Keine Einsicht trotz Fortschritt: Ist der Mensch ein „Evolutionsfehler“?

Von Lucia Pirkl · 12. August 2026 um 11:00

Von wegen „Krone der Schöpfung“: Ray Mohra aus Abensberg hat nach zwei Romanen eine Einladung zur Selbstreflexion geschrieben. Sie beschäftigt sich vor allem mit der Frage, warum sich der Mensch ständig selbst überschätzt.

„Ich bin der Herrscher der Welt“ – dieses Zitat, das der buddhistischen Mythologie zufolge der neugeborenen Siddhartha Gautamaelt geäußert haben soll, ist weithin Ausdruck menschlichen Größenwahns. Der Mensch als Wesen, das alles kontrollieren kann? Mitnichten: Immer wieder stößt menschliche Kontrolle an ihre Grenzen. Ganz aktuell: KI, die sich selbstständig macht, der Mensch kann nur reagieren statt agieren.

Warum der Mensch, der Homo sapiens, trotzdem oft so hochmütig ist, warum er meint, alles in der Welt und im Miteinander beherrschen zu können, warum er so oft gegen seine eigenen Interessen handelt, gar zerstört, was er erschaffen hat, diesen Fragen geht Ray Mohra in seinem neuesten Buch „Evolutionsfehler Mensch – Anatomie einer Selbstüberschätzung“ nach. Nach zwei Romanen, die sich um den Protagonisten Kramer drehen und deren Handlung um Abensberg angesiedelt ist, hat Mohra jetzt ein Buch vorgelegt, das weniger Fiktion, dafür umso mehr Fragen enthält.

Mensch neigt zur Selbstüberschätzung

Dabei soll das Buch nicht den Menschen als solchen in Frage stellen, sondern eben die Fähigkeit, sich immer wieder selbst zu überschätzen. „Die Evolution hat uns einen Sportwagen geschenkt, aber keine besonders gute Bedienungsanleitung“, sagt Mohra. „Der Mensch hat erstaunlich viel verstanden, nur sich selbst offenbar noch nicht so ganz“, ist er auf dem Buchrücken zitiert.

Mohra nähert sich dieser Frage, woher das rührt, woher diese Selbstüberschätzung denn kommt, was uns alle in unserem Handeln, in unserem Denken beeinflusst, in verschiedenen Kapiteln, setzt sich mit Sprache, Macht, Geld, Religion oder Geschlecht auseinander, mit Idealen, Angst, Hass oder Gewalt, aber auch mit Empathie, Liebe und Kunst.

Dazu musste Mohra im Voraus viel recherchieren. Und daraus wiederum entstand eine Art philosophisch angehauchte Betrachtung, freilich ohne Anspruch auf Wissenschaftlichkeit, „ich bin ja kein ausgebildeter Philosoph, sondern nur ein Mensch, der sich Gedanken macht“. Vielmehr sei sein Buch eine Einladung zur Selbstreflexion, auch, um herauszufinden, woher dieser ständige Bedürfnis kommt, alles im Griff haben zu wollen.

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Viele Gedanken, die er im Buch aufgreift, wälze er selbst seit Jahren, habe sich beim Schreiben auch immer wieder erkannt, gedacht, „ja, so bin ich auch“. Einfache Antworten, das sei jetzt schon gesagt, liefere sein Buch aber nicht. „Es ist alles komplexer, als man vermuten möchte.“

Optimismus will er sich nicht nehmen lassen

Das Buch sei nicht laut, sondern eher leise. Und nun freue er sich über Feedback.

Auch, wenn der Titel, den er bewusst etwas provokanter gewählt habe, so Mohra, vielleicht eher Gegenteiliges vermuten lässt: Den Optimismus will sich Mohra nicht nehmen lassen – so sehr es momentan auch danach aussehe, als ob die Welt aus den Fugen gerate. „Aber ich habe das Gefühl, dass es mehr Menschen gibt, die einander gut tun wollen als jene, die was kaputt machen wollen.“

Stärken und Irrtümer

Buch: Warum gelingt es dem Menschen, die Geheimnisse des Universums zu entschlüsseln, während er gleichzeitig an selbst geschaffenen Problemen scheitert? Weshalb führt Fortschritt nicht automatisch zu Einsicht? Und könnte gerade unsere größte Stärke die Quelle unserer größten Irrtümer sein? Auf all diese Fragen und noch mehr sucht das Buch „Evolutionsfehler Mensch - Anatomie einer Selbstüberschätzung“ Antworten. Das Buch gibt es für 14,99 Euro im Buchhandel.

Band: Ray Mohra, Pianist der Band LiaB, Lost in a Bar, war neben dem Schreiben auch musikalisch nicht untätig. Die Band bringt eine neue CD heraus, erstmals auch mit Bläsern und Percussion. Am 23. 10. treten sie zudem im Stanxx in Abensberg auf.