Generationswechsel bei der Pferde- und Fohlenschau in Neumarkt: Johann Paulus hört auf

Von Peter Romir · 28. Juli 2024 um 15:00

Vier Jahrzehnte lang prägte Johann Paulus als ehrenamtlicher Organisator die jährliche Pferdeschau am Juravolksfest in Neumarkt. Nun übergab er diese Aufgabe an seine Nachfolgerin – wenn auch nicht ganz freiwillig.

„Eigentlich hätte ich es gerne noch ein Jahr länger gemacht“, sagt der 66-Jährige. Doch leider kam ihm die Gesundheit dazwischen und er musste „seine“ Pferdeschau in neue Hände legen. Die findet regelmäßig am letzten Tag des Volksfests statt und gehört zu den großen Publikumsmagneten der Stadt: Vergangenes Jahr wollten 5000 Besucher die Vierbeiner sehen.

Das war nicht immer so: Als der in Hemau geborene Paulus 1984 nach Neumarkt zog, war die Veranstaltung noch sehr traditionell: „Die Pferde wurden wie bei einer Zucht-Auktion einmal im Dreieck herumgeführt, damit man sie von allen Seiten sehen konnte,“ erinnert sich Paulus. „Das war überhaupt keine Schau!“ Dementsprechend gering sei das Publikumsinteresse gewesen.

Die Schau beginnt

Organisiert wurde die Pferdeschau damals von Ludwig Schmid, der auch Paulus Vorgänger als Berater für Tierhaltung am damaligen Landwirtschaftsamt war. „Er sagte zu mir: Ich schaffe das langsam nicht mehr – kannst Du mir helfen?“ Paulus, der zwar Landwirtschaft studiert hatte, aber außer zwei Wochen Reitlehrgang während des Studiums nie mit Pferden zu tun gehabt hatte, antwortete spontan: „Schau mer mal!“

Aus den drei Worten wurden schließlich fast vierzig Jahre, in denen Paulus immer mehr Verantwortung übernahm. Unter einer Bedingung: „Ich wollte eine richtige Schau daraus machen, die nicht nur Fachleute anspricht, sondern ein großes Publikum zwei Stunden lang unterhält.“

Springreiten und Quadriga

Inspirationen holte er sich bei ähnlichen Veranstaltungen in ganz Deutschland. Und schon bald veränderte sich die Neumarkter Schau: „Die ersten Profis fingen an Shownummern einzustudieren, es gab Springreiten, Kutschen und Claus Luber fing an, mit seinen Quadrigas zu fahren.“

Auch die Art der Pferde veränderte sich: Waren früher nur stämmige Kaltblüter im Programm, kamen nun auch Ponys und Haflinger dazu. Zudem wurde der Ablauf ständig verbessert. Quasi nebenbei organisierte Paulus auch noch die Pferde beim Volksfestumzug und das Eselrennen beim Frühlingsfest: „Es ist einfach so meine Art, dass ich jedes Jahr immer noch ein bisschen was verbessern wollte.“

Bürgermedaille für den „Unverzichtbaren“

Ex-Oberbürgermeister Thomas Thumann überreichte ihm für diese Verdienste 2018 die Silberne Bürgermedaille der Stadt und nannte ihn „unverzichtbar für das Volksfest“. Doch Paulus wurde klar, dass auch für ihn bald der Abschied bevorstand: „Ich wollte aufhören, bevor ich gefragt werde, wann ich endlich gehe“, lacht er. „Also hielt ich die Augen nach jemand offen, der die Schau kennt und sie weitermachen kann.“

Sabrina Daiß übernimmt

Diese Person kam in Gestalt von Sabrina Daiß. Sie studierte Agrarwirtschaft und begegnete Paulus im Rahmen eines Praktikums am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

„Ich bin mit Pferden aufgewachsen“, sagt sie. Ihre Familie hat einen landwirtschaftlichen Betrieb mit mehreren süddeutschen Kaltblütern im Velburger Ortsteil Oberweickenhof. Auch beim Volksfestzug ist ihre Familie seit vielen Jahren dabei. Ihre Pferde ziehen regelmäßig den Wagen des Neumarkter Circusvereins.

Vom Pferd leben

Hauptberuflich macht Daiß inzwischen aber etwas ganz anderes: Sie leitet den von ihrem Großvater gegründeten Familienbetrieb „Reindl Bauelemente“, der sich auf Garagentore spezialisiert hat. „Es wäre natürlich schön, vom Pferd zu leben“, sagt sie.

„Doch das ist sehr schwierig – deshalb braucht es auch ein anderes Standbein.“ Dennoch sagte sie schnell zu, als Paulus sie fragte, ob sie ehrenamtlich helfen könne. Nicht nur bei der Pferdeschau, sondern auch beim Volksfestzug. „Das erste Jahr haben wir es noch zusammen organisiert, heuer bin ich allein verantwortlich.“

Pferdeschau am 19. August

Im Gegensatz zu Paulus hat sie keine großen Veränderungspläne für die Schau: „Ich möchte einfach ein vielfältiges Programm auf die Beine stellen und freue mich, wenn alles klappt.“

Und Paulus? Der drückt seiner Nachfolgerin die Daumen und ist schon gespannt auf die Pferde- und Fohlenschau. Diese beginnt am Montag, 19. August um 9 Uhr hinter den Jurahallen. Gäste sind die Staatsminister Joachim Herrmann und Albert Füracker.

Johann Paulus machte aus einer traditionellen Pferdeschau eine Show für die ganze Familie. Foto: Wolfgang Endlein
Sabrina Daiß ist seine Nachfolgerin. Sie wuchs in Velburg-Oberweickenhof in der Landwirtschaft auf. Foto: Romir