Ein Spanisch-bairischer Ritter regiert ab sofort den Ludwigsberg

Ausgelassene Stimmung herrschte vor kurzem in der Gaststube der Waldpension am Ludwigsberg. Der Grund: Die Bad Kötztinger Festspieler lasen und sangen hier zum ersten Mal ihre Version von Don Quijote. Dieser komisch-skurrile Roman des spanischen Dichters Miguel de Cervantes wird heuer im Juli und August auf dem Ludwigsberg in einer neuen und vor allem bairischen Fassung uraufgeführt.
Bevor es am Wochenende an die erste Textlektüre ging, gab es auf der Waldbühne eine Auftaktveranstaltung für die Neuproduktion. Die Vorstandschaft der Festspielgemeinschaft (FSG) spornte dabei ihre Spieler und die vielen Helfer hinter den Kulissen an.
Jetzt sind sie keine Weber mehr ...
Schließlich seien sie jetzt keine Weber mehr, sondern das lebensfrohe Umfeld des verrückten Ritters Don Quijote. Und für seine Abenteuer, zahlreiche Lachsalven und Action-geladene Szenen brauche es einiges an Energie – und Einsatz. Darauf schwor die stellvertretende Vorsitzende Tamara Eggersdorfer die Vereinsmitglieder ein: „Lasst uns die Magie dieses Ortes und der FSG gemeinsam aufrechterhalten.“
Mit diesem Appell im Hinterkopf ging es zur Textprobe, an der auch die Abteilungen Maske und Kostüm teilnahmen. Denn diese erarbeiten in enger Abstimmung auf den Text bereits die fantasievollen Gewänder und visuellen Effekte für die rund 60 Darsteller. Eine fordernde Aufgabe, wie Kostümbildnerin Antje Adamson und Leiterin der Maske, Corinna Eichinger, erzählen. Doch die ersten Pläne stehen und der Fundus der FSG hält viele bunte Stücke bereit, die heuer zum Einsatz kommen sollen.
Der Text ist bereits komplett fertig
Während Maske und Kostüm gerade erst mit der Arbeit beginnen, ist der Text über den Bayerwald-Ritter Anton Quirin Schott vom Zellertal fast fertig. Nur an den Feinheiten, am Timing der Witze und an letzten Längen schrauben der künstlerische Leiter des Vereins, Sascha Edenhofer, und seine Co-Autorin Sara Herbst noch. Letztere ist außerdem als Dramaturgin heuer zum ersten Mal an einer Produktion der FSG beteiligt. Zuvor war sie bereits als Spielerin und Vorstandsmitglied aktiv.

Seit Juli letzten Jahres arbeitet Herbst mit Edenhofer nun am neuen Stück. Für dessen Auswahl gab es vom Verein klare Vorgaben: Nach zwei Jahren Drama sollte wieder eine Komödie gespielt werden - und es mussten Rollen für alle Ensemblemitglieder gefunden werden. In Cervantes Roman wurden Edenhofer und Herbst nach gründlicher Recherche fündig.
Wie aufwändig die anschließende Textbearbeitung war, berichtete Herbst: „Ich habe mir das Original, das über 2000 Seiten hat und als Hörbuch 48 Stunden dauert, in dreifacher Geschwindigkeit angehört und dann eine riesige Übersicht aller potenziell in Frage kommender Rollen und Bildern erstellt. Im Oktober haben wir dann aus dieser Vorauswahl den Handlungsstrang geplottet, der das Grundgerüst des Stücks bildet.“

Das erste Testpublikum dafür waren nun die Darsteller. Im Detail setzten sie sich am ersten Probenwochenende des Jahres erstmals mit ihren Rollen auseinander. Ein Moment, den sie und das Regieteam lange herbeigesehnt hatten. “Ihr seht mich heute angespannt, aber ihr seht mich nicht nervös, dass das, was wir vorbereitet haben, sehr gut passen kann und dass für jedes Publikum ein bisschen was dabei ist”, zeigte sich Sascha Edenhofer zuversichtlich vor der Leseprobe.
Und sein Enthusiasmus schwappte über: Bereits nach den ersten Minuten Lesezeit brachen die Festspieler in Gelächter aus. Für die meisten Lacher des Nachmittags sorgte Uli Treitinger, der mit Don Quijotes unfreiwilligem Knappen Banzerl eine der Hauptrollen spielen wird. „Ich find’ diese Figur ganz toll“, schwärmte er nach der Probe. „Er ist nicht der, der im Vordergrund steht. Er ist eine begleitende Figur, die das Geschehen lustig oder auch nachdenklich kommentiert - und da find’ ich mich schon selbst wieder.“
Und worauf können sich die Zuschauer darüber hinaus heuer am Berg freuen? “Sie können ein wunderbares, buntes, fantasievolles Stück erwarten, das mit sehr viel Liebe vom Text und der Inszenierung her geplant ist, das heiter ist, aber auch nachdenklich”, kündigte Uli Treitinger an. Doch bis das Stück bereit ist für sein Publikum, ist es noch ein weiter Weg. Denn jetzt beginnt das Textlernen, das szenische Proben auf der Bühne und vor allem geht auch der Bühnenbau in die heiße Phase.
Für das neue Stück gibt es nämlich eine komplett neue Kulisse. Ob darin auch die berühmte Windmühle einen Platz findet? Davon überzeugt man sich am besten selbst im Sommer auf dem Ludwigsberg.
Auftritt
■ Aufführungstermine Don Quijote im Juli und August: 25. Juli (Premiere), 28. und 31. Juli, 1., 2., 4., 7. und 8. August.
■ Karten gibt es über die Website www.waldfestspiele.de sowie der Kurverwaltung Bad Kötzting.