Nach spektakulärer Flucht aus Gericht in Regensburg: Mörder legt Revision ein

Von Philip Hell · 30. Juni 2023 um 17:00

Er will sich mit seiner Haftstrafe nicht abfinden: Der verurteilte Mörder, der im Januar aus dem Regensburger Gericht sprang, beschäftigt nun demnächst das Bayerische Oberste Landgericht.

Er beschäftigt die Justiz weiterhin: Der verurteilte Mörder, der im Januar aus dem Fenster des Regensburger Justizgebäudes sprang, legt über seinen Anwalt Revision gegen ein Berufungsurteil des Landgerichts Regensburg ein. Das bestätigte eine Gerichtssprecherin der MZ. Das Landgericht hatte ihn vor rund anderthalb Wochen zu einem weiteren Jahr und drei Monaten in Haft verurteilt, weil er im Juni 2021 mehrere Wärter in der JVA Straubing angegriffen hat.

Bayerisches Oberstes Landesgericht entscheidet über Revision

Über die Revision muss nun das Bayerische Oberste Landesgericht entscheiden. Zuständig dafür ist der Außensenat in Nürnberg. Wann mit einer Entscheidung zu rechnen ist, konnte eine Sprecherin des fränkischen Gerichts noch nicht mit Bestimmtheit sagen. Das Verfahren sei noch nicht anhängig, da die Sache noch zu frisch sei.

Im Rahmen einer Revision prüft das OLG das Urteil des Landgerichts auf Rechtsfehler. Eine erneute Beweisaufnahme findet nicht statt. Sollte das OLG tatsächlich Rechtsfehler finden, wird das Urteil aufgenommen – die Wahrscheinlichkeit dafür ist allerdings sehr gering. In Deutschland sind nur rund fünf Prozent der Revisionen erfolgreich.

Mörder war 100 Stunden auf der Flucht

Mit der Attacke auf die Justizvollzugsbeamten in Straubing hatte sich im Januar schon das Amtsgericht Regensburg beschäftigt. Kurz vor dem Urteil im Januar bat der verurteilte Mörder um ein Gespräch mit seinem Anwalt. Dazu wurde er ohne Fesseln in ein ungesichertes Zimmer geführt. Der Mann nutzte die Gelegenheit, sprang aus dem Fenster und war rund 100 Stunden auf der Flucht, ehe ihn französische Spezialkräfte in der Nähe zur deutschen Grenze überwältigen konnten.

Der 41-Jährige wurde 2013 zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, weil er zwei Jahre zuvor eine Kiosk-Besitzerin aus Nürnberg erwürgt hatte. In der Folge saß er in mehreren bayerischen Gefängnissen – unteranderem auch in Kaisheim. Dort versuchte er 2019 ein Loch in sein Knast-Klo zu graben, um zu fliehen. Der Versuch scheiterte jedoch.