Neu am Gäubodenvolksfest: Ein Blick hinter die Kulissen der größten mobilen Geisterbahn

Der „Geister Palast“ ist die größte mobile Geisterbahn der Welt. Normalerweise ist sie Stammgast auf dem Oktoberfest, doch in diesem Jahr steht das Fahrgeschäft erstmals auch auf dem Gäubodenvolksfest in Straubing. Im Inneren verbergen sich einige Besonderheiten. Wir haben mit Besitzer Andreas Kunz einen Blick hinter die Kulissen geworfen.
Hinter der Fassade des „Geister Palasts“ verbirgt sich weit mehr als Dunkelheit und künstliche Schreie. Auf der rund 400 Meter langen Strecke sorgen zahlreiche Figuren und Spezialeffekte für die passende Atmosphäre. Die Gondeln drehen ihre Runden, immer wieder ertönen eingespielte Schreie aus dem Inneren. Passanten werfen neugierige Blicke in Richtung des Eingangs um einen Blick auf das zu erhaschen, was hinter der Pforte geschieht. „Wir fügen ständig neue Elemente hinzu“, erklärt Andreas Kunz. Um seine Besucher stets zu überraschen, ist ihm kein Weg zu weit – der 52-jährige Münchner besucht Messen auf der ganzen Welt, um sich inspirieren zu lassen.
Geisterbahn-Besitzer aus Leidenschaft
Insgesamt sorgen rund 40 sogenannte Animatronics in der Geisterbahn für Bewegung – mechanisch, pneumatisch oder elektronisch gesteuerte Figuren, die den Besuchern das Fürchten lehren sollen. „Eine Fahrt dauert vier Minuten, das ist einmalig“, erklärt Andreas Kunz. Sie führt über drei Etagen, sieben Ebenen und vier Brücken – in 360-Grad-drehbaren Gondeln.

Das Konzept der Geisterbahn führt Gäste über gruselige, abgedunkelte Passagen im Inneren. Auf den Weg in die anderen Abschnitte fahren die Gondeln teils im Freien und bieten dadurch einen Weitblick über den Festplatz. Gleich zu Beginn passiert man Zombies, Clowns und weitere schaurige Gestalten, fährt direkt an bewegten Bilderrahmen, einem Gruselbrunnen und einem riesigen Augapfel vorbei. Eine Besonderheit des „Geister Palasts“ ist außerdem der Vortex – es wirkt, als fährt man in eine Art Strudel, die Gondeln beginnen sich ebenfalls zu drehen und für eine kurze Zeit entsteht ein Gefühl der Orientierungslosigkeit.
Eine Übersicht aller Volksfeste in der Region finden Sie in unserem Volksfestkalender.
Eine pelzige Gestalt mit Bart und Hörnern, ein Krokodil, blutige Büsten und ein animiertes Skelett mit zwei Augenpaaren sind schon von außen zu erkennen. Auch ein riesiger animierter Werwolf trohnt vor dem Eingang des Fahrgeschäfts und fletscht die Zähne. Neben der Kasse sitzt eine kleine Gruppe von Kindern, die es sich inmitten der schaurigen Figuren bequem gemacht hat. Eines der Kinder ist Alexander, der 11-jährige Sohn des Geisterbahn-Besitzers – und er ist sichtlich stolz auf das Fahrgeschäft seines Vaters. „Ich bin übrigens der Juniorchef“, scherzt er, bevor er in Richtung Gondeln verschwindet.
Kurioser Zwischenfall
Gefallen an dem rund 5000 Euro teuren Krokodil, das im Bereich des Ausgangs steht, hat übrigens nicht nur der Besitzer gefunden. Am Samstag war es kurzzeitig unbemerkt verschwunden – und wurde etwas später von der Security am Ausgang sichergestellt, als zwei Betrunkene es vom Platz tragen wollten. Das wäre sonst eine teure Hausdeko geworden.
25 Schwerlast-Transporte und viele Helfer
In Straubing hat der „Geister Palast“ in diesem Jahr Premiere, denn Transport, Aufbau und Betrieb seien so zeit- und kostenintensiv, dass sich für Kunz nur die größten Volksfeste lohnen. „Wir stehen zum Beispiel jedes Jahr auf dem Oktoberfest oder sind in Hamburg und Berlin unterwegs“, nennt er einige Beispiele. Da das Gäubodenfest das zweitgrößte bayerische Volksfest ist, hat er dieses Jahr einen Versuch in Niederbayern gewagt.

25 Schwerlast-Transporte, vier Kräne und sechs Zugmaschinen brauche es, um das einem antiken griechischen Gebäude ähnelnde Fahrgeschäft an einem neuen Ort zu errichten. „Es dauert drei Wochen, alles aufzubauen. Der Abbau dauert etwa eineinhalb Wochen, je nachdem, wie viele Leute helfen“, erklärt Kunz. Diesmal hat er zehn Aushilfen im Gepäck, hinzu kommen Spezialisten wie Elektriker. Er selbst packt natürlich auch mit an, genauso wie Co-Chef Maximilian Müller.
Auch im Winter herrscht Betrieb
Und was passiert mit den Untoten und Skeletten, wenn der Winter naht? Als Gartenzwerge und Schneemänner enden sie jedenfalls nicht, denn in den kalten Monaten steht der Berliner Weihnachtsmarkt auf dem Programm, wie Andreas Kunz erzählt. Wenn dann doch mal eine Pause angesagt ist, verweilen die Figuren und alles drum herum an einem Lagerplatz in Berlin oder München – je nachdem, was gerade näher ist. Praktisch ist deshalb, dass die beiden Besitzer jeweils aus einer der beiden Städte stammen.
Kunz übernahm die Bahn 2013 und machte daraus zunächst eine Abendteuerbahn. Seit der Winterpause 2016/2017 sie nun unter dem Namen „Geister Palast“ bekannt und wieder eine klassische Geisterbahn. Die allererste Version der Attraktion war 1982 im Besitz der Münchner Firma Fellerhof – sie hat also schon viele Jahrzehnte lang Volksfeste begleitet.
Ein teurer Spaß
Nach so vielen Jahren im Geschäft weiß Andreas Kunz, was es heißt, Leute zu erschrecken. Dazu gehöre vor allem, stets innovativ zu sein. Neben Inspirationen von Messen in etwa Amerika oder China laufen deshalb auch immer viele Eigenkreationen in seine Gruselkonzepte mit ein. „Wir haben zum Beispiel den animierten Werwolf, das ist auch ein deutsches Produkt“, sagt er. Der Wert des pelzigen Riesen belaufe sich auf gut 100.000 Euro.
Ein Ticket für eine Gruselfahrt liegt auf dem Gäubodenvolksfest bei sieben Euro – in München sei es ein wenig teurer, so der Besitzer. Der Preis müsse nach Wirtschaftslage mit steigen, denn Inflation, TÜV, Personal und alles drum herum kosten immer mehr Geld. „So eine Bahn könnte man heutzutage nicht mehr neu bauen“, sagt er klar. Umso schöner ist es also, dass sich immer neue Schausteller wie Andreas Kunz finden, die solche Kult-Attraktionen am Leben halten.