Neues Klima-Konzept für den Landkreis Cham und Besuch beim Wald-Windrad

Von Johannes Schiedermeier · 16. Juni 2023 um 05:00

„Auch bei uns wird es ohne einen Eingriff in die Wälder nicht gehen“, sagte Landrat Franz Löffler und warf einen langen Blick über das riesige gerodete Plateau, auf dem die drei Windkraftanlagen des Wald-Windparks Schiederhof in der Gemeinde Wiesenfelden stehen.

Mehr als eine Stunde lang hatten die Mitglieder des Umweltausschusses Gelegenheit, sich über Windkraft zu informieren. Der Landrat fand es hilfreich, einen solchen Wald-Windpark einmal gesehen zu haben. „Wir werden auch Anträge für Windkraftanlagen im Wald bekommen und es ist schon beeindruckend, diese Größenordnungen vor Ort zu sehen“, so Löffler.

Stefan Liegl von der Firma Ostwind erläuterte, dass die drei Anlagen von Vestas verschiedene Höhen haben, um die Anforderungen der Luftfahrt-Vorgaben zu erfüllen. Die höchste der drei Anlagen hat eine Nabenhöhe von 149 Metern. Dazu kommt noch ein Rotor-Radius von 68 Metern. Damit ist das Windrad 217 Meter hoch. Heute gebe es allerdings bereits wesentlich höhere Anlagen. Die Planungen hätten bereits 2014 begonnen und es sei nur deswegen zu einer Umsetzung gekommen, weil die drei Windräder zu den wenigen gehören, die nicht unter die 10-H-Reglung gefallen sind.

Die Kosten für eine der Anlagen liegen bei rund 3,5 Millionen Euro. Allerdings ist das nur ein Teil der Kosten. Die breiten, hoch aufgeschotterten Waldwege gehören ebenso zu den Aufwendungen wie die Verlegung einer rund 15 Kilometer langen Stromtrasse und am Ende stehe eventuell sogar der Bau eines eigenen Umspannwerkes. Außerdem brauche es große Freiflächen, um die Wartung und Reparatur der Anlagen auch später sicherzustellen, falls es beispielsweise zu einer Auswechslung eines der riesigen Rotorblätter komme. Die neue Anlagentechnik mache es nun möglich, auch an Standorten Windräder zu errichten, die man früher für unrentabel gehalten habe.

Das Klima-Konzept

In der Sitzung hat der Umweltausschuss dem Kreistag das neue integrierte Klimaschutz-Konzept zum Beschluss empfohlen. Matthias Wiedemann von den Kreiswerken stellte es vor. Aktuell beträgt der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung im Landkreis 69 Prozent und bei der Wärmeversorgung 23 Prozent. Die 39 Gemeinden mit ihren 128 000 Einwohnern und dem Gewerbe verbrauchen alljährlich 611 Gigawattstunden Strom und 2171 Gigawattstunden (GWh) Wärme. Strom, Wärme und Mobilität stoßen pro Jahr 942 500 Tonnen CO2 aus.

Dagegen nimmt sich der Verbrauch der Liegenschaften des Landkreises, seines Kreiswasserwerkes und des Fuhrparks bescheiden aus. Trotzdem wurde er erfasst und soll mit geeigneten Maßnahmen gesenkt werden. Insgesamt verbrauchen Liegenschaften und Kreiswasserwerk zu je 50 Prozent 8479 Megawattstunden an Wärmeenergie und 4491 Megawattstunden Strom. Autos und Lastwagen des Landkreises brauchen zusätzlich 1753 Megawattstunden.

In der Summe stößt der Landkreis 3959 Tonnen CO2 pro Jahr aus. Der Anteil erneuerbarer Energien liegt bei der Stromversorgung bei zwei Prozent und bei der Wärmeversorgung bei 65 Prozent. Bis 2040 sollen allen Kommunen und Landkreise ihren gesamten Energieverbrauch aus erneuerbaren Energien decken. Dieses Ziel hat sich Bayern gesteckt.

Soweit die Energieverbräuche nicht zu reduzieren seien, sei der Einsatz regenerativer Energien zur Deckung des Verbrauches erste Wahl, so Wiedemann. Mit einem Digitalen Energienutzungsplan habe man im Oktober 2021 begonnen. Liegenschaften, Wasserversorgung und Fuhrpark seien einzeln betrachtet worden. Nun solle das Klimaschutzkonzept am 28. Juli dem Kreistag vorgestellt und dort abgestimmt werden.

37 Maßnahmen seien in langwierigen Prozessen erarbeitet worden, die nun umgesetzt werden sollen, so Landrat Franz Löffler. Dabei gehe es nicht nur um Photovoltaik auf den Dächern, erläuterte Wiedemann. Auch die Reduktion von Müll und der Ausbau regionaler Lebensmittel in den Kantinen seien wichtig. Die Verwaltung werde weg vom Papier digitalisiert. Neubauten und Sanierungsvorhaben würden durch einen Leitfaden erleichtert. Dann gehe es nicht nur immer um den Billigstbieter, sondern es werde auch Nutzung und Lebensdauer in die Berechnung einbezogen. Im Landratsamt sollen Fahrstrecken besser koordiniert und E-Bikes für Kurzstrecken genutzt werden. Außerdem sei das Dienstrad-Leasing eingeführt worden. Den Mitarbeitern würden spezielle Schulungen angeboten, die auch für Bürger und Gewerbe möglich sind.

Ein Sonderthema sei die Wasserstoffspeicherung und Rückverstromung, an der geforscht werden soll. Für den notwendigen Elektroliseur werde man noch nach einem geeigneten Standort suchen.

Landrat Franz Löffler fand die konkrete Umsetzung eine gute Sache. „Das ist alles kein Selbstläufer und manche Dinge werden sich hinziehen, wie zum Beispiel der Wasserstoff. Aber das muss gründlich vorbereitet sein. Das passiert gerade!“ Kreisrat Michael Doblinger freute sich als Grüner über die „Fleißarbeit“, die hier geleistet worden sei. Er forderte einmal mi Jahr eine konkrete Überprüfung der Vorgaben.

Holz bleibt Mittel der Wahl

Kreisrat Leo Hackenspiel fragte nach dem Ausbau mit Holz sowie dessen Nutzung als Wärmequelle. „Wir sind als Landkreis an der Fernwärme dran. Daran arbeiten wir weiter. Der komplette Ausstieg aus Holz als Energiequelle ist in meinen Augen Blödsinn“, so Landrat Löffler. Schad- und Energieholz in vernünftigem Ausmaß und in geeigneten Heizungen müsse weiter ein Mittel der Wahl sein.

Kreisrätin Claudia Zimmermann fragte nach dem Projekt des Waldmanagements. Der Landrat sprach von Verzögerungen, weil er niemanden verpflichten könne, heimisches Holz zu verwenden. Derzeit sei es noch nicht förderfähig und niemand habe so recht den Hut auf. Es brauche auch Akteure wie Zimmererinnung und Waldbauern, die vor Ort den Hut auf hätten. Daran werde gearbeitet.

Der Umweltausschuss nahm das Konzept zur Kenntnis und empfahl es samt der Umsetzungsmaßnahmen dem Kreistag.