Gutachten: Gemeinde Wackersdorf ist für Nutzung von Windkraft kaum geeignet

Energiepolitische Themen standen neben der Sicherstellung der Wasserversorgung in der Gemeinderatsitzung am Mittwoch auf der Tagesordnung. Patrick Dirr vom Institut für Energietechnik Amberg (IfE) präsentierte die Potenzialflächen für eine mögliche Windkraftnutzung.
Nach dem Windenergieflächenbedarfsgesetz soll ja Bayern bis zum Jahr 2027 1,1 Prozent der Fläche für den Bau von Windkraftanlagen bereitstellen. Den Untersuchungen des IfE zufolge gibt es demnach im ganzen Gemeindegebiet eine geringe Windstandortgüte nach der Normierung des EEG Gesetz (Erneuerbare Energiegesetz).
Nur eine Fläche für Windkraft geeignet
Die Gemeinde Wackersdorf weist demnach maximal nur 70 Prozent der möglichen normierten Standortgüte auf. Diese möglichen Flächen befinden sich zudem in Gebieten, in welchen seitens der Naturschutzbehörde artenschutzrechtliche Belange entgegenstehen. Als einzige potenzielle Fläche für die Windkraftnutzung verbleibt ein Gebiet im östlichen Bereich des Industriegebietes WTF I. Dieses wird nun an den Planungsverband gemeldet, auch wenn dort die Windhöffigkeit zu wünschen übrig lässt.
Mit dem Bau einer Photovoltaikanlage auf dem Rathaus oder auf der Feuerwache I will der Gemeinderat die gemeindliche Energiebilanz verbessern. Einstimmig sprach sich das Gremium für die Installation einer Photovoltaikanlage auf dem Rathaus aus, und zwar am östlichen Satteldach des Altbestands und dem südlichen Satteldach des Neubaus. Auf der Feuerwache I sollen PV-Anlagen am nord-westlichen und süd-westlichen Satteldach errichtet werden. Dabei kann eine Anlagengröße von 66 kWp erzielt werden. Mit einem 45-kWh-Speicher hätte die Gemeinde einen Nutzungsgrad von 86 Prozent und einen Autarkiegrad von etwa 51 Prozent. Die Eigenverbrauchsquote liegt hier bei rund 71 Prozent, die Amortisationszeit bei rund acht Jahren. Nach einer Diskussion wurde gegen zwei Stimmen die Umsetzung der Photovoltaikanlage auf dem Kindergarten in Heselbach auf das Haushaltsjahr 2024 verschoben.
Balkonkraftwerke werden gefördert
Gegen vier Stimmen, fast ausschließlich aus den Reihen der CSU-Fraktion, sprach sich der Gemeinderat für die Förderung von Balkonkraftwerken aus. Trotz der geringen Summe von 3000 Euro, die heuer zur Verfügung gestellt wird und pro Anlage eine Förderung von 100 Euro bedeutet, wurde konträr diskutiert. Förderanträge können ab 1. Juli gestellt werden, gefördert werden Stecker-Solaranlagen mit einer Nennleistung von bis zu 1000 Wp.
Diplom-Bauingenieur Stefan Summer von der Firma Voltgrün präsentierte in einem weiteren Tagesordnungspunkt den Solarpark Kronstetten II, für den die Einleitung des Verfahrens sowie die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans beantragt wurde. Die Teilfläche (das restliche Areal befindet westlich der Bahnlinie Schwandorf-Furth im Wald auf Schwandorfer Gebiet) liegt im östlichen Bereich von Kronstetten und westlich der Bahnlinie auf Wackersdorfer Gemeindegebiet. Die Anlage Wackersdorf produziert rund zwei Megawatt, der Schwandorfer Bereich rund zehn Megawatt.
BMW investiert weiter in Wackersdorf
Behandelt wurden in der Gemeinderatssitzung auch verschiedene Bauanträge. Um den erhöhten Energiebedarf abdecken zu können, beantragte die BMW AG den Neubau einer Mittelspannungsanlage. Das Gebäude, das ausschließlich zur Energieversorgung errichtet werden soll, hat ein Ausmaß von 27,68 mal 9,14 Metern. Für das geplante Testzentrum für Batteriezellen beantragte die BMW AG zudem den Teilumbau der bestehenden Logistikhalle. Die Batteriezellen sollen über die vorhandene Werkslogistik angeliefert werden, in der umgenutzten Halle in geeigneten Lagervorrichtungen zwischengelagert, anschließend in Batterie-Zell-Prüfständen getestet und schließlich über die Werklogistik zur Weiterverwendung am Standort Wackersdorf und anderen BMW-Standorten abgeholt werden. Bei den rund 4000 Zellen, die pro Jahr getestet werden sollen, sei im regulären Betrieb nicht von der Freisetzung von Gefahrenstoffen oder wassergefährdenden Stoffen auszugehen, so die BMW AG.
Großes Lagerregal an der Industriestraße
Die Firma HAGA in der Industriestraße beantragte die Errichtung einer Lagerregalanlage in der Länge von 68 Metern entlang der Grundstücksgrenze, direkt an der Industriestraße. Der Bau ist bereits im Gange. Die Anlage wird von innen aus als Lager genutzt. Von der Außenseite ist sie bis auf vier Meter Höhe mit Trapezblech versehen. Die Verwaltung wies den Gemeinderat darauf hin, dass die vier Meter hohe Blech-Einfriedung auf dem Weg zum Murnersee prägend sei. Jedoch handle es sich gemäß Flächennutzungsplan um ein Industriegebiet. Um den Betrieb in seiner Weiterentwicklung nicht einzuschränken, sprach sich die Verwaltung dafür aus. dem Bauantrag zuzustimmen. Der Gemeinderat gab schließlich grünes Licht für alle vorliegenden Bauanträge.
Bauamtsleiter Uwe Knutzen informierte im weiteren Verlauf der Sitzung über den Sachstand bei den Projekten Trauerhalle, Sanierung der WC-Bereiche im Kindergarten Regenbogen und Neubau der Krippengruppe am Irlacher Weg.