Der Melkroboter, das Eis und die Kälber: Besuch auf dem Milchhof Irrgang in Vilzing

Von Benjamin Riehl · 19. Juni 2023 um 19:00

Wo kommt die Milch her? Das und vieles mehr konnten am Montag zwei Schulklassen aus Bad Kötzting beim Milchhof Irrgang in Vilzing bei Cham erfahren. Und am Ende gab es für alle noch ein leckeres Eis aus der eigenen Produktion.

Der Besuch der Mittelschüler war Auftakt der Aktiv Wochen der Aktion „Schule geht auf den Bauernhof“ vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Cham. Für die Schüler gab es an diesem Tag viel zu sehen und anzufassen.

Der Milchhof Irrgang ist ein familiengeführter Hof und einer von 87 Betrieben in der Oberpfalz, die an der Aktion teilnehmen. Schulen können sich für das Programm anmelden und eine Landwirtschaft besuchen. Das Amt sorgt dafür, dass die Vermittlungsangebote auf den Bauernhöfen entsprechend umgesetzt werden.

Die Klassen aus Bad Kötzting haben sich für den Milchhof Irrgang entschieden, der für sein Eis aus eigener Produktion bekannt ist. Seit vergangenem Jahr gibt es auch einen eigenen Hofladen. An fünf verschiedenen Stationen erfahren die Kinder, was alles hinter der Milch und dem Ei steckt, das sie vielleicht aus dem Supermarkt holen. Besonders die Kühe und Kälber haben es den Kindern angetan. Für viele vielleicht das erste Mal, dass sie eine Kuh zu Gesicht bekommen. Oder dass sie sehen, was die Kühe so fressen. Nachhaltigkeit und Wertschöpfung könnte man über den Hof sagen, denn die Futtermittel sind Abfallprodukte der Lebensmittelindustrie, etwa bei der Kartoffel-Chips-Herstellung. „In der Landwirtschaft wird nichts weggeworfen“, sagt Hofinhaber Josef Irrgang. Da machen die Schüler große Augen.

Der Roboter melkt die Kühe

Spannend war für die Schüler auch die neueste technische Errungenschaft. Seit mittlerweile drei Jahren hat die Familie einen Melkroboter. Am Anfang war die Umstellung auf den Roboter gar nicht so einfach. Denn der Tagesrhythmus der Kühe war anders. Die waren gewohnt, morgens und abends gemolken zu werden. Jetzt mussten sie daran gewöhnt werden, den ganzen Tag hindurch selbstständig zum Melkroboter zu gehen. Das habe schon einige Tage gedauert, in denen die Kühe ständig getrieben werden mussten, sagt Claudia Irrgang. Aber nach einer Woche bereits habe es bei den meisten Kühen funktioniert. Und jetzt wollten sie gar nicht mehr von Hand gemolken werden.

Natürlich ist die Maschine auch eine große Erleichterung für die Arbeit der Familie. Denn vorher mussten sie selbst drei Stunden am Tag melken. Jetzt übernimmt das der Roboter. Und nebenbei prüft er auch die Milchqualität und kann so anzeigen, ob die Kuh krank ist.

Werte wie Nachhaltigkeit und Wertschöpfung scheinen den Irrgangs wichtig zu sein. Das Eis wird aus der eigenen Milch gemacht, die Früchte für die Fruchtsorten kommt von regionalen Anbietern. Die Entscheidung für konventionelle Milchwirtschaft ist eine bewusste Entscheidung gegen den Bio-Trend. Denn in den Bioladen gingen die meisten Menschen nicht einkaufen, weil es zu teuer sei, sagt Hofinhaber Josef Irrgang. Und das sie für jedermann erschwinglich bleiben , das ist den Irrgangs wichtig.

Der Hof ist ein echter Familienbetrieb. Doch mittlerweile kümmert sich nicht mehr nur die Familie darum. Neben den beiden Schwestern Lena und Christina und den Eltern Claudia und Josef arbeiten vier weitere Mitarbeiterinnen am Hof und im Hofladen. „Denn alleine können wir das nicht mehr stemmen.“, sagt Christina Irrgang.

Das besondere am Milchhof Irrgang ist, dass sie ihre Produkte selbst vermarkten. 2016 haben die Irrgangs mit der Milchwirtschaft angefangen.Das sei ein Risiko gewesen, sagt Josef Irrgang. Ein Unternehmensberater habe den Hof besucht und die Möglichkeiten der Vermarktung aufgezeigt. Da kam Tochter Lena dann mit der Idee einer „Milchtankstelle“. Mittlerweile gibt es auch einen Hofladen mit den eigenen Produkten. Darunter das Eis, für das der Hof über die Grenzen des Landkreises bekannt ist.

Familienprojekt Eis

Auch das ist ein echtes Familienprojekt. Über den Onkel sei das mit dem Eis gekommen, sagt die jüngere Tochter Lena. Vom Onkel gab‘s auch die Rezeptur für das Eis. Und weil er Lebensmittelkontrolleur war, konnte er auch weiterhelfen was die Lebensmittel-Vorschriften angeht, die man berücksichtigen muss. Die nötigen Kontakte zu den ersten Cafés hat er gleich mitgeliefert.

Das Rezept für ihr beliebtes Eis kennen nur der Onkel und Lena und Christina. Die Milch kommt von den eigenen Kühen. Da das Rezept nicht mit Sahne und Ei funktioniert, muss die Milch einen hohen Fettanteil aufweisen. Deshalb ist das Eis etwas fester als konventionelles.

Und das Eis kommt gut an. Auch bei den Schülern aus Bad Kötzting, die zwischen den Lernstation en damit versorgt werden. Einige sind so begeistert, dass sie später gleich Nachschlag wollen. Josef Irrgang sagt, die Besuche der Schulklassen seien „die beste Werbung. Mehr Werbung braucht‘s nicht. Denn die Kinder nehmen das mit nach Hause was sie hier sehen. Und kommen dann mit den Eltern wieder.“

Ob nach dem Hofladen der nächste Schritt ein Café sei, lässt Lena Irrgang offen. „Mal sehen was uns noch so einfällt, sagt sie verschmitzt.

„So ein Tag wie heute, das ist die beste Werbung. Mehr Werbung braucht‘s nicht. Denn die Kinder nehmen das mit nach Hause was sie hier sehen.Und kommen dann mit den Eltern wieder.“Josef Irrgang

Hofinhaber des Milchhofs Irrgang

Zwischendrin gab es für alle Eis aus der eigenen Produktion.
Auch von den Kälbern waren die Schüler angetan.
Bei den Lernstationen erfurhen die Mittelschüler viel über Milchproduktion.
Es gab auch eine Milch-Blindverkostung für die Schüler.
Viele Fragen kamen bei den Kühen auf.