Historisch niedrige Pegel: „Habe noch nie so extremes Niedrigwasser gesehen“

Von Christian Eckl · 10. August 2026 um 05:00

Die Donau hat an einigen Pegeln historische Tiefstände erreicht. Das vermeldet die Bundesanstalt für Gewässerkunde. „An Rhein, Donau und Elbe wurden streckenweise die niedrigsten bekannten Wasserstände unterschritten“, teilte die Bundesbehörde in ihrem Bericht am Donnerstag vergangener Woche mit.

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Und weiter: „Da sich auch für die kommenden Tage lediglich regional Schauer und Gewitter abzeichnen, wird entsprechend die sehr ausgeprägte Niederwassersituation an den Bundeswasserstraßen mit hoher Wahrscheinlichkeit weiterhin anhalten.“

Für die Landwirtschaft, aber auch für die Fisch- und Pflanzenwelt in Bayerns Flüssen ist die aktuelle Situation eine Katastrophe. „So eine Situation haben wir noch nie erlebt“, sagt Hans Holler, Präsident des Fischereiverbands in der Oberpfalz. „Die großen Ströme wie die Donau haben ihre Probleme, aber uns besorgen vor allem auch die Zuflüsse und der Grundwasserspiegel.“

Holler berichtet von Brunnen, „die ich in meinem Leben noch nicht ausgetrocknet gesehen habe“. Jetzt aber seien sie trocken. „Auch in den Teichen entsteht so ein immenser Schaden, der sich jetzt noch gar nicht beziffern lässt“, sagt der Oberpfälzer.

Auch an der Isar sei es extrem trocken

Auch sein niederbayerischer Kollege Michael Kreiner aus Pilsting (Landkreis Dingolfing-Landau) spricht von einer „historisch extremen Situation“. Der Präsident des Fischereiverbands Niederbayern ist an der Isar aufgewachsen. „Wir haben hier einen niedrigen Wasserdurchfluss an der Isar, das habe ich noch nie gesehen.“ Es sei extrem trocken.

In Landau habe man seit 1985 Staustufen. „Ich weiß, dass Staustufen auch umstritten sind, aber jetzt helfen sie uns, den Fluss noch auf einer gewissen Höhe zu halten“, sagt der Fischer. An den Staustufen sei es möglich, dem Fluss Sauerstoff zuzuführen. Das bringe den Fischen zumindest etwas Entlastung.

Die großen Ströme wie die Donau haben ihre Probleme, aber uns besorgen vor allem auch die Zuflüsse und der Grundwasserspiegel.Hans Holler, Präsident des Fischereiverbands Oberpfalz

Auch in Regensburg ist das so, wo die Donau an einem Kraftwerk gestaut wird. Doch Kreiners Kollege Holler sieht hier auch einen Negativ-Effekt: „Wenn das Wasser steht, dann bilden sich Blaualgen, die wiederum dem Fluss Sauerstoff entziehen.“

Seiner Ansicht nach sei es in den kommenden Jahren dringend nötig, den bayerischen Gewässern mehr Spielraum zu geben. „Dort, wo das Gewässer in Bewegung ist, ist es besser“, sagt Holler. Sein niederbayerischer Kollege hat auch eine Forderung an die Politik: „In den 50er und 60er Jahren hat man Drainagen eingebaut in den Böden, um das Wasser möglichst abzuleiten.“

Damals ging es darum, jeden Quadratmeter fruchtbaren Boden zu nutzen, um die Bevölkerung zu ernähren. „Heute würde ich mir wünschen, wir hätten eine Förderung je Regenwurm pro Quadratmeter Boden, damit wir dort fördern, wo die Erde Feuchtigkeit halten kann.“

Zahlen sind derzeit tatsächlich alarmierend

Historisch gesehen gehören Niedrigwasser zu Bayerns Flüssen wie entsprechende Hochwasser. Doch die Zahlen sind derzeit tatsächlich alarmierend. Die für den Alarmplan Donau zuständige Regierung der Oberpfalz hatte bereits vergangene Woche eine Warnstufe ausgerufen.

„Grund für Warnstufen sind die hohen Wassertemperaturen in der Donau“, heißt es. Diese beeinflussten die gewässerökologischen Verhältnisse in der Donau negativ. „Zusätzlich können die geringen Abflüsse und angekündigte Gewitter mit Bewölkung die Sauerstoffverfügbarkeit in der Donau reduzieren und die Gewässerorganismen belasten“, so die Behörde.

Auch die Temperatur ist bereits sehr hoch. Lag die Temperatur am gestrigen Sonntag in der Donau bei Ulm noch bei 22,9 Grad, kletterte sie bei Ingolstadt auf 24,2 und bei Regensburg bereits auf 25 Grad.

Auch in der Vergangenheit gab es extreme Niedrigstände

Und doch: Auch in der Vergangenheit gab es immer wieder extreme Niedrigstände in den Flüssen. Die Bundesanstalt für Gewässerkunde dokumentiert im Projekt „Verbesserung der Datengrundlage zur Einordnung und Bewertung hydrologischer Extreme“ solche historischen Umweltereignisse.

Für die Donau beispielsweise war der Herbst 1972 sowie das Frühjahr 1963 extrem. „Von Dezember 1962 bis Februar 1963 herrschte eine außerordentlich lang anhaltende Kälteperiode mit extrem niedrigen Temperaturen, sodass auch die geringen Niederschläge im Januar und Februar 1963 meist als Schnee niedergingen“, berichteten die Wetterexperten.

Damals führte die Kälte zu extremem Niedrigwasser. Im Oktober 1972 fielen im Donauraum nur 25 Prozent des mittleren Monatsniederschlags. Weil es bereits im Jahr 1971 trocken war, hatte das Folgen für die Donau.

Schon jetzt dürfte das Jahr 2026 für besonders niedrige Wasserstände in die Geschichte eingehen. Wie sich die Lage weiterentwickelt, prognostizieren Meteorologen anhand von Modellen, etwa für den Niederschlag. Die aktuelle Prognose lautet für die Donau, dass die Pegel bis weit in den September hinein extrem niedrig bleiben werden.