Spektakuläres Jubiläum bei der Neumarkter Pferdeschau: Quadriga begeistert seit 25 Jahren

Von Nicole Selendt · 19. August 2024 um 17:00

Mit seinen 29 Jahren hat Haflingerhengst Wastl für ein Pferd schon ein recht stattliches Alter erreicht. Der Pferdesenior ist mittlerweile in Rente. Den römischen Streitwagen seines Besitzers Claus Luber ziehen mittlerweile Jüngere. Dennoch ist Wastl gestern bei der Pferde- und Fohlenschau in Neumarkt noch einmal mit angereist – und feierte zusammen mit Claus Luber ein besonderes Jubiläum.

Denn Wastl war einer der vier Hengste, die vor 25 Jahren erstmals die spektakuläre Show mit der berühmten Quadriga absolvierten. Gestern musste die Show zwar gezwungenermaßen ein wenig langsamer und gediegener ablaufen, als die Neumarkter das von Claus Luber gewohnt sind – zu groß wäre sonst die Gefahr gewesen, dass eins der Pferde im Vollgalopp auf dem feuchten Gras ausrutscht und jemand verletzt wird. Spektakulär war sie trotzdem.

Minister blieb bis zum Ende

Nicht weniger spektakulär war auch ein Auftritt dreier junger Damen. Sie führten die wohl anspruchsvollste Art und Weise vor, mit der man sich auf dem Rücken eines Pferdes fortbewegen kann: die ungarische Post. Stehend auf dem Rücken zweier nebeneinander laufender Pferde galoppierten die Reiterinnen über die Wiese hinter der kleinen Jurahalle und beeindruckten die Zuschauer auf den Rängen und auf der Tribüne der Ehrengäste gleichermaßen.

Eine Fotostrecke von der Pferde- und Fohlenschau 2024 finden Sie hier

Unter ihnen war in diesem Jahr auch Innenminister Joachim Herrmann. Der war vor elf Jahren zwar schon einmal als Besucher dagewesen, hatte jedoch überstürzt wegen einer Geiselnahme in Ingolstadt abreisen müssen. Diesmal war es ihm vergönnt, die ganze Pferdeschau bis zum Ende zu verfolgen und anschließend zusammen mit Finanzminister Albert Füracker, Gastgeber Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn und zahlreichen anderen Ehrengäste in der kleinen Jurahalle noch auf ein Getränk zu bleiben.

Und Herrmann bekam eine riesige Bandbreite dessen zu sehen, was der Pferde- und Reitsport oder die Pferdezucht in Bayern so alles zu bieten hat. Schwere Brauereiwägen, gezogen von bis zu acht mächtigen Kaltblütern, fuhren prunkvoll geschmückt über den Festplatz. Pony-Zehnspänner sausten in rasanter Fahrt über die Wiese, während der langjährige Moderator, Peter Lerch, fachkundig über die Pferderassen und ihre Eigenheiten, ihre jeweilige Ausstattung oder ihre Halter informierte.

Neue Ideen für nächstes Jahr

An ihm war es auch, den Zuschauern „die Neue“ an Bord der Pferde- und Fohlenschau in Neumarkt vorzustellen. Denn nach mehreren Jahrzehnten hat in diesem Jahr der bisherige Organisator der Veranstaltung, Johann Paulus, erstmals auf der Zuschauer-Tribüne Platz nehmen dürfen. Das Zepter in der Hand hat nun Sabrina Daiß. Die 31-Jährige – sie feierte übrigens gestern auch ihren Geburtstag – ist unter den teilnehmenden Haltern keine Unbekannte. Schon ganz oft war sie mit einer Kutsche bei der Schau in Neumarkt dabei – und auch heuer beteiligte sich ihr Ehemann mit zwei Pferden am Programm.

