Die Galeria in der Regensburger Altstadt öffnet am Freitag wieder

Von Marion Koller · 29. Juni 2023 um 05:00

Kein weiterer Leerstand: Das Kaufhaus am Neupfarrplatz hat eine Zukunft. Foto: altrofoto.de

Die Galeria in der Altstadt öffnet am Freitag wieder. Das Kaufhaus im Regensburger Welterbe wird auf zwei Etagen Mode, Sportartikel und Schmuck anbieten. Umbau und Modernisierung starten im Herbst.

Rotweiße Flatterbänder versperren den Weg zu den Schmuckvitrinen, Schuhregalen und Kartons mit neuer Ware. Renate Fischer steht dahinter und packt Glaskaraffen aus. „Die Galeria gehört zur Altstadt“, sagt die 61-Jährige. „Ich bin natürlich froh, dass es weitergeht.“ Das Kaufhaus am Neupfarrplatz ist ein wichtiger Teil ihres Lebens. Seit 45 Jahren verkauft Fischer dort. Sie bedauert, dass Kolleginnen aus dem eingespielten Team das Haus verlassen haben.

Noch wird in der Galeria Kaufhof eingeräumt, ausgezeichnet und eine der Eingangstüren repariert. Am Freitag um 10 Uhr öffnet das Altstadt-Kaufhaus wieder, im Juli und August zunächst als Outlet Store auf zwei Etagen.

Ware von anderen Standorten

„Es wird ganz viele Schnäppchen geben“, verspricht Filialgeschäftsführer Roman Kasimir. „Haushalt, Sportbekleidung, Mode, Schuhe, Schmuck, von allem wird was da sein.“ Die Ware kommt von anderen deutschen Standorten.

Christina Greiner will am Mittwoch durch die Galeria schlendern, stellt aber schnell fest, dass man nur bei Edeka im Untergeschoss einkaufen kann. Als sie vom Neustart hört, reagiert die 35-Jährige begeistert: „Das ist wichtig für Regensburg. Auch dass die Arbeitsplätze gehalten werden.“ Sie sagt ebenfalls den Satz, den man an diesem Tag noch öfter hören wird: „Die Galeria gehört zur Stadt.“ Die Menschen hätten einen Bezug dazu.

Das klingt in Roman Kasimirs Ohren wie Musik. Der 39-Jährige hofft, dass im Juli und August erneut so viele Kunden die Kreditkarten zücken wie beim Ausverkauf. Im Erdgeschoss steht noch das Schild „Hier Beginn der Warteschlange/Schmuckverkauf“.

Anfang September wird das Altstadt-Kaufhaus umgebaut und modernisiert. Grünes Licht dafür hat die Galeria Karstadt Kaufhof GmbH in Essen signalisiert. „Wir kriegen neue Shops und neue Marken rein“, freut sich Kasimir. „Die Menschen werden den Laden wiedererkennen, aber ich hoffe, dass sie überrascht sind.“ Die Verantwortlichen werden das Sortiment besser an die Kundenwünsche anpassen. Hauptsächlich kaufen Altstadtbewohner, Studierende und Gäste aus aller Welt am Neupfarrplatz ein.

Der Edeka bleibt vorerst

Der Edeka-Markt bleibt die nächsten Monate. Eine endgültige Entscheidung steht aus. Sehr langsam verlässt Elfriede Brederecke den Lebensmittelmarkt. Sie schiebt den Einkaufswagen an seinen Platz zurück. „Dass die weitermachen, ist eine große Freude für mich“, sagt die alte Dame. „Bis hierher schaffe ich es noch.“ Die 93-Jährige, die vor zehn Jahren wegen ihrer Tochter von Berlin nach Regensburg gezogen ist, lebt in der Dänzergasse. Ab und zu hole sie bei Netto am Arnulfsplatz Milch und Kartoffeln. Edeka habe die größere Auswahl. Bei der Galeria Kaufhof bekommt sie alles für den Haushalt, von der Schere bis zum Kleiderbügel. Brederecke deutet auf ihren Einkaufstrolley. „Den habe ich auch dort gekauft.“

Für das Restaurant im Obergeschoss mit einer der schönsten Regensburger Dachterrassen wird ein Konzept ausgearbeitet. Ob ein anderer Betreiber einsteigen wird, ist noch unklar.

Rund 40 der fast 90 Beschäftigen sind geblieben. Für den Outlet Store in den Sommermonaten reiche das aus, sagt Roman Kasimir. Er erwartet, dass einige Mitarbeiterinnen zurückkehren werden. Für den Neustart nach dem Umbau werden weitere Fachkräfte gesucht: Verkäuferinnen, Kassierer, Aushilfen. Teile des mächtigen Baus aus den 70er-Jahren will die Galeria Karstadt Kaufhof GmbH an Dritte vermieten. Noch sind keine Verträge unterschrieben. Der Filialgeschäftsführer lobt die Stadt Regensburg für ihre tatkräftige Unterstützung. „Wir arbeiten Hand in Hand, um den Standort erfolgreich zu machen.“

Der Betriebsratschef geht

Obwohl es nun weitergeht, kehrt der bisherige Betriebsratsvorsitzende Andreas Prasch dem Unternehmen den Rücken. Im Juli fängt der 44-Jährige als Büroangestellter bei einem neuen Arbeitgeber an. Andreas Prasch hat die Tätigkeit bei der Galeria geschätzt. Beschäftigte genössen viele Freiheiten. „Natürlich habe ich lange darüber nachgedacht. Schließlich war ich 29 Jahre dort“, sagt er.

„Aber Sie dürfen nicht vergessen, dass wir auf der Schließungsliste standen. Für mich ist die Perspektive wichtig.“

Verkäuferin Renate Fischer ist glücklich, dass sie die knapp drei Jahre bis zur Rente wohl am Neupfarrplatz arbeiten kann.

Setzt große Hoffnungen auf den Umbau: Roman Kasimir Foto: Lex