende pro Monat im Landkreis Cham

Zusätzlich werde für den Landkreis Cham prognostiziert, „dass wir mit Zugangszahlen von monatlich zwischen 20 und 30 Asylsuchenden rechnen müssen.“ Die werden von der Regierung weitergeschickt in die Landkreise, wo sie untergebracht werden müssen. Die jüngste Zuweisung sei diese Woche mit 20 Asylsuchenden erfolgt, so Gruber. Aufgrund der mangelnden Verfügbarkeit von Wohngebäuden sei der Landkreis Cham derzeit auf der Suche nach Standorten zur Errichtung von Wohncontainern zur Unterbringung von Schutzsuchenden.

Wo das Landratsamt nach neuen Flächen für Flüchtlinge sucht

„Geprüft werden Flächen im gesamten Landkreisgebiet, die die erforderliche Infrastruktur zur Unterbringung dieses Personenkreises aufweisen, also etwa über eine gute Anbindung an den ÖPNV oder Nahversorgungsmöglichkeiten verfügen“, erläutert der Landratsamtssprecher, und weiter: „Im Fokus stehen insbesondere solche Gemeinden, die zum aktuellen Zeitpunkt deutlich weniger Geflüchtete unterbringen als andere Kommunen im Landkreis.“ Durch die Errichtung von Wohncontainern wolle der Landkreis eine Alternative schaffen zur Unterbringung von Schutzsuchenden in den örtlichen Turnhallen, die andernfalls nicht mehr von Schulen oder Vereine genutzt werden könnten.

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350 Asylbewerber im ersten Halbjahr 2023

Wie herausfordernd die Lage ist, zeigen auch die Zahlen des ersten Halbjahrs 2023: In den ersten sechs Monaten wurden circa 350 Asylbewerberinnen und Asylbewerber dem Landkreis zur Unterbringung zugewiesen. Vorrangig sei eine erste Unterbringung in der Notunterkunft in Cham erfolgt. Im Jahresvergleich dazu waren es im ersten Halbjahr 2022 „nur“ 150 Personen, für die der Landkreis eine Unterkunft bereitstellen musste. Im gesamten Jahr 2022 wurden laut Landratsamt dem Landkreis insgesamt 470 Asylbewerberinnen und Asylbewerber zugewiesen.

Hauptzugangsländer der Geflüchteten, die in den Landkreis Cham kommen, seien aktuell Syrien und Iran. „Zu den zugangsstärksten Staatsangehörigkeiten im Asylzusammenhang gehören seit Anfang des Jahres bundesweit Syrien, Afghanistan, Türkei, Iran und Irak“, ergänzt Gruber.

Containerlager zuletzt im Eilverfahren aufgebaut

Zuletzt im Dezember 2022 hatte der Landkreis im Eilverfahren ein Lager aus Schlafcontainern an der Osserstraße mit 80 Plätzen aufgebaut. Er sei froh, dass der Landkreis kurzfristig eine Unterkunft habe bauen können, die 80 Plätze habe, sagte Landrat Franz Löffler damals auf Nachfrage. Denn auch der Landkreis wie die Regierung der Oberpfalz suchten schon zu der Zeit nach freien Herbergen, um Flüchtlinge unterzubringen.

Erschwert wurde die Lage durch den Start des Ukraine-Krieges, da viele Ukrainer Richtung Europa flohen und in Deutschland unterkamen. Per „Winternotfallplan“ musste Ende 2022 jeder Landkreis noch vor Weihnachten Plätze für je 100 Schutzsuchende zusätzlich schaffen. Die Notfallunterkunft in der Osserstraße für bis zu 80 Geflüchtete war in kürzester Zeit gefüllt.