Wo die im Landkreis Cham landen, die staatliche Hilfe nötig haben

Von Christoph Klöckner · 22. Februar 2023 um 11:00

Es gibt eine Liste darüber, wie Hilfedürftige in unserem Landkreis verteilt sind – das heißt, sie zeigt, wo Bürgergeldempfänger und Flüchtlinge untergekommen sind. Die Zusammenstellung, die das Jobcenter herausgegeben hat, zeigt eines: Die Verteilung über den Flächenlandkreis ist nicht gleichmäßig.

An manchen Orten wie Furth im Wald finden sich überproportional viele Bürgergeld-Empfänger, anderswo liegt der Wert, gemessen an der Einwohnerzahl, unter einem Prozentpunkt.

Ob sie auch unsolidarisch ist, bleibt dahingestellt. Doch klar ist auch, dass vieles von den Bedingungen vor Ort abhängt. Wie ist die Wohnsituation? Gibt es freie Wohnungen? Wie günstig sind die zu haben? Diese Fragen spielen durchaus eine Rolle für die, die auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Und die Liste zeigt noch etwas, denn sie zieht eine Zahlenvergleich zwischen 2005 und 2022: Ohne die Geflüchteten hätte sich die Zahl der Menschen, die Unterstützung brauchen, mehr als halbiert.

Das ist vor allem ein Ausdruck für die wirtschaftliche Stärke des Landkreises, die in dieser Zeit gewachsen ist und viele in Arbeit zurückgebracht hat. Waren es Ende 2005 noch fast 5000 Menschen, die Hartz IV-Sozialleistungen im Landkreis bekamen, sind sie Ende des vergangenen Jahres auf knapp 3000 gesunken. Wobei, so Sven Schmuderer, Geschäftsführer des Jobcenters, betont, dass die anerkannten Geflüchteten eigentlich abgezogen werden müssten, um die wirkliche Zahl für den Landkreis zu bekommen. Aktuell sind 486 Syrer und 946 Ukrainer als Bürgergeldempfänger beim Jobcenter registriert. Würde man die abziehen, hätte sich die Gesamtzahl zu 2005 mehr als halbiert – was auch die Leistungsbilanz des Jobcenters widerspiegelt, das nicht umsonst gemessen an den Ergebnissen bundesweit immer in der Spitzengruppe der erfolgreichsten Jobcenter zu finden ist. Die allgemeine „Hilfsbedürftigkeitsquote“ ist dennoch gesunken – von 3,7 auf 2,3 Prozent zur Einwohnerzahl.

Wie sieht es nun in den Kommunen im Landkreis Cham aus? Nimmt man den Durchschnittswert von 2,3 Prozent an Hilfsbedürftigen an der Gesamteinwohnerzahl so liegen acht Kommunen gleichauf oder darüber. Dabei sticht die Stadt Furth im Wald überdeutlich heraus, die mit 6,4 Prozent mehr als doppelt so viele Menschen beherbergt, die von Bürgergeld leben müssen, als anderswo im Landkreis. 569 bedürftige Menschen wohnen hier. Die prozentuale Zahl, 6,4 Prozent, hat sich im übrigen zu 2005 nicht verändert, während sie in anderen Städten des Landkreises teils deutlich gesunken ist. Und auch bei der Verteilung der als Flüchtlinge anerkannten Menschen, denn nur die werden vom Jobcenter betreut und sind in der Zahl 569 enthalten, liegt die Stadt Furth im Wald ganz vorn. 152 Ukrainer und 131 Syrer wohnen hier. Vermutlich liegt es hier am günstigen und vorhandenen Wohnraum, warum in Furth eine Häufung feststellbar ist.

Die nach Furth im Wald nächste Kommune mit einer überdurchschnittlichen Zahl hilfsbedürftiger Einwohner ist Stamsried mit 4,4 Prozent an der Gesamteinwohnerzahl. Hier bekommen 97 Menschen Bürgergeld, was einer Quote von 4,4 Prozent entspricht. Von 97 Bürgergeldempfängern sind 44 Geflüchtete. Diese sind aber – anders als früher, als vor allem der dortige Glocknerhof für Flüchtlinge etwa aus Syrien als Wohnort diente – nur noch aus der Ukraine.

Hohe Zahlen ähnlich der beschriebenen in Furth im Wald erwartet man auch für Cham. Doch die Kreisstadt hat nur eine Hilfsbedürftigenquote von 2,8 Prozent, hier hat sich die Zahl seit 2005 halbiert. 481 Menschen bekommen hier Bürgergeld, darunter 90 Syrer und 163 ukrainische Kriegsflüchtlinge. In Bad Kötzting liegt die Hilfsbedürftigkeitsquote bei 3,4 Prozent, in Lam bei 3,3, in Roding bei 2,7 und in Waldmünchen bei 3,5 Prozentpunkten.

In zwölf Landkreis-Gemeinden liegt die Bedürftigkeitsquote unter einem Prozent, was auch damit zusammenhängt, dass dort kaum Flüchtlinge wohnen. Die kleinste Gemeinde hat hat die geringste Quote: In Gleißenberg sind 0,3 Prozent Bürgergeldempfänger – in Zahlen sind das drei, darunter ein geflüchteter Syrer. Das war nicht immer so: 2005 hatte Gleißenberg 43 hilfsbedürftige Menschen – und eine Quote von 4,5 Prozent. Und noch etwas: Die Gemeinde Weiding hat zwar 27 Bürgergeldempfänger, aber als einzige Gemeinde keine syrischen und auch keine ukrainischen Flüchtlinge im Gemeindegebiet.