Von Tierarzt bis Trinkwasser: Tierwohl hat Vorfahrt beim Neumarkter Volksfestzug

Sie sind vom Neumarkter Volksfestzug nicht wegzudenken: Pferde. Für sie bedeutet der Einsatz jedoch oft Hitze, Lärm und Anstrengung – manchmal auch Kritik an den Haltern. Diese tun daher ihr Möglichstes, die Pferde auf ihren Einsatz gut vorzubereiten. So wie Pferdehalterin Sabrina Daiß. Sie weiß, welche Pferde für eine Teilnahme am Zug geeignet sind und wie sie während des Zugs versorgt werden müssen.
Jedes Jahr führen Pferde und ihre Reiter den Festzug an und tragen Stadtstandarte und -wappen vorneweg. Dann folgen Kutschen mit Prominenten, Brauereiwagen und allerlei Wagen, die die Vierbeiner durch die Innenstadt ziehen. Welche Pferderassen für solche Aufgaben besonders geeignet sind und welche nicht, könne man aus Sicht von Sabrina Daiß nicht sagen. „Pferde sind wie wir Menschen ganz unterschiedlich.“ Zwar stimme es, dass sogenannte Kaltblüter eher ein ruhigeres Gemüt haben und einen solchen Trubel, wie er beim Volksfestzug nun mal herrscht, besser abhaben können. Das lasse sich aber nicht verallgemeinern. So gebe es Warmblüter, die genauso entspannt seien und ohne Weiteres beim Zug mitlaufen könnten.
Daiß betont, dass 90 Prozent der Pferde, die beim Volksfestzug mitlaufen, erstens schon seit vielen Jahren dabei und das Drumherum gewöhnt seien. Und zweitens von ihren Besitzern geführt oder geritten werden. „Sie kennen die Tiere in- und auswendig“, sagt Daiß. Die Pferde würden entsprechend für solche Gegebenheiten ausgebildet und vorbereitet.
Bonbons am Straßenrand: Auf die Kinder aufpassen
Sollte ein Pferd mal ein paar Schritte seitwärts gehen oder an seinem Geschirr ziehen, ist das laut Daiß in der Regel kein Grund zur Beunruhigung. „Pferde sind keine Maschinen – sie sind wie wir Menschen mal ein bisschen nervöser, beruhigen sich aber schnell wieder. Oder sie sind ungeduldig und wollen nicht mehr warten und beschweren sich dann eben.“ Dafür sind die Halter und Reiter da, die genau wissen, wie die Pferde zu handeln sind.
Pferde sind keine Maschinen – sie sind wie wir Menschen mal ein bisschen nervöser, beruhigen sich aber schnell wieder. Oder sie sind ungeduldig und wollen nicht mehr warten und beschweren sich dann eben.Sabrina Daiß, Pferdehalterin
Daiß möchte jedoch trotzdem an Eltern und ihre Kinder appellieren, die beim Volksfestzug natürlich ganz erpicht auf die vielen Bonbons sein werden, die von den Wagen in die Menge geworfen werden. Wenn ein Kind unvermittelt auf die Straße läuft, um einen Bonbon aufzuheben, dann sei das immer ein Problem – egal, ob der Volksfestwagen, der da angerollt kommt, von Pferden oder von einem Traktor oder Schlepper gezogen wird, sagt die Pferdeexpertin: „Weder ein Reiter, noch ein Kutscher oder Traktorfahrer kann da noch reagieren.“

Eltern sollten daher ihre Kinder anhalten, Bonbons nur am Straßenrand aufzuheben. Und sollte doch ein besonders verlockender Bonbon in der Mitte der Straße liegen, gilt Folgendes: Eltern sollen warten, bis sich eine Lücke im Zug auftut und dann gemeinsam mit dem Kind auf die Straße laufen, um den Bonbon aufzuheben. Auch werden die Besatzungen der Volksfestwagen sowie die Fußgruppen durch die Organisatoren des Zuges noch einmal angewiesen, die Leckereien ins Publikum zu werfen und nicht auf die Straße.
Tierärzte vor und während des Neumarkter Festzugs im Einsatz
Damit es den Tieren auch während des Zuges gutgeht, werden sie so lange es geht,vor dem Zug noch an schattigen Plätzen aufgestellt. Bis kurz vor dem Start gibt es immer noch genug zu fressen und zu trinken. Manche Pferdehalter haben Wasser zum Tränken auf ihren Wagen deponiert und führen Wasserspritzen mit, um die Tiere zwischendrin abzukühlen. „In der Regel halten die Pferde es für die Zeit des Zugs auch ohne Wasser aus.“ Wenn der Zug vorbei ist, gibt es an den Hängern der Pferdehalter gleich wieder Heu und Wasser zum Trinken und zum Abkühlen.

Wichtig ist Daiß, zu betonen, dass jedes Jahr bereits vor dem Zug Amtstierärzte vor Ort sind, um die Tiere zu begutachten. Sollte eins der Pferde krank sein oder lahmen, werde es nicht zum Zug zugelassen. Darüber hinaus ist zu jedem Zeitpunkt des Zugs eine praktizierende Tierärztin im Einsatz, die bei akuten Beschwerden, Verletzungen oder Notfällen sofort kommen und sich kümmern kann. Daiß verspricht: „Wir sind alle Pferdebesitzer mit Leib und Seele. Wir würden nie etwas tun, was unseren Tieren schaden würde.“
Das gilt übrigens auch für ein Problem, das erst kürzlich bei der Planung des Volksfestzuges aufgetaucht ist. An einigen Stellen hätten die Pferdegespanne sogenannte Amokschwellen überqueren müssen. Das hätte in Verbindung mit den Hufen der Pferde laut geklappert.
Die Befürchtung mancher Pferdehalter: Die meisten Tiere werden ohne Weiteres über die Schwellen laufen, ein paar könnten jedoch verweigern. Deswegen haben die Organisatoren jetzt einen Weg gefunden, wie die Pferdegespanne und Reiter seitlich an den Schwellen vorbeikommen – ohne darüber klappern zu müssen.