Wenn ein Dorf zum Festivalgelände wird: „Klein-Wacken“ im Herzen der Hallertau

Von Lilly Mantel, Theresa Baumann · 10. August 2026 um 19:00

„Es war wieder wirklich schön“, bilanziert Marcus Niesl (37) vom Doibach Open Air-Team das Festival vom Wochenende. Das Feedback der Bands und des Publikums sei durchweg positiv gewesen, auch mit den Besucherzahlen zeigt sich Niesl zufrieden. Rund 4300 Besucher seien an den vier Festivaltagen nach seinen Schätzungen gekommen, der Samstag sei mit 1500 Gästen der stärkste Tag gewesen.

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„Das Open Air ist ein Rock- und Metal-Festival im Herzen der Hallertau“, sagt Marcus Niesl. Entstanden sei das Ganze in der Corona-Krise. „Die vielen Freunde, die aktuell auch mithelfen, hatten damals bereits Wacken-Karten gebucht. Wacken fand nicht statt, aber jeder hatte Urlaub“, erzählt Niesl. Und so wurde stattdessen mit 150 Leuten Geburtstag gefeiert, das war anfangs noch erlaubt.

Mehr zur Entstehungsgeschichte: „Klein-Wacken“ im Kreis Kelheim: Im August wird das kleine Tollbach wieder zum Metal-Hotspot

Aus Passau: Rivers Collide eröffnet am Samstag das Bühnenprogramm. - Foto: Lilly Mantel

Am Doibach Open Air: Bis zu 1500 Besucher erwartet

Die Besucherzahlen seien permanent gestiegen. Gute Mundpropaganda, so Niesl. „Jetzt, glaube ich, sind wir täglich bei 1000, 1500 Besuchern.“ Davon seien vielleicht 30 oder 40 Prozent Camper. Viele kämen aus der näheren Umgebung. Die Tollbacher bekommen alle freien Eintritt. „Wenn’s scho vier Tage mit lauter Musik aushalten müssen“, so Niesl. Das werde super angenommen. „Es ziehen da eigentlich alle an einem Strang.“

Aus Tollbach wird 'Doiboch' - Foto: Mantel

Das finden auch Kerstin Grim (53) und Susanne Sedlmeier (59) so besonders an diesem Festival. Während die erste Band schon die Seiten anschlägt, sitzen die beiden noch im Schatten. Grim ist zum ersten Mal dabei, Sedlmeier ist schon vergangenes Jahr auf dem Festival gewesen. Die beiden sind aus Siegenburg und haben für Samstag ein Tagesticket. „Weil’s einfach schee is. Weil da das ganze Dorf backt und kocht und zamhilft. Das ist eine schöne Atmosphäre und da kommt ma einfach gern her“, sagt Sedlmeier.

So sieht das auch Grim. „Ich muss zugeben, des ist jetzt ned so meine Musik.“ Dass alle im Dorf zusammenhelfen, sei für sie nicht selbstverständlich.

Unter dem Pavillon haben sich schon die ersten Besucher in den Schatten gerettet. Auf einem der Tische liegen neben einem Bierbecher, Nadel und Faden. Ganz vertieft sitzt Marc Schlotzhauer über seiner Bikerweste und versucht, einen Aufnäher auf dem dicken Jeansstoff zu platzieren.

Durch den Wellenbrecher: Soundcheck auf der Bühne - Foto: Mantel

Festival-Sammlung: 100 Pleks auf der Bikerweste

Seine Weste ist übersät mit Aufnähern unterschiedlichster Bands und Festivals. In verschiedenen Farben schillern einem Gitarren-Plektren entgegen. „Letztens habe ich sie gezählt. Es sind 100 Stück“, sagt Schlotzhauer.

Die Band Asenblut tritt auf - Foto: Landendinger

Schon seit Donnerstag ist der Ingolstädter mit seinem Camper auf dem Festival. Eigentlich hat er das Ganze nur durch ein anderes Festival mitbekommen und ist dieses Jahr das erste Mal dabei. „Die kriegst du ja nur so mit, wennst einmal irgendwo bist“, sagt der 43-Jährige. In den vergangenen Jahren war er auch auf größeren Festivals. Nach Wacken und Rock im Park suche er dieses Jahr lieber die kleineren auf. „Da bist irgendwie näher an der Band dran“, so Schlotzhauer. Um einen Aufnäher hat er seine Weste nun erweitert: Zwei Hopfenblüten umrahmen ein Dreieck mit der Inschrift D.O.A – Doibach Open Air.

Neues Festival, neue Aufnäher - Foto: Mantel

Auch Jens (53) und Jenny Bannwitz (49) sind das erste Mal auf dem Festival. Wegen der Band „Seasons In Black“ sind sie aus Sachsen angereist. „Wir haben uns gedacht: Fahren ma ins Bayerische“, sagt Bannwitz. Seit Donnerstag campt das Paar vor Ort. Auf Wacken waren sie bisher noch nicht, aber das stehe noch an. „Wir fangen erst mal klein an“, so Jenny Bannwitz.

Die Stimmung beim Doiboch Open Air ist gelassen. - Foto: Landendinger

Neben „Seasons In Black“ traten 19 andere Bands über das verlängerte Wochenende auf. Dabei ist die Altersspanne sehr groß. „Da kommen schon die ganz kleinen Fans mit den Micky-Mäusen (Anmerkung der Redaktion: Gehörschutz) und sitzen auf dem Wellenbrecher in der ersten Reihe, sagt Niesl.

Die Begeisterung der Veranstalter fürs Festival ist groß. Fünf von ihnen, darunter auch Niesl, tragen das Logo des D.O.A mit seinen Hopfenblüten inzwischen unter der Haut.