Die Influencerin aus Weillohe: Wie Claudia Ipfelkofer den Weg in die Landwirtschaft fand

Auf einen „Kulturschock“ folgte für Claudia Ipfelkofer eine starke innere Bindung ans Dorfleben in Weillohe in der Gemeinde Thalmassing (Landkreis Regensburg). Heute hat sie Wurzeln geschlagen in einer Dorfgemeinschaft, wo sie inzwischen als Ortsbäuerin und Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins sowie als Mitglied des Kindergarten-Elternbeirats das bodenständige Leben mitgestaltet.
Sie ist die „Marketingtante“ für den „weiblichen Ast“ des Bauernverbandes, ist die „Hoffluencerin“ mit dem Instagram-Account für die Landfrauen im Landkreis Regensburg und gestaltet im Nebenberuf für eine große Regensburger Firma als Mediengestalterin eine Lebensmittel-Produktwerbung, die viele Verbraucher Woche für Woche für den Einkaufszettel durchblättern. Und sie ist Bäuerin – aber einen landwirtschaftlichen Hintergrund hat sie nicht, denn als Kind und junges Mädchen wächst die kleine Claudia in dem Städtchen Pfaffenhofen an der Ilm auf.
Dort verdienen sich die Eltern, Roswitha und Sepp Huber, ihren Lebensunterhalt als Versicherungskaufmann und Floristin, und die heranwachsende Tochter entscheidet sich für eine Lehre als Bürokauffrau und Medienfachwirtin in München. Nach einer Zeit aber findet sie wieder ihren Weg zurück an die Ilm und arbeitet als Marketingassistentin bei einer Firma, die sich mit der Erstellung von Biogasanlagen beschäftigt. Und die auch Männer beschäftigt.
Das ist wichtig zu erwähnen, denn hier ebnet sich nun der Weg hin zur Landwirtschaft, denn mit Biogas beschäftigt sich bei dieser Firma auch ein gewisser Johannes Ipfelkofer, der nach seinem Landwirtschaftsstudium in Weihenstephan nun mit dieser zukunftsgewandten Energieform seine ersten beruflichen Sporen erwirbt. Um es kurz zu machen: Neben der gemeinsamen Sorge um die Zukunft von Biogas entwickelt sich zwischen den jungen Leuten auch eine Energie für die gemeinsame Zukunft.
Ins Dorfleben eingeheiratet
Nach dem „Kulturschock“ folgte eine starke innere Bindung ans Dorfleben. Und so kam es, dass schließlich am 7. Juli 2018 im Rahmen einer großen Hofhochzeit auf dem Anwesen in Weillohe eine erwartungsvolle Hochzeitsgesellschaft den beiden jungen Leuten gratulieren konnte. Jetzt war also die Büro-Claudia (Jahrgang 1988) aus dem Städtchen Pfaffenhofen mit einem Mal Bäuerin und in dem rund 160 Seelen großen Dorf Weillohe in eine völlig andere Welt versetzt. Als sie mir dies unter einer schattigen Kastanie bei Kaffee und Kuchen neben ihrem ans Herz gewachsenen Bauerngarten erzählt, fällt schon der Begriff „Kulturschock“.
Ein Schock allerdings, der sich längst in eine starke innere Bindung hin zum Dorfleben verwandelt hat. Einem Dorfleben, in dem jede und jeder jede und jeden kennt und grüßt. Einem Dorfleben, in dem man sich zum Geburtstag gratuliert, man sich in den Vereinen stützt und Unterhaltung bietet und in dem man nach einem kurzen Schritt die Natur erlebt und sich daran erfreuen kann. Einem Dorfleben, das ihr die Eingliederung als Fremde in die Gemeinschaft sehr erleichtert hat.

Claudia Ipfelkofer ist längst angekommen, hat Wurzeln geschlagen in einer Dorfgemeinschaft, wo sie inzwischen als Ortsbäuerin und Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins und als Mitglied des Kindergarten-Elternbeirats das bodenständige Leben auch für ihre drei Töchter Anna (sechs), Vroni (fünf) und Emma (zwei) mitgestaltet.
