Straftäter haben es schwer im Landkreis Cham: Drei von vier Taten werden aufgeklärt

Wie sicher ist der Landkreis Cham? Diese Frage soll alljährlich ein Sicherheitsgespräch unter Leitung von Landrat Franz Löffler beantworten. Die Antwort darauf geben hochrangige Vertreter der Polizei, der Kripo und der Bundespolizei im Landratsamt.
Die Sicherheitslage ist ein Gradmesser, wie die Gesellschaft sich insgesamt fühlt, erklärte Landrat Franz Löffler. „Auch nach diesem Gespräch können wir sagen, dass wir im Landkreis Cham sicher sind. Verbrechen, Verkehrsunfälle – man hat nie null, aber wir leben gut und sicher in diesem Landkreis“, sagte er.
Das sei viel in einer Zeit, in der die Menschen ein sehr sensibles Gespür für Probleme haben, so Löffler. „Pandemie, Inflation, Teuerungsrate Zinsanstieg, Krieg in der Ukraine… Das ist alles ganz nah an den Menschen. Die wollen aber wissen, was sie in den nächsten Jahren erwartet, wenn sie Kinder bekommen oder ein Haus bauen“, so der Landrat.
Vertrauen braucht Sicherheit
Aus all dem beurteilen die Bürger laut Landrat auch, wie der Staat funktioniert. Wenn die Sicherheitslage nicht gut ist, dann geht Vertrauen in den Staat verloren, so Löffler. „Die Akzeptanz des Staates muss bewahrt werden“, so Löffler und der Bürger sollte verstehen können, was der Staat gerade tut. Ein gewisses Maß an Eigenverantwortlichkeit muss vom Bürger allerdings weiterhin verlangt werden, so der Landrat. Der Bürger im Landkreis ist Teil der Sicherheitsstruktur, zum Beispiel in der Sicherheitswacht. „Die Menschen haben die Augen offen und informieren die Polizei. Das hat nichts mit Denunziantentum zu tun, wenn es um die Einhaltung der allgemein gültigen Regeln geht“, sagte Löffler.
Löffler ist dankbar, dass die Vorbeugung funktioniert. In den letzten 15 Jahren habe sich die Zahl der Verkehrstoten auf niedrigerem Niveau eingependelt. 2022 seien es zwölf gewesen. „Das sind immer noch zu viele“, sagt Löffler. Und Gründe wie Geschwindigkeit und Alkohol spielten eine maßgebliche Rolle. Kritik an den Kontrollen akzeptiert er nicht und Polizeistreifen auf Festen und im Zelt findet er angebracht. Auch die bisherigen Veranstaltungen im Landkreis beweisen laut Löffler, dass Polizeipräsenz notwendig ist.
Die Aufklärungsquote ist im Landkreis mit 74,6 Prozent extrem hoch. Das bedeutet die 7. Position in Bayern, lobte Löffler. Die Grenze gehört zum Lebensgefühl im Bayerwald. Grenzkontrollen müssten der Vergangenheit angehören, forderte Löffler. Das sei nur dann möglich, wenn Instrumente wie die Schleierfahndung gut eingesetzt werden.
Löffler bat die Bevölkerung, den Sicherheitskräften eine grundlegende Wertschätzung entgegenbringen. „Es macht mich nachdenklich, wie mit Feuerwehrleuten, Notärzten, Polizeibeamten von einer Minderheit der Bevölkerung umgegangen wird. Wer Sicherheit will, muss auch eigene Einschränkungen wie eine Umleitung einmal akzeptieren.“
Polizeipräsident Thomas Schöniger präsentierte Eckdaten der Kriminalstatistik. Er verglich mit dem Jahr 2019 – vor der Pandemie- und sprach von einem Straftatenniveau auf dem Niveau der letzten fünf Jahre. Dreiviertel aller Straftaten werden im Landkreis Cham aufgedeckt. „Das ist hervorragend“, so der Polizeipräsident. Im Bund liegt die Quote bei 55,6. Die Schleierfahndung stellt laut Schöniger eine Filterfunktion dar und stoppt Kriminalität oft schon an der Grenze.
