Nach Insolvenz der Betreibergesellschaft: Zahnarzt rettet Schwandorfer Lichtwerk Kino

Von Jan Lange · 24. Juni 2023 um 05:00

In den Schaukästen vor dem Haupteingang des Schwandorfer Lichtwerk Kinos hängen noch diverse Filmplakate. Innen bleibt die Leinwand momentan aber dunkel. Denn in dem Kino gibt es Veränderungen. Die bisherige Betreibergesellschaft Kino Schwandorf UG hat Insolvenz angemeldet. Doch nun springt ein Zahnarzt in die Presche.

Der Antrag wurde bereits im März gestellt, nun ist das Insolvenzverfahren eröffnet und der Amberger Rechtsanwalt Jochen Zaremba zum Insolvenzverwalter bestellt worden. Zahnarzt und FW-Stadtrat Karl-Heinz Saur, Eigentümer des Kinogebäudes an der Postgartenstraße, will den Betrieb zunächst in Eigenregie weiterführen. Bisher hatte er die Räume an die Kino Schwandorf UG und ihren Geschäftsführer Frederik Hohrath vermietet. Zuletzt habe er aber kein Geld mehr gesehen, sagt Saur.

Corona habe stark zu Buche geschlagen, benennt der 68-Jährige die Gründe für die finanzielle Schieflage. Während der Zwangsschließungen konnte das Kino keine Einnahmen generieren und auch danach seien die Zuschauer nicht in Massen zurückgekommen. Dabei habe der Betreiber gehofft, dass die Besucherzahlen wieder deutlich ansteigen würden. Das Kino sei dafür sogar renoviert worden. „Die Rechnung ist nicht ganz aufgegangen“, resümiert Saur.

Krisen hinterlassen Spuren – auch in der Kinobranche

Hinzu kamen die stark gestiegenen Energiekosten. Auch dadurch sei der Schuldenberg immer größer geworden, meint Saur. „Kino ist kein Betrieb, mit dem man reich werden kann“, ist sich der 68-Jährige bewusst. Blieb schon bisher kaum was übrig, hätten die Krisen dafür gesorgt, dass gar nichts mehr vorhanden war, sagt er.

Für Karl-Heinz Saur ist die Situation nicht neu. Der Zahnarzt, der in Maxhütte-Haidhof seine Praxis hat, kaufte 2006 das Kino, nachdem der Vorbesitzer insolvent war. Eigentlich wollte er das Haus zu Wohnungen umbauen, entschied sich dann aber doch, das Kino aufleben zu lassen.

Ein Bekannter übernahm die Betreibung und hatte anfangs auch Erfolg, erinnert sich Saur. Doch dann sei er ebenfalls in Zahlungsschwierigkeiten gekommen und musste Insolvenz anmelden.

Frederik Hohrath war nun der dritte Betreiber seit dem Kauf des Kinos. Er habe das Kino sieben Jahre geführt – und damit von allen am längsten durchgehalten, so Saur.

Schon nach den Insolvenzen der früheren Betreiber hatte der Kinobesitzer übergangsweise den Betrieb selbst weitergeführt. Das soll auch jetzt so sein. Kino sei für ihn ein Kulturgut, für das man auch was tun müsse. Saur hofft, dass der Kinobetrieb bald wieder anlaufen kann. Allerdings werde es dann erst mal nur eine abgespeckte Version geben, kündigt er an. Der bisherige Mix aus Blockbustern und anspruchsvolleren Filmen solle beibehalten werden.

Nur eine Zwischenlösung

Dass er das Kino selbst weiterführt, darin sieht der 68-Jährige aber nur eine Zwischenlösung. Der Schwandorfer begründet das mit seinem Alter und den zahlreichen anderen Tätigkeiten. Karl-Heinz Saur ist unter anderem auch Präsident des TSV Schwandorf.

Sein Ziel: Bis zum Herbst soll ein neuer Betreiber gefunden werden. Sollte das nicht gelingen, wäre das trotzdem nicht das Ende des Schwandorfer Kinos, versichert er. Der Betrieb würde in dem Fall einfach in abgespeckter Form weiterlaufen. „Solange ich gesund bin und solange ich finanziell nicht am Hungertuch nage, wird das Kino aufrechterhalten“, verspricht Saur.