Festspielgemeinschaft feiert Premiere mit Don Quijote auf dem Ludwigsberg

Don Quijote, der „Ritter von der traurigen Gestalt“, gehört wohl zu den bekanntesten literarischen Figuren der vergangenen gut 400 Jahre. So alt ist das Buch aus der Feder von Miguel de Cervantes nämlich. Das Buch teilt sich dabei ein Schicksal mit vielen klangvollen Titeln, die dem Namen nach zwar jeder kennt, die in den seltensten Fällen allerdings wirklich gelesen werden. Im Fall des Don Quijote auf dem Ludwigsberg kommt dann noch dazu, dass Adaptionen des Stoffs für Theaterbühnen quasi nicht vorhanden sind. „Herausforderung angenommen“, haben sich die Festspieler für dieses Jahr wohl gedacht, und haben den spanischen Klassiker in den Bayerischen Wald verlegt.
Keine leichte Aufgabe, denn schließlich sind die beiden Bände der Ursprungsgeschichte vor allem eine Aneinanderreihung von ulkigen Begegnungen, die Don Quijote und Sancho Panza erleben, weil sich der Titelheld einbildet, ein Ritter im Mittelalter zu sein und sich natürlich auch so benimmt. Doch: Wie ist diese Geschichte, die 1615 schließlich damit ein Ende findet, dass Don Quijote seinen Wahn erkennt und daran stirbt, auf der Bühne um?
Wie kommt die spanische Weltliteratur auf den Berg?
Seit Samstag wissen es die Besucher der Premiere, die vor ausverkauftem Haus gespielt wurde: Bunt ist der bayerische Don Quijote, wenn er sich auf die Suche nach seiner angebeteten Dulcinea vom Lamer Winkel macht. Kostümbildnerin Antje Adamson verleiht mit ihren Ideen der Neuproduktion eine Farbenpracht, die sich zwischen der Mode des 17. Jahrhunderts und der Moderne bewegt.
Aus den vielen hundert Seiten Don Quijote ein gut zweieinhalbstündiges Stück entstehen zu lassen, das war schon im Vorfeld die Aufgabe von Sascha Edenhofer und Sara Herbst. Natürlich soll an dieser Stelle nicht zu viel verraten werden, doch werden selbst jene, die die Bücher gelesen haben, ihren Don Quijote sicher wiedererkennen – das Ende des „Ritters von der traurigen Gestalt“ wird aber jedem neu sein.
„A Ritter in am Käfig is wia a Fisch in am Sandkasten ...“
Den verkörpert Joachim Roiger gemeinsam mit FSG-Urgestein Uli Treitinger als „Banzerl“ so packend auf der Waldbühne, dass auch wirklich keine Minute Atempause bleibt. Auch wenn sich die künstlerische Leitung auf einige wenige der vielen Abenteuer beschränken musste – wobei der berühmte Kampf gegen die Windmühlen natürlich nicht fehlen darf –, steckt in der Auswahl alles, was den Don Quijote ausmacht und weshalb ihn viele Generationen von Lesern sei über 400 Jahren immer wieder gerne lesen.




















Wer sich mit dem Vorwissen des Buches allerdings auf eine rein klamaukige Aufführung eingestellt hat, erlebt auf dem Ludwigsberg etwas anderes. Natürlich sorgt es für Lacher, wenn Don Quijote einen Kampf ohne sein Zutun gewinnt und die Geschlagenen festhalten: „Der doud aa ned amoi wos, oba des muas ma aa kinna.“ Edenhofer und Herbst haben ihren Helden aber nicht nur komisch, sondern auch tiefgründig angelegt.
Es fehlt nicht der Schluss des ersten Buches, wenn Don Quijote in einem hölzernen Käfig nach Hause gebracht wird. Still sitzt der Protagonist und sein treuer Begleiter Banzerl sagt: „A Ritter in am Käfig is wia a Fisch in am Sandkasten: Er sagt nix, weil wir ihm sei Welt weggnommen ham.“
Gespickt ist die Inszenierung mit vielen liebevoll eingebauten Details, wie etwa den Ritterbüchern des Don Quijote, die zum Leben erwachen. Auch der vielstimmige Chor, der in der Lage ist, bayerische Lieder zur Flamenco-Melodie darzubieten, wird auch dem einen oder anderen ein Lächeln auf die Lippen zaubern.
Wenn das Stück zu Ende geht, dann kommt wohl nicht nur Banzerl zu dem Schluss, dass es „mehr neue Träumer wie Don Quijote“ braucht, und dass es der Festspielgemeinschaft einmal mehr gelungen ist, die Zuschauer zu begeistern, mitzureißen und einem echten Klassiker auf Bairisch wieder einmal ein ganz eigenes, außergewöhnliches und überaus sehenswertes neues Leben eingehaucht hat.