Kreuzfahrten boomen, Fernreisen verlieren an Reiz: Reisebüros blicken auf den Urlaubssommer 2026

Von Louis Schroeder · 12. August 2026 um 19:00

Die Reiselust ist ungebrochen – doch wohin es die Menschen zieht, hat sich in diesem Jahr spürbar verändert. Während klassische Flugreisen weiterhin gefragt sind, erleben Kreuzfahrten einen regelrechten Boom. Gleichzeitig verlieren Fernreisen wie beispielsweise in die USA an Bedeutung. Reisebüros im Landkreis Kelheim beobachten zudem: Wer im kommenden Sommer verreisen möchte, sollte möglichst früh buchen.

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Besonders deutlich zeigt sich das bei Kreuzfahrten. „Wir merken auf jeden Fall, dass diese absolut im Trend sind“, sagt Melissa Wittmann vom Reisebüro Hierl in Kelheim. Dabei spiele es kaum noch eine Rolle, ob es sich um Hochsee- oder Flusskreuzfahrten handelt. „Viele entdecken diese Reiseform für sich.“

Kreuzfahrten holen zu Flugreisen auf

Vor allem Hochseekreuzfahrten sprechen mittlerweile eine breite Zielgruppe an. Familien, Paare und Senioren seien gleichermaßen vertreten. Ein Pluspunkt sei die Barrierefreiheit vieler Schiffe. Auch die Routen seien vielfältiger denn je – vom Mittelmeer über die Karibik bis in den hohen Norden. Selbst längere Transitreisen, etwa von Singapur nach Kapstadt, würden zunehmend nachgefragt. Flusskreuzfahrten seien dagegen nach wie vor vor allem bei älteren Urlaubern beliebt.

Nach Einschätzung Wittmanns hat die Nachfrage in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen. Inzwischen bewege sich das Interesse an Kreuzfahrten auf einem ähnlichen Niveau wie bei klassischen Flugreisen. Ein Grund dafür seien auch die steigenden Kosten vieler Urlaubsreisen. „Die Preise steigen überall“, sagt Wittmann. Hotels müssten höhere Kosten für Lebensmittel und Personal schultern – das wirke sich letztlich auch auf die Reisepreise aus.

Kreuzfahrten sind im Trend - Foto: Clara Margais/dpa

Flugreisen bleiben dennoch gefragt. Im Sommer stehen vor allem Ziele rund ums Mittelmeer hoch im Kurs. Vorübergehend hätten sich manche Urlauber wegen der Kriege und internationalen Konflikte unsicher gezeigt, ob sie bestimmte Ziele ansteuern sollten. Insgesamt lasse sich jedoch kein eindeutiger Trend erkennen.

Etwas anders bewertet Tatjania Allin vom Reisebüro Allin Reisen in Abensberg die Entwicklung. Sie beobachtet, dass viele Kunden aufgrund der weltpolitischen Lage lieber innerhalb Europas verreisen. „Viele nutzen die Gelegenheit, Europa näher kennenzulernen“, sagt sie. Besonders Griechenland liege derzeit im Trend, ebenso die Kanarischen Inseln. Gleichzeitig wachse das Interesse an Reisen in den Norden – etwa nach Norwegen oder auf nordische Kreuzfahrten.

Während europäische Ziele profitieren, gehen Fernreisen teilweise zurück. Vor allem asiatische Länder litten nach Einschätzung Allins unter der Unsicherheit vieler Urlauber. Die Sorge, dass Reisen kurzfristig abgesagt oder Flugverbindungen eingeschränkt werden könnten, spiele bei der Urlaubsplanung durchaus eine Rolle.

Auch die Nachfrage nach Reisen in die USA ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken. „Vergangenes Jahr hatten wir einen regelrechten Boom“, sagt Allin. Heuer sei das Interesse wesentlich geringer. Neben der politischen Lage schrecken vor allem die hohen Kosten viele Urlauber ab.

Besonders Hotels seien zuletzt deutlich teurer geworden. „Teilweise lagen die Übernachtungskosten bei rund 500 Euro pro Person und Nacht“, berichtet Allin. In manchen Fällen habe ihr Reisebüro Kunden deshalb sogar zu alternativen Reisezielen geraten – etwa nach Norwegen.

Im Sommer stehen vor allem Ziele am Mittelmeer hoch im Kurs. - Foto: Jens Bütner/dpa

Auch beim Buchungsverhalten stellen die Reisebüros Veränderungen fest. Der Juni sei ein sehr starker Buchungsmonat gewesen, berichtet Wittmann. Davor hätten sich viele Kunden noch etwas zurückgehalten. Wer jetzt noch verreisen möchte, finde zwar vereinzelt attraktive Angebote. Das klassische Last-Minute-Geschäft gebe es allerdings kaum noch.

„Lieber früher buchen als zu spät“, lautet deshalb ihre Empfehlung. Viele Familien planen ihren Sommerurlaub inzwischen bereits im September oder Oktober des Vorjahres. Gerade bei Kreuzfahrten reiche die Nachfrage mittlerweile bis ins Jahr 2028.

Die Urlaubssaison wird immer länger

Hinzu kommt ein weiterer Trend: Die Reisesaison endet längst nicht mehr mit den Sommerferien. Nach Beobachtung der Reisebüros verlängert sich der Sommer zunehmend. Viele Resorts bleiben länger geöffnet, und zahlreiche Urlauber weichen bewusst auf den Spätsommer oder Herbst aus. Wer nicht an die Schulferien gebunden ist, profitiert dabei häufig von günstigeren Preisen und einer größeren Auswahl.

Für die Reisebüros ist das eine erfreuliche Entwicklung. Denn trotz steigender Preise und weltpolitischer Unsicherheiten bleibt die Lust aufs Reisen groß – nur die Ziele verändern sich. Während Europa und Kreuzfahrten weiter zulegen, werden teure Fernreisen zunehmend sorgfältiger abgewogen.