Sie steht damit keineswegs hinter ihrem Mann Johannes (43) zurück, der als Dipl. Agraringenieur und Betriebsleiter von Baywa-Agrar in Obertraubling arbeitet und gleichfalls als CSU-Ortsvorsitzender von Weillohe und seit 18 Jahre als Gemeinderat in Thalmassing neben der sicher nicht geringen Arbeit bei der Hofbewirtschaftung des viehlosen Betriebs sein bürgerschaftliches Engagement in die Gemeinschaft einbringt und tief in den örtlichen Vereinen verwurzelt ist. Ein nicht alltägliches Paar, das sich hier gefunden hat.
Fragt man die angeheiratete Bäuerin, was sie aus der heutigen Sicht einer jungen und wie sie einstmals landwirtschaftsfernen Freundin eines Jungbauern antworten würde, kommt ein spontanes „Mach es!“ „Mach es und wag den Schritt in eine sicher fremde und unbekannte Welt des Alltags, aber mit einer starken inneren Bereitschaft zu diesem Ja.“ Weil dieses andere Leben viel Nähe zur Natur bringt und von besonderer Qualität ist. Und weil dieses Leben auf dem Land und in der Landwirtschaft so manche Annehmlichkeit städtischen Lebens ausgleicht, auch wenn man den Urlaub nicht so spontan planen kann und mit dem Blick auf die betrieblichen Zwänge natürlich einschränken muss.
Auch das Ehrenamt macht ihr Spaß
Sie sagt es aus der Erfahrung der nun vergangenen Jahre und sie sagt es auch aus der Erkenntnis, dass man bei der Einheirat in die Landwirtschaft und in ein Dorf auch eine aktive Bereitschaft zur Integration in das neue Lebens- und Berufsumfeld sowie in das Dorfleben mitbringen muss. Man nimmt ihr bei ihrem zupackenden Mittun im öffentlichen Leben auch das Bekenntnis ab, dass Ehrenamt „Spaß macht“, weil Ehrenamt das gesellschaftliche Miteinander und das Zusammenführen der Menschen eben einschließt.
Und so sitzt mir unter der Kastanie eine moderne Frau gegenüber, die mit dem Blick auf ihre spielenden Kinder den Sonnenuntergang zu erleben und zu genießen weiß. Aber auch eine Frau, welche die Kommunikation nach den Spielregeln von Social-Media ebenso beherrscht wie das Armaturenbrett des großen Traktors, der hinten bei der Scheune steht und den auch immer öfter die einstige Büroangestellte aus dem Städtchen Pfaffenhofen an der Ilm am Steuer zu lenken hat.
Zur Person: Claudia Ipfelkofer
Engagements: Als ausgebildete Fachwirtin IHK und Marketing-Fachfrau engagiert sie sich beim Bauernverband auf Kreisebene im Social-Media-Bereich und trägt als Hof-Influencerin das bäuerliche Landleben in die Öffentlichkeit hinein. Vor Ort ist sie als Ortsbäuerin, OGV-Vorsitzende und als Elternbeiratsmitglied beim Kindergarten aktiv.
Spektrum: Ein sorgfältiges Zeitmanagement ist für die dreifache Mutter am Bauernhof und als Teilzeit-Mediengestalterin Voraussetzung für die aktive Mitwirkung im Ehrenamt. Die Liebe zur Natur schafft ihr und ihrem Mann den Ausgleich im Wechsel von Beruf und Freizeit.
■ Serie: In unregelmäßigen Abständen porträtieren wir in dieser Serie Menschen aus dem Landkreis. Die Porträts sind in sehr persönlicher Form geschrieben. Unser Autor Herbert Mirbeth ist Ehrenbürger von Hemau, war von 2002 bis 2014 Landrat und Herausgeber der ehemaligen Tangrintler Nachrichten.