Mit Herzblut für Hufe und Tradition: So entsteht die Pferdeschau beim Jura-Volksfest

Seit über einem Jahr trägt Sabrina Daiß aus Velburg die Verantwortung für einen der traditionsreichsten Programmpunkte beim Neumarkter Volksfest: die Fohlen- und Pferdeschau. Sie verrät, wie die Planung aussieht, wie sie mit Kritik von Tierschützern umgeht und warum es zunehmend schwierig wird, Zwei- und Vierbeiner für die Schau zu finden.
„Es ist die Mischung aus Tradition, dem besonderen Umfeld des Jura-Volksfests und der Vielfalt der Rassen und Reitweisen“, beschreibt sie den besonderen Zauber der Schau. Dahinter steckt aber jede Menge Arbeit. Bis zum Schluss wird am Programm gefeilt, erklärt Daiß wenige Tage vor der Schau: „Der grundsätzliche Plan steht. Allerdings gibt es immer kurzfristige Ausfälle oder Nachmeldungen, die dann entsprechend ein- und umgeplant werden müssen.“
In dieser heißen Phase bedeutet das: ständiger Kontakt mit den Pferdehaltern, letzte Absprachen und notfalls Änderungen am Programm in letzter Minute.
Rückblick auf die Schau 2024: Spektakuläres Jubiläum bei der Neumarkter Pferdeschau
Ihre Aufgabe ist dabei so vielseitig wie die Schau selbst. Bereits Monate im Voraus nimmt sie Kontakt zu den Haltern auf, fragt, wer Zeit hat, und klärt, was die Pferde aktuell können. „Dann müssen alle Beiträge in eine harmonische Reihenfolge gebracht werden. Hierbei sind insbesondere auch ausreichende Zwischenzeiten für die Teilnehmer einzuplanen, die an zwei oder mehreren Programmpunkten beteiligt sind.“
Am Tag der Veranstaltung selbst führt sie dann auch Regie hinter den Kulissen, sorgt dafür, dass jeder weiß, wann und wo er dran ist – und der Moderator bestens informiert ist, um die Teilnehmer professionell vorzustellen.

Mit den Vorbereitungen hat Daiß bereits Anfang des Jahres begonnen. „In den letzten acht Wochen steigt die Zahl der Telefonate noch einmal deutlich an“, sagt sie. Der Kontakt geht dabei nicht nur zu den Pferdehaltern, sondern auch zum Hauptamt der Stadt, damit alles möglichst detailliert geplant und aufeinander abgestimmt werden kann.
Die größte Herausforderung sei es, immer wieder motivierte Teilnehmer zu finden und ein abwechslungsreiches Programm mit möglichst vielen Rassen, Reitweisen und besonderen Höhepunkten zusammenzustellen. „Das ist in einem Jahr mal leichter, im nächsten vielleicht wieder schwieriger“, gibt sie zu.
Ihr Wunsch: mehr Kaltblüter
Rückblickend war sie mit ihrer Premiere im vergangenen Jahr sehr zufrieden. „Es hat alles planmäßig geklappt, und es gab keine Beschwerden von Pferdeschau-Profi Hans Paulus“, verrät sie. Nur eines störte sie: „Leider waren im letzten Jahr nur wenige Kaltblutgespanne vertreten.“ Um das zu ändern, habe man in diesem Jahr gezielt Werbung bei deren Haltern gemacht und das Programm so umgestellt, dass diese eindrucksvollen Gespanne wieder stärker vertreten sind.
Ganz neu sei das Programm diesmal nicht. Das hat einen besonderen Grund, erklärt Daiß: „Da ich vor knapp sechs Monaten Mutter geworden bin, haben sich die zeitaufwendigen Gespräche mit den Pferdehaltern zur Erstellung ganz neuer Programmpunkte leider etwas hinten anstellen müssen.“ Dennoch dürfen sich die Zuschauer über einige Überraschungen freuen. Und die Organisatorin kündigt an: „Für die nächsten Jahre gibt es bereits einige Ideen, die sich hoffentlich nach und nach umsetzen lassen.“
Tierarztkosten steigen immer mehr
Etwa 40 Pferdehalter erwartet sie am Montag als Teilnehmer und hofft, dass dann auch wirklich alle Zwei- und Vierbeiner fit sind. „Leider hatten wir bereits im Vorfeld einige Ausfälle geplanter Programmpunkte dieses Jahr. Auf die Gesundheit hat eben weder bei Mensch noch bei Tier jemand Einfluss und es kann immer mal was dazwischen kommen. Hier muss man dann eben bestenfalls etwas flexibel sein und den Schauverlauf bestmöglich anpassen.“ Im Idealfall habe man einen Geheimtipp in der Hinterhand. Kurzfristig sei das aber oftmals für die Pferdehalter gar nicht so einfach, immerhin finde die Schau ja an einem Wochentag statt.
Leicht sei es nicht, eine solche Traditionsveranstaltung lebendig zu halten. „Das liegt aber weniger an den Haltern“, betont Sabrina Daiß. Auflagen und Kosten steigen, beispielsweise für den Tierarzt. „Nicht jeder kann es sich noch leisten, vier bis acht Pferde für ein Brauereigespann oder einen Mehrspänner zu halten“, weiß sie.
Auch zunehmende Kritik von außen an solchen Veranstaltungen vergräme manchen potenziellen Teilnehmer, hat Daiß festgestellt: „Die ein oder anderen Pferdehalter haben einfach keine Lust mehr, trotz artgerechter Pferdehaltung als der Buhmann dargestellt zu werden.“
Oft Kritik wegen hoher Temperaturen bei Pferdeschau und Volksfestzug
Aus ihrer Sicht seien Beschwerden hinsichtlich des Tierschutzes häufig unbegründet und mit wenig Fachwissen hinterlegt. Sie hat den Eindruck, dass der Kritik häufig eine Vermenschlichung der Pferde zu Grunde liege. Oft würden zum Beispiel die hohen Temperaturen angeführt, die häufig sowohl beim Volksfestzug als auch bei der Pferdeschau herrschen. Darauf nehme man freilich Rücksicht. Bei der Schau seien die Tiere jeweils nur wenige Minuten, beim Volksfestzug wenige Stunden im Einsatz, dort noch dazu lediglich im Schritt. Überall gebe es außerdem genügend Wasserstellen.
Gewartet werde außerdem wann immer möglich im Schatten. „Im Gegensatz zu zahlreichen Einsätzen der Rettungskräfte für Menschen, die Probleme mit den oftmals hohen Temperaturen haben, sind mir in den letzten Jahren eigentlich keine Einsätze von Tierärzten bekannt, die überhitzte Pferde behandeln mussten. Dies ist nicht zuletzt dem verantwortungsvollen und fachmännischen Umgang der Pferdehalter mit ihren Vierbeinern zu verdanken“, betont Daiß. Niemand wolle seinem Pferd schaden.
Für Montag wünscht sie sich vor allem eines: dass weder Pferd noch Mensch bei der Schau zu Schaden kommen.