Abgeordneter Stefan Schmidt ruft Bürger in Cham auf, sich für Umweltschutz zu engagieren

Von Mittelbayerische Zeitung · 2. August 2026 um 19:00

„Wir sind die erste Generation, die den Klimawandel zu spüren bekommt, und die letzte, die etwas dagegen tun kann“, so der ehemalige US-Präsident Barack Obama. Um den Zusammenhang zwischen Klimawende und Wasser/Gewässer ging es in einem Bürgergespräch zum Thema „Zwischen Radweg und Ufer: Natur, Tourismus und Gewässerschutz“.

Im angenehm kühlen Keller der Klostermühle Altenmarkt hatten sich trotz Sommerhitze am Freitagnachmittag etwa 30 Interessierte eingefunden. Eingeladen hatte der Kreisverband Cham von Bündnis90/Die Grünen. Daniela Emberger, eine der beiden Vorsitzenden, hieß dazu MdB Stefan Schmidt aus Regensburg willkommen.

Zu jeweils zehnminütigen Impulsvorträgen waren vier Fachleute gekommen: Dr. Jörg Brandner, Biologe und Leiter des Fachbereichs Gewässeraufsicht am Wasserwirtschaftsamt (WWA) Regensburg, Jürgen Lukassek, Naturschutzbeauftragter des Landesfischereiverbands Bayern, Dr. Josef Paukner, Sprecher des Netzwerks Gewässerallianz Donau-Naab-Regen, und Dr. Thomas Ring, Fischereifachberater des Bezirks Oberpfalz.

Auch Freizeitaktivitäten und Wirtschaft betroffen

Co-Vorsitzender Stefan Zeller führte in die Thematik ein. Der Klimawandel berühre auch die Freizeitaktivitäten und Sportereignisse. So musste Ende Juni der Further Triathlon wegen der Hitzewelle und Blaualgen-Belastung des Drachensees verschoben werden.

Auch für die Wirtschaft sei der Klimawandel relevant: Frachter auf Donau oder Rhein könnten derzeit wegen niedriger Wasserstände nur noch 20 Prozent Ladung aufnehmen, was mehr Fahrten, höhere Transportkosten und Engpässe bei Massengütern nach sich ziehe. Zudem habe die Hitze Auswirkungen auf die Ökologie der Gewässer. Dr. Paukner nannte zwei Seiten des Klimawandels: den CO2- und den landnutzungsgetriebenen (Rodung, Landwirtschaft, Versiegelung, Entwässerung von Ökosystemen). Es gebe eine Reihe internationaler Vereinbarungen über Klimaschutz und seit den 90er Jahren Studien über Wasser im Klimawandel, aber das passe uns gerade wegen anderer Probleme überhaupt nicht. Es gehe eher rückwärts, und den Wachstum behindernden Umweltschutz könne man später machen.

Ihn wundere, dass man statt über die Erderwärmung darüber diskutiere, wer die Klimaanlagen bezahle, so Paukner: „Das ist so, wie wenn die Feuerwehr statt zu löschen sich unterhält, wer die Kosten für das Löschwasser übernimmt.“ Erst wenn es weh tue – wie bei Hochwasser und Sturzfluten –, gerate etwas in Bewegung. Es sei nötig, Landschaft zu verändern.

Kritisch sah Paukner den Vollzug der 2000 beschlossenen EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) mit der Verpflichtung der Mitgliedsstaaten, bis 2015 alle Gewässer in einen guten ökologischen Zustand zu bringen. Es sei nicht gelungen, die Menschen mitzunehmen. Deshalb rief der Redner dazu auf, sich als Bürger zu engagieren.

Dr. Brandner sprach von der WRRL eher positiv, auch wenn der Output noch mangelhaft sei. Sein Amt prüfe Wasserqualität, Wassermenge und Nährstoffgehalt eines Gewässers, messe, kontrolliere regelmäßig und stelle die Daten in einer Farbkarte zur Verfügung, die von blau und grün (sehr gut und gut) über gelb (mäßig) bis orange und rot (unbefriedigend und schlecht) reiche. In der Oberpfalz würden gelb und orange vorherrschen.

Für den Regen ergab die Bewertung im neuen Bewirtschaftungszeitraum (2027-2033) beim Belastungsgrad mit organisch abbaubaren Stoffen erneut grün, bei der Beeinträchtigung durch menschliche oder natürliche Einflüsse wieder blau, bei der Fischfauna nochmals grün, aber beim Nährstoffgehalt zum zweiten Mal gelb (statt vorher grün) und damit insgesamt (worst case) die Zustandsklasse mäßig.

Gesprächsrunde mit Dr. Ring, MdB Schmidt, Dr. Brandner und Dr. Paukner (hinten v. r.) sowie Jürgen Lukassek und den Kreisgruppenvorsitzenden Emberger und Zeller (vorne v. r.) - Foto: Ferdinand Schönberger

Grund sei, dass im Fluss viele Pflanzen wachsen. Fließgewässer würden seit über 300 Jahren wasserwirtschaftlich genutzt. Das könne man in 15 Jahren nicht heilen. Für einen naturnahen Zustand bräuchten sie wieder ein breites Einzugsgebiet, also viel Grund für Auwälder, Erlensäume und vorgeschriebene Gewässerrandstreifen.

Bei der Beschattung der Flüsse „rennt die Zeit davon“

Darauf ging auch Dr. Ring ein: „Uns rennt bei der Beschattung die Zeit davon.“ Das Wasser würde durch die Bäume weniger stark erwärmt. Wurzelsäume von Erlen böten für kaltstenotherme Fischarten (brauchen kaltes, sauerstoffreiches Wasser und wenig Temperaturschwankungen) wie Forelle und Koppe Schutz vor Fischräubern. Von den 93 Fischarten in Bayern seien75 Prozent heimische und 53 Prozent stünden bereits auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Demnächst könnte im Regen auch die Fischfauna „abschmieren“.

Viele Gespräche und Fragen, auch von Marina Schmid, Stadträtin aus Furth im Wald - Foto: Ferdinand Schönberger

Als unbedingt erhaltenswerte Arten nannte Lukassek Barbe, Nase und Huchen. Dieser brauche zum Laichen Kiesgebiete statt befestigter Ufer und Ruhe, wobei das Kanuverleih-Unwesen durch die Landratsämter Gott sei Dank etwas eingeschränkt worden sei. Als großes Problem schilderte er die PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen), welche die Gewässer mit Chemie vollstopften und sich in den Fischen, aber auch im Boden und Grundwasser anreicherten.

Zum Schluss brach Brandner eine Lanze für den Regen: „Er hat ein Nährstoffproblem in den kleinen Oberläufen, denen der ursprüngliche Zustand fehlt. Aber er ist eines der hochwertigstes Gewässer Bayerns und hat dessen fast größte Bachmuschelpopulation.“