Der große Sprung von Wald nach Estland: Emma Kropp spricht über ihre Erfahrungen

Von Sabrina Kauer · 19. Juni 2023 um 05:00

Von Wald im Landkreis Cham nach Estland – nicht nur für einen zweiwöchigen Urlaub– nein, für ein ganzes Jahr! Auf dieses Abenteuer ließ sich die damals 16-jährige Emma Kropp ein. Und sie bereut nichts. Im Gegenteil: Sie kehrt mit Erfahrungen zurück, von denen sie noch heute profitiert. Trotz so mancher Herausforderung möchte sie diese Zeit nicht missen.

„Ein Austauschjahr kann eine der prägendsten Erfahrungen im Leben eines Menschen sein. Es ist eine Zeit, in der man in eine neue Kultur eintaucht, neue Bräuche und Traditionen kennenlernt und lebenslange Freundschaften schließt. Für mich war diese Erfahrung ein Austauschjahr in Estland, und es hat mich auf eine Weise verändert, die ich nie für möglich gehalten hätte“, schreibt Emma Kropp in ihrem Artikel über ihre Zeit dort.

Recherche im Internet

Von Mitte August 2021 bis Ende Juni 2022 hat sie in Estland gelebt. Ursprünglich kommt Emma Kropp aus Wald im Landkreis Cham.

„Ich habe im Internet über Auslandsjahre recherchiert, weil die mich schon immer interessiert haben“, sagt Kropp. Dort sei sie auf die Organisation Youth For Understanding (YfU) gestoßen, die einen Austausch in Estland angeboten hatte. Und dann ging es auch schon los. Ausgerüstet mit einem Koffer, einem sehr großen Handgepäck-Stück und dazu noch mit einem kleineren Rucksack, ging es für Emma in das rund 1748 Kilometer entfernte nordeuropäische Land.

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„Als ich in Estland ankam, war ich aufgeregt und etwas verunsichert. Ich war noch nie allein so weit weg von daheim gewesen, und ich war nervös, weil ich in einem neuen Land leben, eine neue Sprache lernen und neue Freunde finden würde. Sobald ich jedoch aus dem Flugzeug stieg, wusste ich, dass ich mich auf ein Abenteuer eingelassen hatte, das ich nicht bereuen würde.“

In Estland habe die mittlerweile fast 18-Jährige eine Schule besucht, die bis 16 Uhr dauert. Danach habe sie sich meistens mit Freunden getroffen oder das Tabletop-Rollenspiel „Dungeons and Dragons“ gespielt.

Außerdem habe sie die heimische Sprache erlernt – „eine ziemliche Herausforderung, die ich aber schnell gemeistert hatte“, sagt Kropp. „Durch das Erlernen der estnischen Sprache konnte ich mich mit den Menschen auf einer tieferen Ebene verbinden, und es vermittelte mir auch ein größeres Verständnis für die Geschichte und Kultur des Landes.“

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Fließend Estnisch sprechen könne sie zwar nicht, „aber ich spreche und schreibe sehr gut“, sagt sie. Das Lesen falle ihr aber immer noch schwer. Schwer sei es auch gewesen, sich erst einmal in einem fremden Land bei einer fremden Gastfamilie zurechtzufinden. Wie Emma Kropp sagt, haben sie und ihre erste Familie in Estland nicht zusammengepasst, weshalb sie sich nach vier Monaten in den Bus gesetzt hat, um ans andere Ende des Landes zu fahren und dort zu wohnen.

„Das Leben in Estland lehrte mich auch den Wert der Unabhängigkeit. Als Austauschschülerin war ich dafür verantwortlich, für mich selbst zu sorgen und mich in einer neuen Kultur zurechtzufinden. Das war manchmal eine Herausforderung, aber es hat mir auch wertvolle Lebenskompetenzen vermittelt, die ich für immer in mir tragen werde.“ Besonders in Erinnerung seien ihr die Wintermonate geblieben, in denen sie sich oft mit ihren neuen Freunden, die unter anderem aus Belgien, Uruguay, Argentinien, Japan, den USA oder der Schweiz kommen, zum Schlittschuhlaufen getroffen habe – sogar auf der Ostsee, als diese zugefroren war. „Mit vielen dieser Freunde habe ich immer noch Kontakt“, so Kropp.

Wie sie in ihrem Artikel weiter schreibt, „ist Estland ein wunderschönes Land mit einer reichen Geschichte und einer lebendigen Kultur. Es ist auch ein Land, das sehr naturverbunden ist – mit Wäldern und Seen, wohin auch immer man schaut. Während ich das Land in meiner Zeit dort erkundete, fühlte ich mich von der natürlichen Schönheit der Landschaft angezogen. Ich verbrachte Stunden damit, in den Wäldern zu wandern und am Strand entlang zu schlendern.“

Aber nicht nur die natürliche Schönheit des Landes hat die damals 16-Jährige in ihren Bann gezogen. Auch die Menschen dort haben sie faziniert, verrät Kropp.

„Die Esten gehören zu den freundlichsten Menschen, die ich je getroffen habe. Sie nahmen mich wie eine der ihren auf und zeigten mir die wahre Bedeutung von Gastfreundschaft.“

Aber nicht nur über die wahre Bedeutung der Gastfreundschaft habe sie etwas gelernt, sondern auch über Aufgeschlossenheit. „Das Leben in einer neuen Kultur kann eine Herausforderung sein, aber es kann auch unglaublich bereichernd sein. Indem ich offen für neue Erfahrungen war, konnte ich das Beste aus meiner Zeit in Estland machen, und ich ging mit einer größeren Wertschätzung für die Welt und ihre vielen Kulturen aus dieser Erfahrung hervor“, schreibt sie.

Immer dankbar für die Zeit

Wenn Emma Kropp auf ihre Zeit in Estland zurückblickt, spricht sie von einer „lebensverändernden Erfahrung“. „Es war eine Zeit des persönlichen Wachsens und der Entdeckung, und ich werde immer dankbar sein für die Erinnerungen und Freundschaften, die ich während meiner Zeit dort geschlossen habe.“

Nach ihrem Austauschjahr hat Kropp die Reiselust so richtig gepackt. Deswegen besucht sie im Moment eine internationale Schule in Armenien, genauer gesagt das United World College in der Stadt Dilijan. Das College werde sie in Kürze mit einem International Baccalaureate-Abschluss beenden.

„Ich denke, ohne mein Auslandsjahr hätte ich mich das eher nicht getraut. Ich kann jedem nur dazu raten, sich zu trauen, in einem Auslandsjahr neue Erfahrungen zu sammeln“, sagt Emma Kropp.