„Wolltante“: Stricktreff mit Suchtpotenzial in Bad Kötzting

Von Maria Frisch · 12. August 2026 um 15:00

Schon beim Eintritt in das Ladengeschäft „Wolltante“ von Pavla Süßbauer in der Bad Kötztinger Marktstraße merkt man, dass im Nebenraum eine fröhliche Unterhaltung im Gange ist. Aber nicht nur: Jede der Damen um den Tisch strickt oder häkelt – und freut sich, wenn das Werk in den Händen wächst. Kaum ist etwas halbwegs fertig, schmiedet die eine oder andere schon Pläne für das nächste Vorhaben. Als Außenstehender staunt man nicht schlecht über diese kreativen Eigenproduktionen aus dem Landkreis Cham, die nebenbei noch agil und unternehmensfreudig halten.

Auch die Betreiberin des Handarbeitsfachgeschäfts Pavla Süßbauer setzt sich manchmal hinzu, wenn sie nicht gerade Kundschaft im Laden hat. Sie würde schon gerne mitmachen, aber dazu fehlt ihr die Zeit. Unbegrenzt davon haben auch die aktiven Strickerinnen nicht, aber sie nutzen jede freie Minute, um mit den Nadeln zu klimpern. „Ein Fernsehabend ohne nebenbei zu Stricken? Das geht ja gar nicht“, erzählen sie, nicken dazu und prusten dann los, weil sie wieder einmal einer Meinung sind.

Glotzen in die Röhre hat sich so gelohnt

Am Ende hat sich bei ihnen das Glotzen in die Röhre jedes Mal gelohnt, was gewiss nicht jeder nach einem Fernsehabend sagen kann. Obwohl die derzeitigen Tagestemperaturen wohl allen zusetzen, sind schwitzende Hände eigentlich kein Thema. „Das ist eine Frage des Handwerkszeugs. Wer gescheite Nadeln benutzt, schwitzt nicht“, behauptet Martha. Und wenn doch, geht man zwischendurch Händewaschen. Schulter- oder Nackenprobleme? Fehlanzeige. Sitzen am Computer oder viele andere Tätigkeiten sind anstrengender. Martha laborierte schon an Arthrose an den Fingern und dachte, das war es jetzt. Bis sie merkte, dass ihr eigentlich die Fingerbewegung guttut. Also besiegte sie bewusst den Schmerzpunkt und die Beschwerden besserten sich rapide.

Die agile Hannelore (rechts) ist die Älteste in der Runde. Links neben ihr sitzt Meta, die auch die Unterhaltung mit Gleichgesinnten liebt. - Foto: Frisch Maria

„Ich stricke gerade an einem Pullover“, sagt Gabi. Der nächste Herbst kommt bestimmt. Nebenan entstehen unter den geschickten Händen von Martha Socken – ein Dauerbrenner. Etliche Bekannte von ihr sind schon auf die gestrickten Fußwärmer umgestiegen, in denen man weder kalte Füße bekommt, noch schwitzt. „Ich versorge meinen Bekanntenkreis - gegen Materialkosten. Den Arbeitslohn kann man nicht berechnen“, sind sich die Handarbeiterinnen einig. „20 Euro für ein Paar Socken – die kauft doch keiner.“ Die Clique verwendet nur hochwertige Wolle – natürlich von Pavla Süßbauer.

Die Runde besteht seit eineinhalb Jahren. Start war im März 2025. Das Wichtigste ist, sich gegenseitig zu helfen, wenn eine aus dem Kreis etwas nicht durchschaut oder nicht weiter weiß. „Es haben sich richtige Freundschaften entwickelt“, sagt Martha, die auch gleich hochrechnet. Wenn man alle zusammenzählt, sind es gut 30 Gleichgesinnte, die sich durch den Flyer oder Mundwerbung fanden. Alle sind jedoch nie da. „Überfüllt war der Raum bis jetzt nicht“, relativieren sie. Die Treffen finden am Montag und Mittwoch von 14 bis 18 Uhr und am Freitag ab 11 Uhr mit Open-end statt. „Es ist kein Muss, bis zuletzt dazubleiben, sondern nur solange man Lust und Laune hat“, baut die Clique keinerlei Druck auf.

Alter reicht von 23 bis 83 Jahren

Pavla Süßbauer ist sehr zufrieden mit ihren Handarbeiterinnen, deren Alter von 23 bis 83 Jahren reicht, also sechs Jahrzehnte umfasst. Hannelore ist die älteste. „Ich bin der Grufti“, scherzt sie und alle lachen. Die Dienstälteste beschäftigt sich gerne mit der Technik mit der Strickliesl, mit der sie unter anderem wunderschöne Hand- und Handytäschchen fertigt. Aber die Häkelvirtuosin kann noch viel mehr, wissen ihre Kolleginnen zu schätzen.

Auch das gibt es beim Stricktreff. Oma Birgit zeigt hier ihrer Enkelin Viona, wie man häkelt. - Foto: Frisch Maria

„Stricken braucht keine Pause“, begründet Martha die ganzjährige Aktivität. „Wir würden glatt Entzugserscheinungen bekommen“, beschreibt sie ihre „Sucht“ – allerdings eine positive und liebenswerte. „Und sie schafft Entspannung.“ Ein Blick in die umliegenden Gesichter zeigt, dass ihr alle Recht geben. Manche treffen sich auch außerhalb des Strickens zu einem gelegentlichen Ausflug.

Patrizia aus Berlin verbringt zwei, drei Monate jährlich in Bad Kötzting, weil hier Bruder und Mutter leben. „Ich finde den Wollladen sensationell“, lobt sie den Treffpunkt. Sie weiß, wovon sie spricht, denn sie hat viele Jahre in Berlin selbst in so einem Geschäft gearbeitet. Natürlich ist die Strickrunde für Anfängerinnen jederzeit offen und zwischendurch gibt es auch Kaffee, Kuchen und Naschwerk.

Demnächst geplant: Workshop Häkelkörbchen mit Holzboden, in angesagter Strickoptik, am 18. oder 21. August von 16 bis 19 Uhr, Unkosten: 45 Euro inklusive Material, Anmeldung/Infos: Tel. (0 99 41) 9 38 92 34