Neuer Schwandorfer Verein will eine Heimat für alle Migranten sein

Von Jan Lange · 25. Juni 2023 um 19:00

Der Verein „Neue Heimat Schwandorf und Kreis“ hat sich aus der freiwilligen Ukraine-Hilfe heraus entwickelt. Der Zusammenschluss ist aber offen für alle Menschen mit Migrationshintergrund. Er hat sich ehrgeizige Ziele gesteckt und muss dafür nun zunächst bekannter werden.

Es gilt Details zu besprechen: Das Bürgerfest ist bald und auch der Verein „Neue Heimat Schwandorf und Kreis“ will sich bei dem Großereignis präsentieren. Zwei Stände sollen angemietet werden: einer, an dem es ukrainische und bayerische Speisen und Getränke geben wird, und einer, an dem selbstgemachte Dekoartikel angeboten werden.

Mit den Einnahmen will der Verein, so erklärt Vorsitzende Oleksandra Rudnikova, die eigene Arbeit finanzieren. Wichtiger sei jedoch die Werbung in eigener Sache. Der Zusammenschluss ist frisch aus der Taufe gehoben und in der Stadt noch weitgehend unbekannt. Das soll sich ändern.

Aus freiwilliger Ukraine-Hilfe wurde ein Verein

Vorsitzende Oleksandra Rudnikova und ihr Stellvertreter Thomas Gietl sind dagegen keine Unbekannten. Sie engagieren sich seit mehr als einem Jahr in der Ukraine-Hilfe. Sie haben Spenden an die ukrainische Grenze gebracht, aber vor allem den Flüchtlingen in Schwandorf bei Fragen und Problemen geholfen. Alles lief ausschließlich ehrenamtlich. Wurden die Helfer anfangs noch mit Spenden überschüttet, habe sich dies inzwischen gelegt. So sei die Idee entstanden, einen Verein zu gründen, der auch Fördermittel beantragen könne. Und so wurde aus der freiwilligen Ukraine-Hilfe der Verein Neue Heimat.

„Für viele Ukrainer ist eine Rückkehr in ihr Heimatland kaum möglich. Viele wollen hier in Deutschland bleiben und Teil der Gesellschaft sein“, erklärt Rudnikova, die selbst aus der Ukraine stammt und seit 2010 in Schwandorf lebt. Viele hätten bereits Deutschkurse absolviert und eine Arbeit aufgenommen, weiß die Vorsitzende. „Sie bauen sich eine längere Zukunft in Schwandorf auf“, so Rudnikova. Die Ukrainer seien, ist sie überzeugt, eine Bereicherung für das Land. Sie seien ehrlich, gut ausgebildet und würden das System anerkennen.

Der Verein verstehe sich aber nicht nur als rein ukrainisches Netzwerk, sondern wolle für alle Menschen mit Migrationshintergrund offen sein, so die Vorsitzende. Diejenigen, die sich wirklich einbringen wollen und Schwandorf als ihre neue Heimat verstehen, würden hier einen Treffpunkt finden. Willkommen seien ebenso interessierte Einheimische, erklärt die Vorsitzende. Denn Integration gelinge in der Regel nur, wenn sich beide Seiten treffen und kennenlernen. Deshalb sei das Ziel des Vereins das beiderseitige Kennenlernen, die Darstellung von Kultur und Brauchtum sowie die Kontaktpflege.

Miteinander ins Gespräch kommen und sich vernetzen, das ist auch jeden Freitag beimSprachcafé von 17 bis 19 Uhr möglich. Bereits im Rahmen der Ukraine-Hilfe gab es ein Sprachcafé für Geflüchtete. Unterstützt wurden die Organisatoren dabei vom Malteser Hilfsdienst Schwandorf, in dessen Räumen in der Brauhausstraße15 die wöchentlichen Treffen stattfinden. Dass dieser Raum genutzt werden kann, ist auch Alisa Langlitz zu verdanken. Sie kümmerte sich gleich nach Beginn des Krieges um die in Schwandorf ankommenden Ukraine-Flüchtlinge. Mit den Maltesern war sie am Bahnhof und empfing die Leute.

Größerer Raum in Schwandorf gesucht

Der Verein Neue Heimat führt das Sprachcafé fort. Bis zu 30Leute schauen regelmäßig vorbei. Und die Zahl der Interessenten wachse, so Rudnikova. Deshalb stoße man bei den Malteser langsam an Grenzen. Sollte es irgendwo in Schwandorf einen größeren Raum – vielleicht sogar mit einer Küche – für bis zu 50 Personen geben, würde sich die Vorsitzende über jeden Hinweis freuen.

Der Raum müsse kostenfrei zur Verfügung stehen, betont sie, da der Verein bisher kein Geld habe, um ihn anzumieten. Denn der Zusammenschluss, der aktuell knapp 30 Mitglieder zählt, stecke noch in den Kinderschuhen. Die Eintragung im Vereinsregister ist bereits erfolgt, nun hofft der Vorstand, dass das Finanzamt bald die Gemeinnützigkeit anerkennt.

Danach könnten weitere Projekte angegangen werden. Und Ideen haben Oleksandra Rudnikova und ihre Mitstreiter jede Menge. Dazu gehöre auch die Unterstützung von Einrichtungen in der Ukraine.

Informationen zum Verein

Name: Neue Heimat Schwandorf und Kreis

Mail: schwandorf.neue. heimat@gmail. com. Über diese Adresse können weitere Kontaktdaten und auch ein Spendenkonto übermittelt werden.

Beitrag: Der Jahresbeitrag liegt bei 15 Euro. Kinder und Jugendliche bis 18Jahre sind frei.

Treffen: Die Vereinsmitglieder treffen sich jeden ersten Freitag im Monat. Daneben findet jeden Freitag von 17 bis 19Uhr das Sprachcafé in der Brauhausstraße 15 statt.

Beim Festumzug anlässlich des Schwandorfer Pfingstvolksfestes präsentierten sich die Vereinsmitglieder in ukrainischer und deutscher Tracht. Foto: Thomas Gietl