Organisatorin durfte sie jedoch zum ersten Mal sein. Und das habe aus ihrer Sicht sehr gut geklappt. Sie sei zufrieden mit dem Ablauf und vor allem froh, dass die Schau ohne Verletzungen oder Zwischenfälle über die Bühne gegangen sei. Für das nächste Jahr hat sie schon einige neue Ideen. So will sie zum Beispiel auch einen Beitrag aus dem Bereich Westernreiterei oder Islandpferde nach Neumarkt einladen. Sie stehe bereits in Kontakt mit den jeweiligen Vertretern.

In diesem Jahr dabei waren unter anderem Reiterinnen aus dem Reitstall Hollweck in Höhenberg mit einer Dressurquadrille und Bianca Kuhbandner. Sie bewies eindrucksvoll, dass nicht nur Ponys gelehrige Tiere sein können, die Spaß am Spielen haben, sondern auch Esel. Der zeigte sich alles anderes als stur und führte brav und unter begeistertem Applaus seine Kunststückchen vor. Familie Zweig sorgte mit ihren anmutigen Friesen und ein wenig Pyrotechnik für Staunen, bevor Claus Luber nochmals ein europaweit einmaliges Zwölfergespann vorführte und laut Ferch „Fahrkunst auf Weltniveau“ bewies.

Sonderpreise an Bianca Kuhbandner und Gerhard Pickel

Eine Bewertungskommission kürte ausgewählte Beiträge, 12.620 Euro an Preisgeldern wurden in diesem Jahr an die Pferdehalter ausgeschüttet. Der „Preis der Stadt Neumarkt“ ging dabei an Bianca Kuhbandner mit ihren Ponys. Der „Fritz-Hartmann-Gedächtnispreis“ ging an Gerhard Pickel aus Hirschbach.

Generationenwechsel: Der langjährige Organisator der Pferde- und Fohlenschau, Johann Paulus, durfte in diesem Jahr erstmals auf den Zuschauerrängen Platz nehmen. Er hat das Zepter an seine Nachfolgerin, Sabrina Daiß, übergeben. Foto: Franziska Mahler
Ungarische Post: So nennt man diese akrobatische Art, sich auf dem Rücken zweier Pferde fortzubewegen. Foto: Nicole Selendt
Reiterinnen aus Höhenberg präsentierten eine Dressurquadrille.
Ponys können mitunter recht lebhafte Geschöpfe sein – und bei so viel Trubel drumherum auch ein bisschen nervös. So hatten dieser junge Reiter und seine Führerin ihre liebe Mühe und Not, ihr Pony im Zaum zu halten. Am Ende meisterte der junge Mann seinen Ritt bravourös und unter großem Applaus.
Prächtige Geschirre trugen die Kaltblüter, die vor die großen und schweren Brauereiwagen der fünf Brauereien aus der Region gespannt waren. Sie sind nicht nur schön anzuschauen und zu -hören, sondern sie sind sehr wertvoll und erfordern viel Zeit für die Pflege und Instandhaltung.
Ehrengäste in diesem Jahr waren Innenminister Joachim Herrmann und Finanz- und Heimatminister Albert Füracker. Sie kamen zusammen mit Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn standesgemäß mit einer prächtigen und herrschaftlichen Kutsche auf die Pferdeschau.
Eine kleine Herde süddeutscher Warmblut-Stuten mit ihren Fohlen wurde am Ende der Pferde- und Fohlenschau auf dem Gelände freigelassen. Denen gefiel es dort aber offenbar gar nicht – und sie ergriffen die Flucht. Nach kurzer Eingewöhnungszeit fühlten sie sich dann aber doch recht wohl.
Je früher desto besser heißt es auch im Reitsport. Wie Moderator Peter Lerch ausführte, gebe es auch schon für die Kleinsten erste Wettbewerbe. Jedoch gehe es dabei weniger um Schnelligkeit, sondern vielmehr darum, wie gut sich ein Kind mit dem Pferd bewegt und welche Haltung es zeigt.