„SoFi“ bevölkert Sternwarte – und die Berge im gesamten Landkreis Cham

Von Maria Frisch · 13. August 2026 um 15:42

Zu den Erlebnissen, die man nie vergisst, zählt offenbar auch eine Sonnenfinsternis. Obwohl die am Mittwochabend nur partiell ausfiel, löste die Ankündigung, dass sich das astronomische Ereignis gut auf der Aussichtsplattform der ehemaligen Fernmeldetürme auf dem Hohenbogen würde beobachten lassen, eine Art Völkerwanderung aus. Interessant war auch, dass noch etliche das Jahr 1999 im Kopf haben, als es am 11. August mittags für ein paar Minuten in Bayern eine totale Sonnenfinsternis gegeben hatte.

Einen ähnlichen Hype zog nun die partielle Sonnenfinsternis am Mittwoch nach sich. „Wir wollen einfach dabei sein“, hörte man reihum als Begründung, den Weg auf den Gipfel auf sich zu nehmen. Oder andersrum: „Alle reden davon. Wir hätten das Gefühl, etwas versäumt zu haben, wenn wir das Spektakel nicht selbst mit eigenen Augen gesehen hätten.“

Die Geduldsprobe steht am Anfang

Am Hohenbogen versprach man sich dafür beste Aussichten. Bei einigen war es einfach nur so etwas wie „Gruppenzwang“ nach dem Motto „Es stand in der WhatsApp-Gruppe und viele bestätigten, dass sie da hin wollen“.

Bis die Sonnenanbeter am Ziel waren, gab es schon auch Geduldsproben zu bestehen. Die erste war an der Talstation der Sesselbahn, wo sich eine lange Schlange vor dem Schalter für den Ticketkauf bildete. Eigentlich sollten die Bergfahrten bis 18.30 Uhr abgeschlossen sein, aber bis dahin war die Schlange längst nicht abgearbeitet, so dass einfach weitergefahren wurde.

Der Mond schob sich langsam vor die Sonne, und das hat Selina Baumann perfekt festgehalten - Foto: Selina Baumann

Schutzbrillen waren im Nu ausverkauft, und jeder war gut beraten, wenn er sich bereits vorher damit eingedeckt hatte – auch wenn es wenige Tage vor dem Ereignis bei keinen Optikern mehr welche gegeben hatte. Apropos Schutzbrillen: Einige waren da ganz erfinderisch. In der Regel lag das daran, weil sie zu lange mit dem Kauf gewartet hatten – oder weil sie es einfach nachhaltiger fanden. So kamen auch etwa Schweißerbrillen oder einen Schweißschirm zu Einsatz.

Sternwarte auf dem Roßberg wird überrannt

„Klappt super“, fand Franz aus Roding, der auch gleich einige andere durchschauen ließ. Sogenannter „small talk“ entwickelte sich so auf der Plattform, schließlich verbrachte das Publikum dort in freudiger Erwartung mindestens eine halbe Stunde, nachdem es knapp 300 Stufen erklommen hatte.

Auf der Sternwarte am Roßberg haben die Besucher an vier Teleskopen mit Filter die Sonnenfinsternis professionell und perfekt beobachtet. - Foto: Stefan Weber

Michael Schreiner, Inhaber der ehemaligen Abhörtürme, hatte es durch die Verlängerung der Öffnungszeit in Abstimmung mit dem neuen Geschäftsführer der Hohenbogenbahn Michael Eitel, der die Personenbeförderung zeitlich anpasste, überhaupt erst ermöglicht, das Event auf dem Bayerwaldberg zu genießen.

An der Talstation der Hohenbogenbahn bildete sich eine lange Schlange beim Ticketkauf. - Foto: Maria Frisch

Ein Fußmarsch hätte an einem Arbeitstag mit Sommerhitze mit Sicherheit nur einen Bruchteil gereizt. Michael Schreiner veranlasste dann auch rechtzeitig einen Zugangsstopp für die Aussichtsplattform, um eine Überfüllung zu verhindern. Das nahm ihm aber niemand übel, wie sich aus den Gesprächen im und um den Biergarten entnehmen ließ, weil das Schauspiel auch von dort gut zu sehen war.

So schön konnte man die SoFi vom Gehsberg in Bad Kötzting sehen. - Foto: Vinzenz Feigl

Die Zeitspanne bis zum Start der astronomischen Seltenheit wurde unterschiedlich überbrückt. Von jenen, die zuhause das Abendessen sausen ließen, um rechtzeitig vor Ort zu sein, wurde mit Freunden eine Pizza geteilt oder hie und da ein richtiges Picknick verzehrt, sogar auf der Plattform war dazu Platz in einer Nische. Eine Brotzeit und ein kühles Getränk erleichterten das Warten erheblich.

Franz aus Roding mit einem Schweißschirm vor den Augen. - Foto: Maria Frisch

„Jetzt gehts los“, rief ein Mädchen, als ihr Handy 19.20 Uhr anzeigte. Sofort wandten sich alle dem Lichtkegel in der Ferne zu und setzten ihre Sonnenschutzbrillen auf die Nasen.

Ein stiller Beobachter der Sonnenfinsternis mit Schweißerbrille - Foto: Maria Frisch

Regelrecht überrannt wurde an diesem Tag die Sternwarte auf dem Roßberg. Auch hier gab es keine Schutzbrillen mehr, dafür aber nicht nur eine Live-Übertragung auf eine Leinwand von der totalen Sonnenfinsternis in Spanien, sondern auch die Möglichkeit, die Sonnenfinsternis über einen Filter an vier Teleskopen perfekt mitverfolgen zu können.

Zusätzlich wurden die Hänge rund um die Sternwarte von weiteren hunderten Menschen bevölkert, die sich das Naturereignis anschauen wollten – und Platz zum Spielen für die zahlreichen Kinder, die dann eine Stunde lang doch nicht so viel mit einer teilweise verdeckten Sonne am Hut hatten, gab es auch.

Da es auf der Plattform windig war, wurden Kapuzen aufgezogen. - Foto: Maria Frisch

Es musste aber auch nicht der ganz weite Weg sein, um die Sonnenfinsternis beobachten zu können: Wichtig war der freie Blick, und den gab es auch für jene, die auf den vielen anderen Bergen in der Region unterwegs gewesen sind, und sei es nur der Gehsberg in Bad Kötzting, wie Fotos belegen.

Das Naturschauspiel sorgte aber zweifelsfrei für ein erhebendes Gefühl, ganz nach dem Motto: „Wie viel größer war das, was sich da abspielte, und wie klein erscheinen dagegen die Probleme der Menschen“.