Wegen freigestelltem Landl-Pfarrer: Evangelische Christen lassen Bischof Ärger spüren

Von Wolfgang Endlein · 12. August 2026 um 13:50

In der evangelischen Landl-Pfarrei kochen seit Wochen die Emotionen hoch. Viele Gläubige wollen ihren Pfarrer wieder, der wegen eines Disziplinarverfahrens aktuell nicht im Dienst ist. Am Dienstag kam es in Bachhausen im Landkreis Neumarkt zum Gespräch mit den hart kritisierten Kirchenoberen. Es wurde ein teils lauter Abend, an dem zwei Seiten viel redeten, aber inhaltlich kaum zueinander fanden. Einen Moment des Miteinanders gab es aber doch.

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Für das Treffen mit Regionalbischof Klaus Stiegler und Dekanin Christiane Murner in der Petruskirche in Bachhausen mussten sich Interessierte anmelden. Kritisiert wurden sowohl der Veranstaltungsort mit seinen begrenzten Plätzen als auch die Uhrzeit (20.15 Uhr). Zwei angeheuerte Securitys begründete Murner mit Drohbriefen, die sie erhalten habe.

Bei aller Anspannung blieb es in Bachhausen aber friedlich. „Wir wollen zeigen, dass wir hinter unserem Pfarrer stehen“, erklärte eine Gruppe Frauen. Das sollten auch die eigens anggefertigten Schals verdeutlichen. Darauf stand: „Ehrlich, respektvoll, miteinander“.

Vor der Petruskirche in Bachhausen übten Gemeindemitglieder mit eigens hergestellten Schals Kritik am Vorgehen der Kirchenleitung. Auf den Schals stand: „ehrlich, respektvoll, miteinander“. - Foto: Endlein

Eine kaum verhüllte Kritik am Umgang der Landeskirche mit dem Pfarrer, gegen den ein Disziplinarverfahren läuft. Über die Gründe dafür schwiegen die Verantwortlichen auch am Dienstag mit Verweis auf den Schutz aller Beteiligten. Was viele Anwesende mit Gelächter kommentierten.

Gläubige der Landl-Pfarrei sprechen von Rufmord an ihrem Pfarrer

Dass die Landeskirche einerseits über die Gründe schweigt, andererseits den Namen des Pfarrers in einer Pressemitteilung offen nannte, stieß vielen Gläubigen sauer auf. „Wer ist dafür verantwortlich?“, wollte ein Mann wissen. Es sei in Ordnung, wenn Vorwürfen nachgegangen werde, aber die Veröffentlichung des Namens während des laufenden Verfahrens sei Rufmord gewesen.

Die Verantwortlichen taten sich schwer damit, darauf eine befriedigende Antwort zu finden. Stiegler fragte stattdessen: Hätte man öffentlich lügen sollen, warum der Pfarrer nicht mehr aktiv ist? Hätte es nicht einen Generalverdacht für alle Pfarrer bedeutet, wenn man anonymisiert von einem Pfarrer aus dem Dekanat gesprochen hätte? Viele konnte er damit nicht überzeugen. Sie pochten darauf, dass man das hätte anders lösen müssen.

Die Herausgabe von Informationen über Disziplinarverfahren war aus Gründen des Schutzes von Persönlichkeitsrechten unsererseits nicht zulässig.Die Pressestelle der evangelisch-lutherischen Landeskirche in Bayern

Die Kommunikation sieht die Landeskirche inzwischen auch selbst kritisch. Es werde geprüft, ob gegen Datenschutzrecht verstoßen worden sei, erklärte in Bachhausen Kirchenjurist Dirk Deneke vom Landeskirchenamt. Die Pressestelle der Landeskirche wird auf Nachfrage deutlicher: „Die Herausgabe von Informationen über Disziplinarverfahren war aus Gründen des Schutzes von Persönlichkeitsrechten unsererseits nicht zulässig.“ Gläubige der Landl-Pfarrei kommentierten das so: „Das Kind ist schon in den Brunnen gefallen.“

Neben der Kritik an der Kommunikation war das zweite große Thema in etlichen Wortmeldungen, inwieweit das Verfahren gegen den Pfarrer verhältnismäßig ist. Manch ein Kirchenmitglied zog angesichts seines persönlichen Eindrucks vom angesehenen Pfarrer in Zweifel, dass es sich überhaupt um derart schwerwiegende Taten handeln könne, die sechs Jahre später ein solches Verfahren rechtfertigten.

Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth hat nichts gegen den Pfarrer vorliegen

Strafrechtlich liegt zudem nichts gegen den Pfarrer vor, wie die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes erklärte. Bis jetzt habe sich auch kein Geschädigter an die Behörde gewandt. Eine Mitteilung der Landeskirche an die Staatsanwaltschaft liege ebenfalls nicht vor. Bei einem Verdacht auf sexuellen Missbrauch wäre eine solche Mitteilung laut Staatsanwaltschaft zwingend erforderlich. Es müsse sich daher um eine rein kirchenrechtliche Angelegenheit handeln.

Neumarkts evangelische Dekanin Christiane Murner, Regionalbischof Klaus Stiegler und Dirk Deneke vom Landeskirchenamt der ELKB waren nach Bachhausen gekommen. - Foto: Endlein

Auf die Vorwürfe gegen den Pfarrer gingen die Kirchenverantwortlichen nur insofern ein, als dass viele Gerüchte und Halbwahrheiten im Umlauf seien. Deneke erklärte, eine „Meldung von außerhalb der Kirche“ habe das das Verfahren ausgelöst. Die Disziplinarkammer habe aufgrund des Kirchenrechts zwingend handeln müssen.

Bischof Stiegler betonte mehrfach, dass man nicht mutwillig und leichtfertig gehandelt habe. Alles laufe nach rechtsstaatlichen Prinzipien ab, betonte Deneke, der zudem Stiegler und Murner in Schutz nahm. Der Dekanin werfen manche vor, sie habe den Pfarrer aus persönlichen Gründen absetzen wollen, was Murner zurückwies. Murner und Stiegler seien im Disziplinarverfahren gar nicht beteiligt, sagte Deneke. Zuständig sei lediglich die Disziplinarkammer.

Mühlhausens Bürgermeister hat eine Bitte an die Landeskirche

An diese will der Jurist die Bitte von Bürgermeister Martin Hundsdorfer weiterleiten. Angesichts der vielen Aufgaben, die in der Pfarrei anstünden, solle man den Pfarrer wieder einsetzen, bis die Vorwürfe geklärt seien. Hundsdorfer schätzt die Vorwürfe als nicht so schwerwiegend ein, als dass „Gefahr in Verzug“ wäre.

Mit diesem Vorstoß verband sich die generelle Frage einiger Kirchenmitglieder, wie es nun mit der Pfarrei ohne Pfarrer weitergehen soll? Dass sich die Lage schnell klärt, glaubt Stiegler nicht. Zwar wolle die Kirche das Verfahren zeitnah abschließen. Aber gegen Entscheidungen könne man Rechtsmittel einlegen, wodurch das Verfahren auch Jahre dauern könne.

Zugleich habe man sich in der Kirchenleitung Gedanken gemacht, wie das kirchliche Leben weiter funktionieren kann. Murner erklärte, dass beispielsweise ab September eine Diakonin kommen werde. Man werde mit den vorhandenen hauptamtlichen Kräften das Mögliche versuchen, sagte Stiegler.

Der Regionalbischof drückte trotz der teils harschen Kritik seine Sympathie mit den engagierten Gläubigen aus. „Ich deute Ihre Leidenschaft als ein Pfund für unsere Kirche“, sagte Stiegler, der mit Verweis auf die Schals und deren Motto anregte, die aktuelle Spannung miteinander auszuhalten.

Spürbar etwas von der Spannung nahm zum Schluss das gemeinsame Vaterunser, das alle übrigens für den suspendierten Pfarrer beteten.