Dem Landkreis Cham bescheinigte der Polizeipräsident eine hohe Sozialkontrolle: „Die Bürger im ländlichen Raum wählen noch die 110, wenn etwas nicht in Ordnung ist.“ Die Anzahl der Straftaten auf 100000 Einwohner (Häufigkeitszahl) ist laut Schöniger auf das niedrigste Niveau der vergangen zehn Jahre gesunken. Im Landkreis Cham liegt sie bei 2508 und damit auch im Vergleich extrem niedrig. Die Diebstahlskriminalität ist von 804 auf 770 gesunken (Vergleich 2019/2022). Im Langzeitvergleich mit 2013 sei die Zahl sogar von rund 1400 abgesunken.
Bei den Wohnungseinbrüchen – ein wichtiger Bereich für das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung – sind die Zahlen von 13 auf 16 gestiegen. In elf Fällen ist der Täter ins Gebäude gelangt. Hier hat die Kripo laut Polizeipräsident im Bereich der technischen Prävention durch Beratung viel erreicht. „Je länger der Täter braucht, desto höher das Entdeckungsrisiko“, so Schöniger. Die Kripo berate kostenlos, aber nicht umsonst.
Die Kriminalität auf der Straße sei um 43 Delikte auf 493 leicht angestiegen. „Der Bereich ist uns wichtig, weil er das subjektive Sicherheitsempfinden der Bürger durch direktes Erleben beeinträchtigt. Im Landkreis engagieren sich laut Schöniger 24 Personen im Bereich der Sicherheitswacht ehrenamtlich.
Die Rauschgiftkriminalität sei leicht rückläufig, bewege sich aber auf dem Niveau der Jahre vor der Pandemie. Allerdings sei hier auch darauf hinzuweisen, dass viele Polizeikräfte im Bereich der illegalen Migration gebunden seien.
Über den Verkehrsbereich berichtete Vinzent Bauer, im Polizeipräsidium verantwortlich für das Sachgebiet E2 „Ordnungs- und Schutzaufgaben, verkehrspolizeiliche Aufgaben“, dass die Zahlen im Vergleich zum Zeitraum vor der Pandemie sinken. Die Zahl der Toten seien allerdings im Landkreis Cham auf 12 gestiegen. „Wir werden das zum Anlass für verstärkte Kontrollen im Bereich Geschwindigkeit und Alkohol nehmen.“ Bei den E-Bikes gebe es nun viele ältere Personen, die unsicher unterwegs sind und Rücksichtnahme erfordern.
Das Fazit der Polizei für 2022 zog Polizeipräsident Schöniger: „Straftäter haben es nicht leicht im Landkreis!“
Reichsbürger und Rechte
Martin Becker berichtete als Chef der Bundespolizei. Die Lage an den Grenzen sei ruhig. Auffällig sei die verstärkte Migration. 1701 illegale Einreisen seien festgestellt worden. Das spiegelt laut Becker die Entwicklung in ganz Deutschland wieder. Die Bundespolizei hat 19 Schleuser festgenommen und dafür gesorgt, dass auf den Routen außerhalb Deutschlands ebenfalls Zugriffe erfolgt seien.
Robert Fuchs. Chef der Kripo Regensburg, erklärte auf Anfrage unserer Zeitung, dass es keine Statistik über Reichsbürger und Rechtsradikale im Landkreis Cham gebe. Allerdings habe man diese Gruppierungen „standardmäßig auf dem Schirm“. Rechte seien im Landkreis vorhanden, aber weniger als früher. Norbert Wittmann, Leiter des Sachgebiets Ordnung und Sicherheit, bestätigte das Fehlen einer Statistik. Allerdings habe das Landratsamt in zwölf Fällen der sogenannten „Reichsbürger“ Waffen beschlagnahmt und Waffenverbote ausgesprochen. „Da sind wir bis vor die obersten Gerichte gezogen.“