Seife, Chemie und ein guter Zweck: Parsberger Gymnasiasten entwickeln Kosmetiklinie

Von Markus Rath · 6. August 2026 um 19:00

Der Duft von Zimt, Sternanis und Orangen liegt in der Luft. Auf den Tischen stehen Schüsseln, Messbecher und ein Stabmixer, daneben Silikonformen. Wer jetzt an eine Weihnachtsbäckerei denkt, liegt daneben. Denn im Chemiesaal des Gymnasiums Parsberg produzieren Schüler Produkte für einen guten Zweck.

„Das sieht aber tatsächlich eher nach Küche als nach Chemie aus“, sagt Chemielehrerin Stefanie Schmaußer und blickt auf die Arbeitsplätze ihrer Schüler. Tatsächlich verschwimmen in diesem P-Seminar die Grenzen zwischen Naturwissenschaft, Kreativität und Unternehmertum.

19 Jugendliche haben sich im Seminar „Seife & Co. – eine Kosmetiklinie“ einer ungewöhnlichen Aufgabe gestellt: Sie wollten ein Produkt entwickeln, das nicht nur funktioniert, sondern auch Käufer findet. Von der ersten Idee bis zum Verkauf.

Chemische Grundlagen der Seifenherstellung erarbeitet

Bevor die erste Seife überhaupt gegossen werden konnte, mussten sich die Teilnehmer mit den chemischen Grundlagen beschäftigen. Im Mittelpunkt stand die Verseifung – jene Reaktion, bei der aus Olivenöl und Natronlauge Seife entsteht. Hinzu kamen Gewürze und Lebensmittelfarben, mit denen die Produkte ihren charakteristischen Duft und ihre individuelle Optik erhielten.

Aus Natronlauge und Olivenöl wurde Seife gesiedet. - Foto: Stefanie Schmaußer

Damit dabei nichts schiefgeht, wurden sämtliche Arbeitsgeräte eigens für das Projekt angeschafft. Messbecher, Kochlöffel, Schüsseln, Stabmixer und Formen sollten auf keinen Fall schon einmal im Chemielabor verwendet worden sein. „Wir wollten Verunreinigungen vermeiden und sicherstellen, dass unsere Produkte bedenkenlos verwendet werden können“, berichtet Schmaußer.

Doch Chemie war nur ein Teil des Projekts. Die Jugendlichen arbeiteten wie ein kleines Unternehmen. Sie entwickelten einen Projektplan, kümmerten sich um Finanzierung und Einkauf, probierten verschiedene Rezepturen aus und entschieden, welche Produkte schließlich in Serie gehen sollten. Parallel entstanden Verpackungen, Werbematerial und ein eigenes Erscheinungsbild. Selbst das Logo der Kosmetiklinie stammt aus den Reihen des Seminars.

Die Parsberger Gymansiasten produzierten eine Weihnachtsedition mit Orange, Zimt und Sternanis. - Foto: Stefanie Schmaußer

Besonders gut kam laut Schmaußer die Weihnachtslinie an. Mit winterlichen Gewürzen und passenden Düften trafen die Schüler offenbar genau den Geschmack ihrer Kundschaft. Bei den Verkaufsaktionen innerhalb der Schulfamilie waren die Produkte schnell vergriffen.

P-Seminar hilft Parsberger Schülern bei der Berufsorientierung

Neben dem praktischen Arbeiten erfüllte das Seminar vor allem seinen eigentlichen Zweck. Das P-Seminar ist ein zentraler Baustein der beruflichen Orientierung am Gymnasium. Die Jugendlichen lernen dabei, Projekte eigenverantwortlich zu planen und umzusetzen, entdecken eigene Stärken und erhalten Einblicke in verschiedene Berufsfelder wie Pharmazie, Produktdesign, Marketing oder Vertrieb.

Auch für Ostern haben sich die Schüler etwas einfallen lassen: Sie entwickelten ein Osterpaket mit Badesalz. - Foto: Stefanie Schmaußer

„Die Schüler sollten erleben, wie aus einer Idee ein fertiges Produkt wird“, beschreibt Schmaußer den Gedanken hinter dem Projekt. Dass dabei Teamarbeit genauso wichtig ist wie naturwissenschaftliches Wissen, hätten die Jugendlichen während des gesamten Schuljahres erfahren.

Der Erfolg lässt sich nicht nur an den verkauften Seifen messen. Durch die Verkaufsaktionen kamen 300 Euro zusammen. Das Geld spendet das Seminar an den Kinderschutzbund Regensburg.

Ein Lippenbalsam rundete die Kosmetiklinie der Parsberger Schüler ab. - Foto: Stefanie Schmaußer