Von Schama hinaus in die Welt: Hans Heß war lange Vorstandsmitglied der Firma Bögl

Zeitweise waren es bis zu elf Personen unter dem Dach eines kleines Häuschens nahe der Regensburger Straße von Schama, wie die Einheimischen den Ort Hohenschambach (Kreis Regensburg) nennen. Die Rede ist vom Elternhaus von Hans Heß, wo er aufgewachsen ist mit acht Geschwistern und einer Flüchtlingsfamilie, die hier auch noch ihren Unterschlupf gefunden hatte.
Nachkriegssituation wie vielerorts in dieser Zeit, in die der kleine Hans hineingeboren wird. Wohl aber auch die Wurzeln für die Bodenhaftung und Heimatverbundenheit des späteren Vorstandsmitglieds der weltweit agierenden Baufirma Bögl in Neumarkt.
Aus Großetzenberg stammten die Eltern, erbten das kleine Anwesen in Hohenschambach und so kommt der Hans 1953 auch hier zur Welt, geht hier zur Schule und wechselt dann nach der fünften Klasse an das Seminar-Gymnasium von Kloster Ensdorf im Vilstal. Begabt ist der Bub, wie sich später noch viel deutlicher herausstellen sollte, aber mit Griechisch und Latein stand er schon bald auf Kriegsfuß.
Viel auf Baustellen in ganz Bayern unterwegs
Und so wechselte er nach dem „altphilologischen Schulausflug“ an die Realschule in Parsberg und schließlich an die Fachoberschule in Regensburg. Das „Technische“ ihn ihm rührte sich und da war es nur konsequent, dieser Begabung nach der Bundeswehr („Obergefreiter“) durch ein Studium an der Fachhochschule in Regensburg nachzugeben.
Die aufstrebende Firma Bögl in Neumarkt sollte schließlich für fast vier Jahrzehnte für den jungen Bauingenieur das berufliche Schicksal werden. Bauleiter, Projektleiter, Bereichsleiter– er ist viel auf bayerischen Baustellen unterwegs. Beim Bau des Rhein-Main-Donau-Kanals, beim Flughafenbau in München und auf vielen anderen Großbaustellen hat Hans Heß wohl seine Fußabdrücke hinterlassen.
Aber auch auf der Chefetage der Firma Bögl entdeckte man dessen Spuren mit den Erkennungsmerkmalen eines zuverlässigen, fachkundigen und menschlich verbindlichen Mitarbeiters. Eines Tages signalisierte ihm sein unmittelbarer Vorgesetzter, dass der „Chef“ mit ihm „was vorhabe“. Der Chef, der damalige Firmenpatriarch Hans Bögl, rührte sich auch bald, um ihm den weiteren Weg im immer größer werdenden Imperium der Bögl-Gruppe aufzuzeigen.
Einige Wochen ging Hans Heß dennoch mit dem Angebot schwanger, denn ihm war bewusst, dass diese Herausforderung nicht nur für ihn, sondern auch für die Familie mit vielen Belastungen verbunden sein wird. Doch das Karussell des beruflichen Lebens zieht mit so einer Chance ja meist nur einmal an einem vorbei und so fand sich Hans Heß schließlich an einem anderen und sehr bedeutenden neuen Schreibtisch in Neumarkt.
Wie es kam, ist ja bekannt – und so findet sich Heß um die Jahrtausendwende herum als Zentralbereichsleiter im Tiefbau in einer herausragenden Funktion, wird gerade durch die deutsche Wiedervereinigung dann über Jahre besonders gefordert. Er baut Bögl-Niederlassungen im Erzgebirge, Gera und Berlin mit auf, und wer heute auf der Autobahn A 9 von Nürnberg nach Berlin fährt, der fährt dort, wo Hans Heß mit seinen Leuten die schnelle Mobilität in den neuen Osten ermöglichte.
Ab 2003 verantwortet der Tangrintler zunächst in der Bögl-Gruppe als Vorstand den Bereich Infrastruktur, neben dem Kanal- und Druckrohr-Leitungsbau, dem Straßenbau, insbesondere auch den Transport und Gerätebereich sowie die Rohstoffbetriebe. In den letzten fünf Jahren seiner Vorstandstätigkeit verantwortete er den Gesamtbereich Ingenieur-Bau mit Brückenbau und Tunnelbau im In- und Ausland.
Rund 1000 Mann werkeln bei Bögl nun nach seinen Direktiven, bauen von der neuen Niederlassung in Stettin bzw. Pilsen aus Autobahnen und Flugplätze in Polen und Tschechien. Heß sitzt jetzt viel im Flieger und bringt im Jahr so an die 80 000 Kilometer auf den Tacho des Dienstwagens. Wer vielleicht schon einmal im Zug von Tel Aviv nach Jerusalem gesessen hat, der ist auf einer Bahnlinie gefahren, die von der Bögl-Gruppe unter Verantwortung von Hans Heß ausgebaut worden ist. Mit Arbeitsgruppen übrigens, in denen sich vielfach Palästinenser befanden, die während des Ramadans dem gebotenen Leistungsdruck Oberpfälzer Prägung nur bedingt gerecht werden konnten.
Seine Vorstandzeit neigt sich allmählich schon zu Ende, da ist er noch in die Auftragsbeschaffung des Fehmarnbelt-Tunnels involviert, einer Eisenbahn-und Straßen-Untertunnelung zwischen der Kieler Bucht und dem Großen Belt auf dänischer Seite. Einem Bauprojekt mit rund 18 Kilometer Länge und mit insgesamt 3,4 Milliarden Euro Auftragswert. Die Firma Bögl bringt hier als Mitglied eines internationalen Konsortiums entsprechendes Know- How tatkräftig mit ein und Hans Heß sitzt mit am Vertragstisch.
In 40 Berufsjahren zwei Tage krank geschrieben
Jetzt aber sitzt er mir im Heß-Wohnzimmer in Laufenthal gegenüber, draußen, auf der Terrasse spielt seine Frau Karolina mit zwei der vier Enkel der beiden Töchter. Die Kilometerzahl seines Auto-Tachos hält sich nun in Grenzen.
Ein bodenständiger Mensch ist der Hans Heß geblieben, der in der beruflichen Welt ganz oben angekommen ist und dabei das Bewässern seiner persönlichen Herkommens-Wurzeln nie vergessen hat. Und ein fleißiger Mensch ist und war der „Hans“, der in seinen 40 Berufsjahren ganze zwei Tage krankgeschrieben war. Und weil die Schulterverletzung auf einen Skiunfall zurückzuführen war, hat er seitdem keine Brettl mehr angeschnallt. Einer vom alten Schlag des Pflichtbewusstseins halt.
Ehrenämter
■ Wassergruppe: Im Ruhestand bringt der Ingenieur Hans Heß als ehrenamtlicher Vorsitzender der Hohenschambacher Wassergruppe seine Kenntnisse und Erfahrungen noch ein.
■ Wirt: Seit 1978 ist Heß „Vorstand“ eines Elf-Personen-Stammtisches und schenkt einmal im Monat als „Wirt“ im Laufenthaler Dorfwirtshaus seinen Freunden und Gästen eine frische Halbe ein.
Zum Autor
■ Serie: In unregelmäßigen Abständen porträtieren wir in dieser Serie Menschen aus dem Landkreis. Die Porträts sind in sehr persönlicher Form geschrieben. Unser Autor Herbert Mirbeth ist Ehrenbürger von Hemau, war von 2002 bis 2014 Landrat und Herausgeber der ehemaligen Tangrintler Nachrichten.