WG, Tagespflege, Betreutes Wohnen: Wackersdorf will neue Angebote für Senioren schaffen

Von Philipp Breu · 7. Juli 2023 um 11:00

Der demografische Wandel macht auch vor Wackersdorf nicht halt. Mittlerweile leben etwa 1500 Menschen mit einem Alter von über 65 Jahren in der 5400 Einwohner zählenden Gemeinde – Tendenz steigend. Ein Arbeitskreis beschäftigt sich deshalb seit geraumer Zeit mit der Thematik seniorengerechtes Wohnen. Erste Vorstellungen für ein großes Projekt gibt es bereits – und auch eine favorisierte Fläche.

Was tun, wenn die Kinder längst ausgezogen sind und man mit dem Eigenheim und dem Garten zunehmend überfordert ist? Diese Frage stellen sich mittlerweile viele Bürger. Denn fest steht: Die Bevölkerung wird immer älter und Wohnformen, bei denen drei Generationen unter einem Dach leben, findet man immer seltener. Dieser Trend ist auch der Gemeinde Wackersdorf nicht entgangen. „Das Thema Seniorenwohnen wird uns also in Zukunft zwangsläufig beschäftigen“, sagt Bürgermeister Thomas Falter (CSU).

In der Gemeinde gibt es bereits Angebote für betagte Mitbürger: das Seniorenheim Doreafamilie Wackersdorf an der Kiefernstraße beispielsweise. Die Einrichtung verfügt laut Falter über 58 Plätze und sei stets voll belegt.

Viele Anfragen bei der Nachbarschaftshilfe in Wackersdorf

Zudem gibt es laut Falter engagierte Sozialverbände wie den VdK, die AWO oder auch den Pensionistenverein sowie das Team des Mehrgenerationenhauses. Sie alle gehen mit verschiedenen Aktionen auf die Bedürfnisse der betagten Bevölkerung ein. Eine große Stütze sei auch die 2013 gegründete Nachbarschaftshilfe. Ziel der Organisation ist es, Älteren und vorübergehend hilfsbedürftigen Menschen unter die Arme zu greifen. „Wir haben etwa drei Einsätze pro Woche“, sagt Vorsitzender Artur Gut.

Die Anfragen seien breitgefächert. „Das geht vom Rasenmähen über Fahrdienste bis hin zum Füttern von Haustieren“, so Gut. Über die Jahre sei die Zahl der Hilfsgesuche gestiegen, auch außerhalb Wackersdorfs. „Und wenn man davon ausgeht, dass die Zahl der Senioren in der Gemeinde immer weiter steigt, reicht die Arbeitskraft der Nachbarschaftshilfe irgendwann nicht mehr aus“, sagt der Vorsitzende.

Grund genug also, die bestehenden Strukturen weiter zu ergänzen. Im Herbst vergangenen Jahres hielt das Thema seniorengerechtes Wohnen Einzug in die Klausurtagung des Gemeinderats, wie sich Rathauschef Falter erinnert. Die Gemeinderäte beschlossen, dieses Feld in Zukunft mehr in den Fokus zu rücken und stellten im Haushalt 20000Euro für weitere Planungen ein.

Arbeitskreis sammelt Wünsche und informiert die Wackersdorfer

Ziel sei es, passgenaue Lösungen für die Bürger vor Ort zu finden. Über diese macht sich seit geraumer Zeit ein eigens dafür ins Leben gerufener Arbeitskreis Gedanken. Dieser setzt sich aus Gerhard Eilers, dem Seniorenbeauftragten der Gemeinde, Bürgermeister Thomas Falter, der Leiterin des Mehrgenerationenhauses Stephanie Staudenmayer und Artur Gut von der Nachbarschaftshilfe zusammen. Gemeinsam riefen sie immer wieder Infoveranstaltungen zum seniorengerechten Wohnen ins Leben, die jüngste fand am 13.Juni im Mehrgenerationenhaus statt.

