Premiere in Waldmünchen: 350 Kinder aus zwei Ländern werden zusammengebracht

Was da Wunderbares herauskommen kann, wenn die Damen im Tourismus- und Kulturbüro kreativ die Köpfe zusammenstecken! Nämlich ein Kindertheater, das deutsche und tschechische Kinder gleichermaßen begeistert. Und noch mehr ist als dies.
Allen voran: die grenzüberschreitende Idee von Kindesbeinen an vermitteln. Wie ginge das besser, als mit und durch gemeinsame Erlebnissen? Ein solches war die Premiere vom „Hasen und Igel“ mitsamt einem tschechisch sprechenden Fliegenpilz zweifelsohne.
Die Lärmkulisse auf der Trecktribüne, sie dürfte am Dienstag Vormittag alles bisher da gewesene übertroffen haben. Hase, Hase, Hase-Rufe schallten da über den Platz, lautstärketechnisch gefolgt von Klatschen, von Gelächter und Gekicher.
Begeisterte Kinder auf der Tribüne
Die Freude der rund 350 Kinder zu erleben, sie alleine war der Aufwand wert, waren sich Carola Rieger und Heike Dannerbeck vom Kulturamt einig. Ein Urteil, das die Bürgermeister Markus Ackermann (Waldmünchen) und Jan Bozděch (Klenčí) nur allzu gerne teilten. „Es war toll“, fasste Ackermann zusammen, den wieder einmal besonders beeindruckt hat, dass es zwischen Kindern keine Grenzen gibt. Sein tschechische Amtskollege lobte zudem das Übersetzungskonzept, das es „seinen“ rund 40 Kindergarten-Schützlingen ermöglicht habe, der Handlung zu folgen.
Maßgeschneidertes Stück
Im positiven Sinne zu verantworten hat das Susanne Senke, die das Stück in Anlehnung an das gleichnamige Märchen der Gebrüder Grimm umgeschrieben hat. Maßgeschneidert auf die beiden Schauspieler Kirstin Rokita und Georg Sosani und so verpackt, dass es in die heutige Zeit und ihren pädagogischen Anforderungen passt. „Vor 25 Jahren hätten wir den Hasen noch sterben lassen“, führt sie vor Augen.
Ein neues, junges Publikum
Einfach ist der Spagat zwischen einem leicht gehobenen mahnenden Zeigefinger und Witz nicht, zumal sie findet, dass ihr Publikum (ab vier Jahren) ängstlicher sei als früher. Dennoch hat sie nach 35 Jahren an verschiedensten Bühnen mit dem Kindertheater ihre Berufung gefunden.
„Vielleicht, weil ich mir auf viele Dinge eine kindliche Sichtweise bewahrt habe“, lächelt sie augenzwinkernd. In ihrer Märchen-Version wird der bisweilen doch gemeine Hase am Ende (geläutert) zum guten Freund der anderen Tiere, und unter dem Jubel der Kindergarten- und Schulkinder auf der Tribüne gar zum Osterhasen.
Ein gemeiner Hase
Dabei sieht es kurz vor Ende ganz und gar nicht nach einem Happy End aus. Der Igel gewinnt zwar dank eines Tricks (und Anja aus der 2 b der Waldmünchner Grundschule, die als Darstellerin ausgewählt wurde) das Rennen. Ganz glücklich ist er aber nicht, zumal Hase Harry vor Anstrengung fast gestorben wäre und dann in schwere Selbstzweifel verfällt, sich als Versager sieht. „Ein Hase, der nicht laufen kann...“
Dann aber gelingt es Igel-Dame Swinia, ihren Kontrahenten davon zu überzeugen, dass er mit weniger Eigensinn und mehr Hilfsbereitschaft weiter kommen würde. Eine der Botschaften. Eine andere: Die Ermutigung, an sich zu glauben.
Zu acht ist das Ensemble Kunst für Kids aus Regensburg angereist, die Aufführung auf der Waldmünchner Festspieltribüne gleich in doppelter Hinsicht eine Premiere. Die des Stücks und die der tschechischen Einbindung.
Fliegenpilz als Erzähler
Eigens dafür hat Susanne Senke einen Fliegenpilz erfunden, der vor jeder Szene das Folgende erklärt und für den sie mit der zarten und ausdrucksstarken Veronika Kyrianová aus Nordböhmen eine Idealbesetzung gefunden hat. Weil die Handlung mehr über Spiel als Text erzählt wird, funktioniert das. Die Begabung der Schauspieler, die Kleinen einzubeziehen tut ein übriges. Na, Kinder, was meint ihr? , löst Mal um Mal Riesenecho auf der Bühne aus.
Erlösender Schlussapplaus
Bis kurz vor Beginn war Susanne Senke nach dem Motto „jetzt ist nichts mehr zu ändern, alles läuft“, die Ruhe selbst, dann schaute die Aufregung aber doch noch vorbei. Umso erlöster war sie beim tosenden Schlussapplaus. Und zufrieden, weil sie das zweisprachige Projekt doch noch realisieren konnte. An und mit anderen Stellen hatte es mit einer Komplett-Übersetzung aus verschiedensten Gründen nicht funktioniert, erklärt sie.
Anders in Waldmünchen und seinem Altlandkreis mit seinen engen Banden nach Tschechien. Mit neuen Knoten: Kreativen Köpfen, einem Hasen, einem Igel und einem Fliegenpilz sei dank.
Rund um das Projekt
Veranstalter:
Das Kindertheater „Der Hase und der Igel“ ist eine Initiative der Stadt, gefördert vom Bayerischen Staatsministerium für Finanzen und Heimat. Auf die Bühne gebracht hat es das Regensburger Ensemble Kunst für Kids.
Text: In Anlehnung an das Märchen der Gebrüder Grimm hat Regisseurin Susanne Senke das Stück geschrieben. Die theateraffine Fachfrau mit Referenzen von Schauspiel bis... führt auch Regie.
Übersetzung: Die Dramaturgin Veronika Kyrianová führte die tschechischen Kinder in die Handlung ein.
Nachhall: Der Premiere in Waldmünchen folgen kommenden Donnerstag zwei Schüler-Aufführungen in Wenzenbach.



