Ehemaliges Möbelhaus Kurz in Bad Kötzting: Alexander Nirschl setzt auf Sanierung

Es war September 2021, mitten in der Corona-Krise, als Alexander Nirschl mit einer Nachricht überraschte: Gemeinsam mit Vater Fritz Nirschl hatte Alexander Nirschl das weitläufige Areal des ehemaligen Möbelhauses Kurz an der Lamer Straße erworben. Nach mehr als anderthalb Jahren Planung und Bauzeit sind nun auch von außen die ersten Veränderungen sichtbar – doch auch im Inneren hat sich sehr viel getan.
Alexander Nirschl ist eigentlich Immobilienmakler – damit belegt er natürlich auch ein eigenes Büro in dem Komplex. Auf dem Besprechungstisch liegt noch das Logo der Firma, und auch die Glastrennwände fehlen noch. „Weißt schon, dauert alles länger, bis geliefert wird, und selber ist man eh der Letzte.“
Mieter alle aus der Region
Natürlich habe sich in den vergangenen Monaten immer wieder irgendetwas verzögert, und auch steigende Baukosten seien an dem Projekt nicht spurlos vorbeigegangen. „Lag aber alles noch im Rahmen“, sagt Alexander Nirschl im Gespräch mit unserer Zeitung.
Wichtig für das Projekt: Alle Flächen seien vermietet – immerhin 2000 Quadratmeter an nicht weniger als 13 Mieter. Dazu gehören ein Fitness-Studio, ein IT-Büro, das Immobilien-Büro Matador von Nirschl selbst, ein Massivholz-Bauer, ein Statiker, die Waldbauern-Vereinigung, ein Fotostudio, der Showroom eines Autohauses, eine Medienagentur, eine Versicherung und ein Pflegeservice.
Der Clou an so gut wie allen Mietern: Sie stammen nicht nur aus der Region, sondern seien zum überwiegenden Teil auch vom Vermieter angesprochen worden. „Das war uns wichtig, weil wir mit allen auch auf Augenhöhe sprechen wollen“, sagt Alexander Nirschl. Aus Hohenwarth, Rimbach, Eschlkam und Michelsneukirchen kämen die Mieter, die Bad Kötzting für sich und oft auch für die Mitarbeiter als attraktiven Standort erkannt hätten, sagt er.
Was er mit „auf Augenhöhe“ meint, das erklärt er auch. „Natürlich hätte man das hier auch alles abreißen können und sich einen großen Mieter suchen können“, sagt er. Einen neuen Industriepark hinzustellen, das sei im Verhältnis zur kompletten Kernsanierung des Gebäudes, das in weiten Teilen aus den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg stammt, einfacher.
Doch so würden „die Großen immer nur noch größer, und kleinere Firmen hätten bald gar keine Chance mehr“ – und das sei nicht, was er und sein Vater mit dem prominent am Ortseingang von Bad Kötzting gelegenen Gebäude geplant hätten.
Alle Wasser-, Strom- und Abwasserleitungen seien entfernt worden. Es wurden neue Böden, Fenster, und seit kurzem sei auch der Anfang für die neue Fassade gemacht. Das alles habe auch seine Zeit gebraucht, weil die Nirschls so gut wie alle Aufträge an eine regionale Firma vergeben hätten, die sich mal einen Elektriker mit ins Boot geholt habe. „Mit fünf Mann ist hier fast alles gemacht worden“, weiß Alexander Nirschl.
Das habe die Bauzeit natürlich auf dem Papier erst einmal verlängert, da fünf Arbeiter eben auch nur ein gewisses Pensum schaffen könnten. „Aber 20 Gewerke einzeln vergeben, die untereinander nicht abgestimmt sind, das wäre bei dieser Größe zu chaotisch geworden“, zeigt er sich überzeugt.
Nachhaltigkeit als Thema
Mit dem nun umgesetzten Konzept setzt der Mitte-20-Jährige außerdem auch auf ein Thema, das im Moment so aktuell wie nie ist: Nachhaltigkeit.
Als Immobilienmakler kenne er die Scheu vieler, etwas Bestehendes zu renovieren. Doch neu bauen sei keine Option für ihn gewesen – und die Tatsache, dass die volle Fläche nun belegt sei, spreche wohl auch dafür, dass seine Mieter das auch so sehen. Wer sich nun selbst einmal Einblick in das ehemalige Möbelhaus verschaffen will, den lädt der Bauherr am 15. Juli übrigens zu einem Baustellenfest ein. Dann können sich den ganzen Tag nicht nur die Mieter, sondern alle Bewohner der Stadt einmal einen Eindruck davon machen, was hier entstanden ist.
Die Geschichte
Bausubstanz: Um 1910 – soweit lassen sich die Anfänge sicher zurückverfolgen – entstand an der heutigen Lamerstraße das Gebäude in mehreren Abschnitten. Der letzte Anbau datiert auf die 1990er-Jahre
Möbelhaus: Ab Anfang der 1970er-Jahre wurde das Gebäude als Möbelhaus betrieben. Doch schon zuvor gab es auf dem Areal verschiedenen Firmen, deren Geschichte bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts zurückreichen.
Besitzer: 2021 übernehmen Fritz und Alexander Nirschl die Hauptgebäude - nebenliegende Bauten und etwas Grund wurden zuvor schon an einen anderen Investor verkauft.
Zukunft: Geplant ist derzeit, dass zum 1. Januar 2024 alle Arbeiten in und um das Gebäude abgeschlossen sein sollen.
