Festspielgemeinschaft Bad Kötzting erlebt Traumsaison mit dem Don Quijote

„Fix und fertig“ – und glücklich. So ziehen die Festspieler am Ende der Saison Bilanz über ihren ganz eigenen Don Quijote auf Bairisch. Beate Bauer, Tamara Eggersdorfer, Markus Kilger und Theresia Kühlmeyer sind am Montag beim Gespräch mit unserem Medienhaus noch immer völlig begeistert über die Leistung vor und hinter der Bühne, die Leistung der Künstlerischen Leitung und natürlich vor allem, dass der Stoff die Zuschauer in den Bann schlagen konnte.
„Die Reaktionen waren durchwegs positiv“, sagt Kilger. Vor allem, „weil Zuschauer und Spieler was Lustiges wollten, es aber schon aufgefallen ist, dass der Don Quijote auch Tiefe hat.“ Für ihn als Spielersprecher bleibe nach den acht Aufführungen die Freude, dass Regisseur Sascha Edenhofer das Ensemble mittlerweile sehr gut kenne, die Rollen perfekt besetze und auch viel Mut habe, große Rollen an junge Talente zu vergeben.
Mehrfach-Rollen sorgten vorab für Fragezeichen
Ein Beispiel dafür sei für ihn Paul Werner als Don Quijotes Pferd Rosinante und Lina Treitinger als „Eserl“ des Banzerl. Tamara Eggersdorfer ist sich schon jetzt sicher, dass das Lied „Die Nacht“, das gesungen wird, während Don Quijote im düster beleuchteten Käfig sitzt, das Zeug zum internen Klassiker bei der FSG hat. Überhaupt ist für alle vier die Leistung des Chores, der fast durchgehend in unterschiedlicher Besetzung auf der Bühne mit dabei ist, eine der bemerkenswertesten der abgelaufenen Saison. Vorab hatten sich Uta Herbst und Karin Wellisch um die Sänger und die Musik verdient gemacht.
Dass bei 50 Spielern viele nicht nur zwei, sondern auch drei und vier Rollen gespielt haben, und das organisatorisch vorab nicht nur in der Maske für das eine oder andere Fragezeichen gesorgt habe, fasziniere die Spieler bis heute. „Aber Sascha hat gesagt: ,Vertraut uns, das wird schon‘, und er hatte natürlich recht“, erinnert sich Tamara Eggersdorfer.
Wie erklären sich die Festspieler den Erfolg?
Ob es nun der bekannte Name des Stückes, das durchweg perfekte Theatersommer-Wetter, die Tatsache, dass nach einer Tragödie in den Vorjahren die Gäste wieder Lust auf einen Abend mit Humor hatten, oder es eine Mischung aus allem ist: Obwohl die Vorführungen schon vor Beginn ausverkauft gewesen waren, hätten es einige Besucher mehrfach auf sich genommen und hätten ihr Glück an der Abendkasse versucht, erinnert sich Theresia Kühlmeyer. Für alle, die dieses Jahr keine Karten mehr bekommen haben, verraten sie schon einmal den Termin für die Premiere 2027: Das wird der 24. Juli sein.

Der Ludwigsberg hat seinen „ganz eigenen Spirit“
Im Interview nach dem Ende der diesjährigen Saison auf dem Ludwigsberg spricht Regisseur Sascha Edenhofer über Herausforderungen, Erfolge und den „ganz eigenen Spirit am Ludwigsberg“.
Wie bewerten sie den Erfolg der Produktion?
Sascha Edenhofer: „Der Erfolg dieser Produktion sollte sich nicht allein an acht ausverkauften Vorstellungen bemessen lassen. Entscheidend ist das Gesamtbild: Wir haben eine Fassung eigens für den Ludwigsberg und das vorherrschende Ensemble aus einem knapp 1200 Seiten starken Roman entwickelt, sie gemeinsam mit über 50 Mitwirkenden aller Generationen auf die Bühne gebracht und – mit das Wichtigste – damit das Publikum erreicht. Wenn es uns mit Don Quijote gelungen ist, nicht nur einen erfolgreichen Festspielabend zu gestalten, sondern zugleich Spielerinnen und Spieler zu festigen und weiterzuentwickeln, den Nachwuchs zu stärken und insgesamt Lust auf weitere Theaterspiele ,am Berg‘ zu wecken, dann hat die Festspielgemeinschaft einen weiteren Schritt in Richtung Umbruch gemacht. Und genau dann war die Produktion für mich erfolgreich.“
Welche Reaktionen gab es?
