Plakataktion in Mühlhausen: Gläubige wollen ihren Pfarrer Proksch zurück

Die Protestwelle gegen die von der Evangelischen Landeskirche verfügte Amtsenthebung von Landlpfarrer Alexander Proksch ebbt nicht ab. Am Sonntag gab es eine weitere zum Teil sehr emotionale Aktion – dieses Mal bei der Martinskirche in Mühlhausen (Landkreis Neumarkt).
„Wir wollen Pfarrer Proksch zurück!!“, „Wer will Pfarrer Proksch ruinieren???“ – die Botschaft war deutlich: Vor dem Kirchweih-Gottesdienst hatten sich Menschen mit Plakaten versammelt, um sich für die Wiedereinsetzung des beliebten Seelsorgers stark zu machen. Dazu hatten sich Gläubige aus der Landlpfarrei sowie katholische Unterstützer eingefunden.
Auf einem Plakat wurde aus dem Matthäusevangelium zitiert: „Denn nach welchem Recht ihr richtet, werdet ihr gerichtet“. Ein anderes griff eine Liedzeile der Band Pur auf: „Denn wer sich nicht mehr hetzen lässt, der wirkt als Mensch auch endlich echt“. „Protest in guter evangelisch-lutherische Tradition“ war auf einem anderen Plakat zu lesen.
Ehemalige Vertrauensfrau aus Mühlhausen ist tief enttäuscht
Dieses Mal hatten auch die Senioren buchstäblich mobil gemacht und forderten auf Plakaten, das „unwürdige Schauspiel umgehend zu beenden“, wie sie übereinstimmend sagten. Eine von ihnen ist Christa Langer, die sich 36 Jahre lang im Kirchenvorstand der Kirchengemeinde Mühlhausen engagiert hat – zwölf Jahre davon als Vertrauensfrau. Alexander Proksch habe eine neue Ära in der Landlpfarrei eingeläutet, die auf Vertrauen und Nächstenliebe basiere. „Darüber hinaus ist es ihm gelungen, auch in Sachen Ökumene Maßstäbe zu setzen, die weit über die sonst üblichen Lippenbekenntnisse hinausgehen“, sagt Langer, die auch viele Jahre als Lektorin tätig war.
Ein berührendes Votum für Alexander Proksch gab die Leiterin des Posaunenchors Bachhausen Mühlhausen, Stefanie Böhm, während des Gottesdienstes ab. Angelehnt an das Kirchenlied „10 000 Gründe“ sagte sie: „Dieses Lied spricht von Vertrauen, auch wenn wir den Weg vor uns nicht kennen. Es erinnert uns daran, dass Gottes Treue größer ist als unsere Ratlosigkeit und dass wir als Gemeinde zusammenstehen dürfen – füreinander und für die Menschen, die uns anvertraut sind.“
Mit diesem Lied wolle der Chor Pfarrer Proksch seine Verbundenheit ausdrücken. „Wir beten für ihn, für seine Familie und ebenso für alle Verantwortlichen, dass Wahrheit, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit ihren Platz finden.“ Als Christen seien sie aufgefordert, nicht vorschnell zu urteilen, „sondern einander mit Respekt, Liebe und Hoffnung zu begegnen“.
Kritik flammte bei dem Treffen auch am Besuch von Bischof Klaus Stiegler am 11. August auf. Zum einem sorgt für Unverständnis, dass man sich anmelden müsse und zum anderen, warum ein Justitiar der Landeskirche dabei sein müsse. Außerdem herrschte die Meinung vor, dass der Vorgang der Kirche grundsätzlich schade.