Hitze: Mehr Patienten und Notfälle im Kreis Kelheim – Ventilatoren surren auf Stationen

Von Martin Rutrecht · 10. August 2026 um 07:00

Die Hitze schafft viele Menschen. Und sie schlägt sich auf die Gesundheit nieder: Das Krankenhaus Kelheim verzeichnet eine höhere Anzahl an Patienten, das BRK mehr Notfälle. Auf Stationen und bei Einsätzen herrscht auch bei Mitarbeitern der tägliche Kampf gegen die hohen Temperaturen.

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Das Rote Kreuz im Landkreis Kelheim ist in diesen Wochen stark gefordert. „Während der Hitzeperioden beobachten wir regelmäßig eine erhöhte Zahl an Einsätzen, bei denen hohe Temperaturen zumindest ein mitauslösender Faktor sind“, sagt Sprecherin Theresa Eberl. Häufig verschärfe die Hitze bereits bestehende Erkrankungen (z. B. Herz-Kreislauf, Atemwege) oder trage dazu bei, dass sich der Gesundheitszustand von Patienten verschlechtere.

Diese Erfahrung teilt man auch in der Klinik St. Lukas in Kelheim. „Aktuell ist eine erhöhte Zahl an Patientinnen und Patienten zu verzeichnen, aber es ist nicht dramatisch“, sagt Fiona Bäuml aus dem Bereich Öffentlichkeitsarbeit. In der Zentralen Notaufnahme gebe es bislang „keinen deutlichen Anstieg“, so deren Leiter und Chefarzt Sören Preiß. Vom Krankenhaus Mainburg gab es auf Anfrage keine Rückmeldung.

Grund für Beschwerden nicht eindeutig zuordenbar

Für die Mediziner stellt sich mitunter ein Problem: Was liegt an der Hitze – und was nicht? Veranschaulichen lässt sich das an den beiden kardiologischen Stationen der Klinik Kelheim. „Viele Patienten leiden bereits an Vorerkrankungen. Einige Betroffene führen Beschwerden wie Schwindel selbst unmittelbar auf die hohen Temperaturen zurück. Ob die Hitze tatsächlich die Ursache ist, lässt sich jedoch häufig nicht eindeutig feststellen“, so die Leitungskräfte der beiden Abteilungen.

Insofern liegen weder im Krankenhaus noch beim Roten Kreuz konkrete Zahlen von hitzebedingten Fällen vor. In der Einsatzdokumentation des BRK werde grundsätzlich zwischen internistischen und chirurgischen Meldebildern unterschieden, erläutert Sprecherin Eberl. „Eine weitere Zuordnung der internistischen Einsätze dahingehend, ob sie unmittelbar durch die Hitze verursacht werden, ist jedoch nicht möglich.“

Max Krautloher und Philippa Hüttig müssen im Rettungsdienst der Hitze trotzen. - Foto: Francesca Klostius

Zu den häufigsten Beschwerden gehören Kreislaufprobleme, Schwindel, Erschöpfung, Dehydrierung und Bewusstseinsstörungen. „Auch Hitzekrämpfe oder ein Hitzschlag können auftreten und stellen medizinische Notfälle dar“, heißt es beim BRK in Kelheim. Besonders gefährdet seien ältere Menschen, Säuglinge und Kleinkinder sowie Menschen mit Vorerkrankungen.

Hitzebedingte Todesfälle wurden bislang nicht verzeichnet, sagt Bäuml vom Krankenhaus Kelheim. Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) sind in Deutschland in diesem Jahr bis zum 26. Juli knapp 12.000 Menschen wegen hoher Temperaturen gestorben. Auch das RKI weist auf die Problematik der Einordnung hin: „In einigen Fällen, zum Beispiel beim Hitzeschlag, führt die Hitzeeinwirkung unmittelbar zum Tod, während in den meisten Fällen die Kombination aus Hitzeexposition (Anm. der Red.: der Wärme ausgesetzt sein) und bestehenden Vorerkrankungen zum Tod führt.“ Auf dem Totenschein werde Hitze dann nicht als zugrunde liegende Todesursache angegeben.

Klinik-Fenster geschlossen halten klappt nicht immer

Hohe Temperaturen belasten nicht nur den Organismus. Auch Gebäude heizen sich auf. Im Kelheimer Krankenhaus gelten „Dienstanweisungen“, so Bäuml, um die Wärmebelastung möglichst gering zu halten. So müssten die Fenster während der heißen Tageszeiten geschlossen sein. Dies werde „jedoch nicht von allen Patienten konsequent beachtet“. Die Stationen sind flächendeckend mit Ventilatoren ausgestattet. In der Notaufnahme ist neben diesen Lüftern auch eine Klimaanlage vorhanden, was „angenehme Arbeitsbedingungen“ schaffe.

Beim BRK sind Fahrerhäuser und Patientenräume klimatisiert. Wenn es allerdings nach draußen geht, müssen die Einsatzkräfte schwitzen. „Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit erschweren die körperliche Anstrengung insbesondere beim Tragen der Schutzausrüstung oder bei längeren Einsätzen im Freien“, sagt Sprecherin Eberl.

Längere und intensivere Hitzeperioden würden künftig eine größere Rolle im Rettungsdienst spielen, ergänzt sie. „Hitze beeinflusst nicht nur die Zahl und Art der Einsätze, sondern stellt auch höhere Anforderungen an Personal, Fahrzeuge und Einsatzplanung. Umso wichtiger ist eine gute Vorbereitung der Rettungsdienste auf extreme Wetterlagen.“

Tipps für heiße Tage

Flüssigkeit: Über den Tag verteilt sollten etwa zweieinhalb bis drei Liter getrunken werden (Mineralwasser, abgekühlte Kräuter-/Früchtetees, verdünnte Obst-/Gemüsesäfte).

Linderung: Ein feuchtes Tuch im Nacken oder um Arme und Beine kann den Körper kühlen. Auch kühlende Bäder für Arme oder Füße sind hilfreich. Beine hochlegen, entlastet die Gefäße.

Aktivität: Körperliche Anstrengung in der heißesten Tageszeit sollte vermieden werden. Für Einkäufe oder Sport empfehlen sich Morgen- und Abendstunden.

Räume: Lüften sollte man nachts und frühmorgens. Gegen direkte Sonnenstrahlung hilft außenliegende Beschattung, etwa Rollläden.

Arzneien: Medikamente können bei Hitze Probleme verursachen. Bei regelmäßiger Einnahme empfiehlt sich eine Absprache mit dem Arzt.