Hier informierten die Referenten, unter anderem Brigitte Herkert von der Koordinationsstelle Wohnen im Alter, die Bevölkerung über verschiedenste Alternativen: vom betreuten Wohnen bis zur Tagespflege. Zudem sollte auch der Bedarf der Wackersdorfer Bürger in Erfahrung gebracht werden. „Wir bekamen von den Zuhörern durchweg die Rückmeldung, dass sie auf jeden Fall hier vor Ort bleiben möchten und dass nur ein Seniorenheim vor Ort für die Zukunft nicht reicht“, erinnert sich Staudenmayer, zumal das Haus Dorea ein Vollpflegeheim sei. „Es gibt aber genug Senioren, die so fit sind, dass sie Teile ihres Alltags noch selbst bestreiten können, aber eben nicht mehr alles“, so Staudenmayer. Deshalb bedürfe es einer Zwischenstufe.

In die gleiche Kerbe schlägt auch Seniorenbeauftragter Eilers: „Die Themen Tagespflege, barrierefreies Wohnen und betreutes Wohnen stoßen bei den älteren Mitbürgern auf großes Interesse.“ Auch ausgefallenere Vorschläge seien ihm schon entgegengetragen worden – unter anderem die Gründung einer Senioren-WG. Doch wie könnte das Thema in Zukunft in Wackersdorf umgesetzt werden? Konkrete Pläne gibt es laut den Verantwortlichen des Arbeitskreises noch nicht. Man habe aber schon eine Art Wunschvorstellung entwickelt. „Wir könnten uns eine Hybridlösung gut vorstellen“, sagt Staudenmayer und meint damit einen Wohnkomplex, der mehrere Angebote kombiniert: barrierefreie Apartments, Gemeinschaftsräume, zubuchbare Hausmeisterserviceleistungen bis hin zu Wohneinheiten mit Tagespflege.

Seniorenwohnprojekt: Erste Dienstleister zeigen Interesse

Ob so etwas letztendlich umsetzbar wäre, hinge aber auch von möglichen Förderungen und vor allem von Dienstleistern ab. „Bei der Tagespflege geht es ja in Richtung medizinischer Versorgung. Da braucht man natürlich speziell ausgebildete Kräfte“, sagt Bürgermeister Falter. Man habe aber dahingehend schon erste Signale von Interessenten bekommen. Und auch eine geeignete Fläche für das Projekt sei von den Bürgern im Zuge der Bürgerbeteiligung zur Marktplatzgestaltung vorgeschlagen worden. „Gegenüber des Ärztehauses wurde vermehrt ein roter Punkt gesetzt mit der Bitte, dort ein seniorengerechtes Wohnprojekt zu entwickeln“, sagt Falter. Auch für den Arbeitskreis bringe dieser Standort durchaus Vorteile mit sich. „Er liegt zentral mit direkter Busanbindung und die medizinische Versorgung ist vor der Haustüre. Insofern können wir diesen Bürgerwunsch nachvollziehen“, so der Tenor.

Bis es an die Planungen gehen könne, werde aber noch etwas Zeit ins Land ziehen. Man wolle noch mehr Rückmeldungen von Bürgern sammeln und sich auch funktionierende Projekte dieser Art in der Umgebung ansehen. Dann würden die Erkenntnisse dem Gemeinderat vorgestellt. Falter rechnet damit, dass das Thema bis Ende des Jahres zur Diskussion gestellt werden könne. „Und idealerweise können wir 2024 dann in die Planungen einsteigen.“

Sie tauschen sich regelmäßig zum Thema aus: Seniorenbeauftragter Gerhard Eilers, Bürgermeister Thomas Falter, die Leiterin des Mehrgenerationenhauses Stephanie Staudenmayer, Brigitte Herkert von der Koordinationsstelle Wohnen im Alter und Artur Gut von der Nachbarschaftshilfe (v. l.). Foto: Staudenmayer