Neue Kirchenorgel in der Kirche St. Josef in Neunburg: Instrument wächst täglich

Von Ralf Gohlke · 11. August 2026 um 11:00

Wer am Aufbau einer Kommode eines schwedischen Möbelhauses schon nervös wird, sollte momentan lieber keinen Blick in die Stadtpfarrkirche St. Josef in Neunburg werfen. Allein der Anblick der großen Anzahl an gestapelten Holz- und Metallteilen und das noch in Kisten und Kartons verpackte Material würde so manchen wahrscheinlich an den Rand der Verzweiflung treiben. Für Orgelbaumeister Klemens Forstner und das Team der Orgelbauwerkstatt Thomas Jann gibt es diesbezüglich keine Probleme.

Die Fachleute wissen genau, wo jedes einzelne der geschätzt mehr als 5000 Groß- und Kleinteile der künftigen Kirchenorgel auf der neuen Empore im gerade renovierten Anbau hingehört. Und weil diese bereits einmal in der Werkstatt zusammengefügt und wieder zerlegt worden waren, ist den Fachleuten auch die Reihenfolge geläufig.

Der Klang wird die Kirche künftig prägen

Nun wächst die Orgel Stück für Stück an der Stelle, von der aus sie die Kirchenbesucher für die nächsten Jahrzehnte mit ihrem Klang bei Gottesdiensten, Konzertveranstaltungen und anderen Gelegenheiten begleiten und erfreuen soll. „Wir haben vor rund zweieinhalb Wochen damit begonnen, die Teile von Allkofen nach Neunburg zu transportieren“, erklärte Forstner im Gespräch mit der Mittelbayerischen. Der Standort der Werkstatt ist ein Gemeindeteil von Laberweinting und liegt im Kreis Straubing-Bogen.

Zu Beginn der Arbeiten am 21. Juli stand zunächst der Aufbau des Fußbodens und des Bodenrahmens auf dem Programm, auf dem die gesamte Orgel später ruhen wird. Danach folgte das große Gehäuse mit dem Schwellwerk. „Das enthält eine Art von Jalousien, mit denen die Lautstärke abgeschwächt werden kann“, erläuterte der Orgelbauer und demonstrierte die Funktion. Dem habe sich der Einbau des vorderen Teiles des Hauptwerkes, einschließlich der kompletten Mechanik angeschlossen, mit der alle Grundfunktionen angesteuert werden.

Die Windladen sorgen laut Orgelbauer dafür, dass der Luftdruck bis in die kleinste Pfeife übertragen wird. Am vergangenen Donnerstag erfolgte die Anlieferung des Podestes zwischen der Orgel und dem Spieltisch. „Dort kann später zum Beispiel der Chor stehen, was es dem Organisten ermöglicht, ihn gleichzeitig zu dirigieren“, erklärte Forstner. Ein weiterer Schritt sei der Aufbau des sogenannten Prospektes, der späteren Außenansicht des Instruments.

Weil die Orgel ein Gemeinschaftsprojekt der Arbeitsgemeinschaft „Formklang“ ist, habe Claudius Winterhalter, der mit seiner Orgelbauwerkstatt für die künstlerische Ausgestaltung verantwortlich zeichnet, für die Farbgebung den Maler Frieder Haser verpflichtet. Mit ihm habe er schon viele Jahre zusammengearbeitet. Derzeit vorgesehen sei ein weiß-grauer Grundfarbton, wobei die Details erst vor Ort festgelegt würden. Dabei spielten die örtlichen Lichtverhältnisse, die Anordnung der Fenster oder deren Farbeinstrahlungen eine Rolle.

Instrument auf lange Haltbarkeit ausgelegt

Zum Zeitpunkt des Interviews war Matthias Gnadl, Elektriker im Orgelbau, gerade dabei, die trotz aller Mechanik notwendigen elektronischen Komponenten zu verdrahten. „Die Arbeit macht ungemein viel Spaß“, freute sich Gnadl. In diesem Zusammenhang wies Klemens Forstner darauf hin, dass auf bestimmte, mittlerweile mögliche „elektronische Gags“, ganz bewusst verzichtet werde. „Wir bauen eine richtige Pfeifenorgel und die hält definitiv auch länger“, machte er deutlich. So sei im Sinne einer Optimierung auch der Spieltisch möglichst einfach gehalten worden und dennoch elegant und vor allem funktionell.

Die eine oder andere „Spielerei“ habe trotzdem durchaus Platz gefunden. Als ein Beispiel nannte er eine „Tastenfessel“, bei der ein Ton gehalten wird, ohne die Taste zu betätigen. Ebenso integriert wurde ein „Liedanzeiger“ für die Besucher.

Jede einzelne Pfeife muss gestimmt werden

Die größte Herausforderung bestehe in der „Intonation“, die unter anderem wegen der notwendigen Klimaanpassung der unterschiedlichen Materialien, nur hier vorgenommen werden könne. Jede einzelne der rund 2000 unterschiedlich großen Pfeifen müsse dazu noch einmal gestimmt werden, weshalb der gesamte Vorgang rund sechs Wochen in Anspruch nehmen werde.

Dazu erwähnte Forstner, dass allein die Planung einer Orgel dieser Größenordnung rund 700 Stunden in Anspruch nehme. Bis zur Orgelweihe, die Diözesanbischof Rudolf Voderholzer am Samstag, 17. Oktober, vornehmen werde, blieben dann noch rund 14 Tage.

Der Spieltisch ist das Zentrum der Orgel, der hier bewusst klein aber dennoch elegant und funktionell gestaltet wurde. - Foto: Ralf Gohlke
Gelegentlich kommen Spezialwerkzeuge zum Einsatz, wie hier eine Schenkelfederzange zur Montage der filigranen Schenkelfedern. Diese tragen, vereinfacht gesagt, zur Dichtigkeit der Pfeifenventile bei. - Foto: Ralf Gohlke
Ein Blick ins Gehäuseinnere vermittelt einen Eindruck von den fragilen, mechanischen Elementen. welche die Verbindung der Tastatur mit jeder einzelnen Pfeifen herstellen. Die Übertragung erfolgt über Fichtenleisten. - Foto: Ralf Gohlke
Trotz aller Mechanik gibt es auch elektronische Komponenten, die Matthias Gnadl hier in einem Schaltschrank verkabelt. - Foto: Ralf Gohlke