Sascha Edenhofer: „Alle Rückmeldungen waren durchwegs positiv und konstruktiv. Während der Vorstellungen waren die Reaktionen mit viel Freude, Heiterkeit und Lachen, dazu kräftiger Applaus unmittelbar spürbar. Hervorgehoben wurden neben der Stückfassung selbst besonders das motivierte und spielstarke Ensemble sowie immer wieder die Chordarbietungen oder die personifizierten Reittiere und lebendigen Bücher. Viele Rückmeldungen beziehen sich aber auf das Gesamtpaket: Das Zusammenspiel von Ensemble, Kostüm und Maske, Technik und Bühnenbild – und natürlich einmal mehr: Das sagenhafte Ambiente am Ludwigsberg. Eine besondere visuelle Kraft hatten dieses Mal die rotierenden Windmühlenflügel am zentralen Ludwigsturm bewirkt. Sie wurden mehrfach als einprägsames Element der Inszenierung wahrgenommen und haben dem Bühnenbild eine ganz eigene Dimension gegeben.“
Wie war die Zusammenarbeit mit Sara Herbst - ein Konzept für weitere Stücke?
Sascha Edenhofer: „Eine Premiere im doppelten Sinne! Unsere Zusammenarbeit in den vergangenen 18 Monaten war intensiv, produktiv und stets auf Augenhöhe. Es war nicht nur unsere erste gemeinsame Zusammenarbeit, sondern wir haben uns auch situationsbedingt entschieden, für die Festspielgemeinschaft ein eigenes Stück zu entwickeln. Sara hat diese Entscheidung mitgetragen und ist schließlich als Co-Autorin Teil dieses Prozesses geworden. Es liegt eine sehr intensive und hochproduktive gemeinsame Zeit hinter uns, die gezeigt hat, dass wir uns künstlerisch und inhaltlich gut ergänzen – und dass wir auch an schwierige Situationen und Themen mit einer grundsätzlich positiven Grundhaltung herangehen können.“
Wie bewerten sie die Leistung der Spieler? Was kann man im kommenden Jahr noch ändern?
Sascha Edenhofer: „Die Leistung aller Beteiligten kann gar nicht hoch genug gelobt werden. Den Spielerinnen und Spielern wurde eine Menge abverlangt. Neben einem Theaterchor, der beinahe das gesamte Stück über auf der Bühne steht, auch noch einen Gesangschor zu inszenieren, bedeutete im Umkehrschluss eine nahezu doppelte Probenzeit. Das war ein absoluter Kraftakt. Für Teile des Ensembles kamen zusätzlich Kampfszenen, Tanzszenen und Choreografien hinzu. Und dennoch haben alle aus der sehr großen Spielerschar ihren Platz in der Inszenierung gefunden und ihren Beitrag zum Gesamtbild geleistet. Was man 2027 noch verändern kann, wird sich auch aus den Abschlussgesprächen mit dem Kreativteam ergeben. Jede Inszenierung hinterlässt Erkenntnisse – künstlerisch, organisatorisch und im Umgang mit dem Ensemble. Fest steht: Auf dieser Leistung und dieser Bereitschaft, sich auf so vieles einzulassen, lässt sich sehr gut aufbauen, das interne Potential ist schier beispiellos.“
Was bleibt Ihnen besonders in Erinnerung?
Sascha Edenhofer: „Eine große Reise mit einem eigenen Bühnenwerk, das anfänglich von vielen Unsicherheiten und Hürden begleitet war, mit jeder Probe mehr an Kontur und Zuversicht gewonnen hat und schließlich den ganz eigenen ,Spirit des Ludwigsbergs Bad Kötzting‘ erlangte. Am Ende wurde daraus eine großartige Theatersaison der Waldfestspiele, welche mir als solche in Erinnerung bleiben wird.“