Hitze und fehlende Tiere waren große Themen beim Festumzug des Neumarkter Volksfests

Von Wolfgang Endlein · 9. August 2026 um 19:44

Man hätte meinen können, es ist alles wie immer: Blasmusik ertönt, der Festumzug des Neumarkter Volksfests nähert sich. Süßigkeiten fliegen in die Reihen der 22.000 Zuschauer, die die Strecke laut Rathaus säumen. Menschen winken und lächeln. Wenn da nicht diese Hitze wäre. Sie war bei aller Festfreude das große Thema am Sonntag – auf verschiedenen Ebenen.

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32 Grad und mehr zeigt das Thermometer in der Marktstraße an, als sich der Umzug begleitet von Jubel nähert. Jenseits der reinen Grad-Zahl ist es drückend. „Es ist schon sehr hart“, sagt eine ältere Dame. Sie sitzt auf einem Rollator. „Aber ich wollte den Umzug nicht verpassen.“ Freundinnen von ihr seien hingegen wegen des Wetters daheim geblieben, sagt sie.

Seit der kurzfristigen Ankündigung der Stadt, wegen der Hitze auf Tiere zu verzichten, ist das Thema Klimaanpassung auch beim Volksfest angekommen. Öffentliche Kritik an der Entscheidung gibt es kaum. Auf einem Plakat an einem Traktor heißt es: „Keine Pferde, das Ende einer Tradition, Danke Markus für die Blamage“.

Es gab vereinzelt Kritik an der Entscheidung der Stadt Neumarkt, auf Tiere beim diesjährigen Festzug des Volksfests zu verzichten. - Foto: Endlein

In Gesprächen zeigen Zuschauer und Zugteilnehmer indes mehrheitlich Verständnis für die Entscheidung von Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn. „Das war schon besser so für die Tiere“, sagt beispielsweise Marina Metschl von den Staufer Eselfreunden. Im kommenden Jahr sollen hingegen wieder Tiere dabei sein, das betont die Stadt.

Stadt Neumarkt will den Start des Festumzugs künftig in die Morgenstunden verlegen

Mit der kurzfristigen Ankündigung zu den Tieren ging zudem die Nachricht einher, künftig die Startzeit des Umzugs überdenken zu wollen. Auf die Absicht, den Zug in die kühleren Morgenstunden zu verlegen, habe er viele positive Resonanz erhalten, sagt Rathauschef Ochsenkühn. Vor allem von älteren Bürgern. Aber man müsse auch an Kinder und andere gefährdete Gruppen denken. Den Gesprächen am Rande der Strecke nach zu schließen, besteht bei etlichen Mitgliedern des Stadtrats darüber Konsens.

Die Staufer Eselfreunde ersetzten ihre geliebten Vierbeiner durch die Stofftier-Version. - Foto: Endlein

Zugegebenermaßen hätte es sich mancher Zugteilnehmer auch einfacher machen können. Aber im Mittelalter trugen die Ritter nun mal Kettenhemd. Pech für manche der Wolfsteinfreunde. „Wer gut aussehen will, muss manchmal leiden“, kommentierte ein Armbrustschütze seinen Überwurf. Der ist aus kuscheligem Pelz.

Jenseits der Hitze erwies sich der Umzug einmal mehr als Ausdruck des Gefühls der Zusammengehörigkeit. Sei es im Kleinem im Verein oder im Großen als Stadt und Region. So kamen wie üblich etliche der 89 Gruppen im Festzug aus dem Landkreis und sogar aus dem benachbarten Franken.

Schatten war am Rande der Strecke des Festumzugs gefragt. In der Marktstraße hatte die Stadt zusätzliche Sonnenschirme aufgestellt. - Foto: Endlein

OGV Woffenbach und Ministranten der Neumarker Hofkirche holen Preise für Wagen

Kreativ und mit viel Mühe hatten sich etliche Gruppen und ihre Wagen auf den großen Auftritt vorbereitet. Sei es ein sich drehender Hase auf der Kühlerhaube des Traktors, der den Wagen des 1. FC Neumarkt Süd zog. Seien es die überdimensionierte Torte aus Blumen, die sich der OGV Woffenbach zum 90. Geburtstag selbst „gebacken“ hatte, oder die schaukelnden Ministranten der Hofkirche. Den beiden Letzteren gab die Jury für ihre Wagen den geteilten ersten Platz.

Einem älteren Herren war jedoch ein gänzlich unprämierter Wagen nicht entgangen, der nichtsdestotrotz eine Besonderheit bei diesem Festumzug parat hielt: Tiere. „Do schau hie. Do kummas, die hohen Tiere.“ Vom Wagen winkten Oberbürgermeister, Minister, Abgeordnete und sonstige Politiker.