In Waldmünchens tschechischer Partnerstadt Klenčí tut sich eine Menge

Waldmünchen. Eine freie Zeile im Terminkalender? Jan Bozděch lächelt ein wenig gequält. „Momentan ist viel los“, erklärt der Bürgermeister von Klenčí. Wobei sich das „momentan“ schon eine ganze Weile hinzieht und das „viel“ sogar dazu führt, dass der Rathauschef als Fremdenführer agieren muss.
„Personalmangel“, zuckt der 37-Jährige mit den Schultern. Deswegen übernimmt der Bürgermeister von Waldmünchens Partnerstadt die Führungen im Haus der Natur derzeit persönlich (im Juli kommt eine neue Kraft, solange teilt er sich das Kulturamt mit dem Zweiten Bürgermeister). Eine Aufgabe, die ihm Freude bereitet, aber eben auch ein Zeitfresser im Alltagsgeschäft ist.
Zahlreiche Bauprojekte
Zu dem gehören, und darüber ist das Gemeindeoberhaupt sehr froh, zahlreiche Bauprojekte. Die Sanierung von Grundschule und Kindergarten etwa, die immerhin fast 300 Kinder besuchen. Eine Nebenstraße, die in die Siedlung führt, wird ebenso in Angriff genommen wie Maßnahmen im Bereich (Ab)Wasser.
Das Baar-Museum wird saniert
Noch mehr Geld wird die Gemeinde in den Folgejahren in die Hand nehmen (müssen). Für angepeilte 25 Millionen Kronen (an die 1,1 Millionen Euro) soll das Baar- Museum, eins der Herzstücke Klenčís, restauriert werden. Weit fortgeschritten sind die Ideen zum Rathaus, das einen neuen Anbau erhalten soll. Im Altgebäude könnten dann Wohnungen entstehen.
Im Rathaus wohnen Ukrainer
Ein Gedanke, der sich aufdrängt. Zum einen, weil jetzt schon zwei Familien im Rathaus eine Bleibe gefunden haben. Zum anderen, weil viele Zimmer in Pensionen aktuell von Geflüchteten belegt sind. Allein die Zahl der Ukrainer liegt bei rund 100 – eine stattliche Zahl bei 1365 Einwohnern („plus-minus fünf“), die Klenčí aktuell zählt. Per se kein einfaches Unterfangen, zumal es dazu führt, dass momentan keine touristischen Unterkünfte verfügbar sind. Von denen der Český les (der Oberpfälzer Wald) ohnehin schon zu wenig hat (wie auch flächendeckend gute Gastronomie), um auf diesem Sektor weiter zu kommen.
Gleiche Sorgen wie in Deutschland
Jan Bozděch hat in vielen Bereichen die gleichen Sorgen wie die Kollegen auf der anderen Seite der Grenze: Weit und breit kein Kinderarzt – der nächste mit freien Kapazitäten sitzt in Pilsen. Bozděch hat vom Kooperationsmodell des Landkreises Cham gehört, versucht, mit der Karls-Universität in Prag Ähnliches auf die Beine zu stellen. „Aber das dauert.“
Energie und Kosten sind ein weiteres großes Thema, ebenso steigende Lebenshaltungskosten. Waren es im Vorjahr 20 Prozent, läge die Quote mittlerweile teils bei 60, 70 Prozent. Da tröstet es wenig, dass die Benzinpreise rund um Klenčí noch die günstigsten im Kreis Pilsen sind. „Die Menschen haben Sorgen, um nicht zu sagen, Angst.“ Auch da ist der Bürgermeister gefordert, „der Gesprächsbedarf ist enorm“, auch seine Rolle als Motivator mehr und mehr gefragt. Nicht zuletzt macht ihm die zunehmende Bürokratie zu schaffen.
Ein neuer Supermarkt
Doch es gibt Lichtblicke. So hat in der Ortsmitte ein neuer Supermarkt eröffnet, das ist wichtig, weil in Tschechien die Gemeinden über Steuern von deren Einnahmen profitieren. Der Tennisplatz samt Sportheim ist neu, die Nachfrage nach Baugrundstücken gut. Gerade das ist etwas, das den (seit November) zweifachen Familienvater zuversichtlich stimmt, der gerne über die Grenze schaut für Ideen oder Inspiration. Wie auch die wirtschaftliche Lage: Für eine Ortschaft der Größe Klenčís verfüge man über verhältnismäßig viel Gewerbe/Industrie.
Hohe Rückkehrer-Quote
Zwar würden junge Menschen Klenčí für Ausbildung oder Studium schon einmal den Rücken kehren, „aber eben nur eine Zeit lang“. Die gute Infrastruktur, Natur, und Lebensqualität, vermutet Bozděch als Hauptgründe dafür. Im Blick hat er aber auch die Älteren: Zum bestehenden Altenheim gibt es Planungen für barrierefreies Wohnen für Senioren.
Schon vier Wahlen gewonnen
2014 haben die Klentscher den studierten und promovierten Maschinenbauer erstmals zum Bürgermeister (als Nachfolger des sehr geschätzten Karel Smutný) gewählt – und seitdem vier weitere Male. Eine Wertschätzung, keine Frage. Dennoch: „Ewig werde ich das nicht machen“, unterstreicht er. Nicht etwa, weil er amtsmüde ist. Im Gegenteil, nach wie vor steht das Wohl seiner Heimatstadt ganz, ganz oben, dieses hat ihn seinerzeit erst zu einer Kandidatur bewogen. Der 37-Jährige ist mit Herzblut Bürgermeister, könnte sich vorstellen, dass Leidenschaft und Engagement „für die nächsten hundert Jahre reichen“ würden. Aber das täte der Sache nicht gut, betont er. Irgendwann müsse überall ein Wechsel, neue Köpfe und Ideen her.
Brücke nach Bayern
Die Brücke nach Bayern, für Bozděch ist sie entscheidend. „Covid war eine Katastrophe“, formuliert er im Umkehrschluss. Auf einmal war es nicht mehr selbstverständlich, nach Deutschland zu fahren, Freunde zu treffen und Partnerschaften zu pflegen. Für ihn ist nämlich genau das Europa: Die Begegnungen im Kleinen.
Klenčí hat mit Herent in Belgien und eine weitere Partnergemeinde, erste entsprechende Bande gibt es zudem nach Kleneč (Ursprung ist tatsächlich der ähnliche Name) in Rumänien. Dorthin ist in diesem Jahr eine einwöchige Fahrt geplant.
Die Sprachbarriere
„Wir würden mehr wollen“, formuliert er ein Ziel Richtung Waldmünchen, wohl wissend, dass die Sprachbarriere nach wie vor „unser größtes Problem ist“. Mit Kultur soll dem begegnet werden, „da braucht es wenig Worte“. Folglich soll auch das Jubiläum – die Städtepartnerschaft mit Waldmünchen war 1990 geschlossen worden, konnte aber 2020 pandemiebedingt nicht gefeiert werden – mit kleinen, feinen Veranstaltungen hie und da begangen werden. „Ich bin sicher, wir finden da was.“ Vorschlag: Eine Führung durch das Haus der Natur – vom Bürgermeister persönlich.
