Wozu brauchen Tiere eine Küche? Im Lohberger Bayerwald-Tierpark gab es die Antwort

Von Mittelbayerische Zeitung · 12. August 2026 um 17:25

Beim im Jahresprogramm ausgeschriebenen Tierpflegertag am vergangenen Mittwoch im Bayerwald-Tierpark musste das Personal wegen des Anmeldebooms einen Aufnahmestopp verhängen, weil ansonsten die Abwicklung nicht mehr machbar gewesen wäre. Fachliche Leiterin Claudia Schuh empfing die interessierten Mädchen und Buben zu dieser Art Workshop, bei dem ihnen viele Eindrücke über den Beruf vermittelt wurden.

Hin und wieder haben die Heranwachsenden die fälschliche Vorstellung, dass Tierpfleger zum Großteil Streicheleinheiten verteilen und nebenbei ihre Fütterungsrunde tätigen. Dass dem nicht so ist, erfuhren sie am vergangenen Mittwoch. Da ein Park mehrere Tierpfleger hat, die abwechselnd Dienst haben, benötigen die meisten Vorgänge ein Konzept oder eine Anleitung zur gleichmäßigen Ausführung. Claudia Schuh suchte mit den „Praktikanten“, die in Begleitung eines Elternteiles erschienen waren, zunächst das Elchgehege auf.

Mit Weidenästen wird die Elchmutter gefüttert

Die heuer im Mai geborenen Zwillinge sind putzmunter. Allerdings müssen die Tierpfleger schon auch wachsam sein, weil Elchmama „Sophia“ immer ein Auge auf ihren Nachwuchs hat, den sie gegen alles und jeden verteidigen würde. Ein Tritt mit dem Huf hätte eine verheerende Wirkung. Die Buben und Mädchen halfen Tierpfleger Michael Hupf bei der Verabreichung von frischen Weidenästen, die dieser größten Hirschart vorzüglich schmeckten.

Im Anschluss führte die Tierärztin den Trupp in das Gebäude in der Nähe des Eingangs. „Das ist unsere Futterküche“, klärte sie auf. Spontan tauchte die Frage auf, wozu man für Tiere eine Küche brauche. Claudia Schuh ließ die jungen Hilfskräfte etwas hinter die Kulissen blicken. In dieser Räumlichkeit werden die Tagesrationen für die Gehegebewohner vorbereitet. Wie das funktioniert, hatte die Veterinärin den Zuhörern schnell erklärt.

Aufgrund der heißen Witterung achteten die jungen Tierpfleger auf Wassernachschub. - Foto: Manuela Jumah

Für jedes Tier gebe es einen Futterplan, auf dem die täglichen Speisen vermerkt sind. Das Schriftstück galt es zunächst zu studieren, bevor sich die aufgeteilten Gruppen aus dem Kühl- und Gefrierschrank die Zutaten holten. Pro Gehege wurde dann alles in eine Art Bratreine geschichtet. Die Veterinärin hat den Nachwuchs angehalten, zuvor zu überlegen, was ihre Pfleglinge nach ihrer Meinung in freier Wildbahn vertilgen, um auch ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie viel sie davon verspeisen. Die besonders Mutigen füllten die Mehlwürmer ein, die sie als Leckerli z. B. an die Fasane, die Hühner oder die Enten verfüttern durften. Die Rationen für Waschbär, Fischotter und Fuchs konnte das Gelegenheitspersonal wegen der kurzen Strecke gut dorthin tragen.

Bei den Waschbären durfte der eine oder andere das Gehege betreten und den Bewohnern das Mitgebrachte vorsetzen. Bei den Fischottern übten die Debütanten den Pfiff, mit dem sich die Fischotter anlocken ließen. Tatsächlich klappte es und die schlanken Wassermarder tauchten und schnappten sich die Rotaugen und Co. Zuletzt rupften die Nachwuchspfleger Gras, das sie zum Teil den Nestlingen des Schwarzen Schwanenpaars verabreichten. „Durch die Trockenheit ist das Gras sammeln gar nicht so leicht“, merkten die Kinder. Das verbliebene Grünzeug teilten sie auf die Hasen und Meerschweinchen auf.

Auch den Tieren macht die Hitze zu schaffen

Insgesamt versuchte Claudia Schuh, die Kinder zu sensibilisieren, was die Nahrungssuche in freier Wildbahn so alles hergibt und wie man das in einem Zoo umsetzen kann. Bei den Pflanzenfressern zählt etliches Gewächs zu den Favoriten. Ein Bestandteil bei den Fleischfressern sind Mehlwürmer, die in Tierzuchten für Futterzwecke vermehrt werden. Insgesamt blieb den Kindern nicht verborgen, dass auch den Tieren die Hitze zu schaffen macht.

„Allerdings sind sie gescheiter als die Menschen und legen sich zum Ausruhen in den Schatten“, teilte sie den Kindern mit. Tierpfleger müssen natürlich auch das Verhalten gut beobachten, und darauf achten, ob zahlenmäßig alle im Gehege sind oder keines der Tiere Krankheitssymptome zeige. Bei den Meerschweinchen und den Hasen füllten die Knirpse Wasser nach. In der gegenwärtigen Trockenphase wird darauf noch akribischer geachtet.