Drachenstich Furth im Wald: Eine unvergessliche und denkwürdige Premiere

Es war ein Premierenabend, der alles hatte: Einen tollkühnen Ritter, eine Ritterin, die die ganze Palette ihres Könnens zeigte, bestens aufgelegte Schauspieler und einen Wettergott, der kurz mit dem Gedanken spielte, die Aufführung platzen zu lassen.
Der Lohn des Schauspielers ist der Beifall des Publikums, heißt es. Davon gab es reichlich. Während der Aufführung und natürlich auch an ihrem Ende, als Ritter Max Wild das Untier besiegt hatte.
Die Darsteller agierten, als seien sie Profis
Doch von vorne: Die Legende, also die Vorgeschichte, warum aus dem dem Menschen zugewandten Drachen, ein bösartiges Ungeheuer wurde, ist gewohnt emotional vorgetragen. Für viele Lacher sorgt natürlich die Szene, in der Kids ihren eigenen kleinen Drachenstich nachspielen. Florian (Korbinian Stoiber) kann sich sowohl im Spiel mit Ritter Max Wild, aber auch in der Schrannen-Szene auszeichnen. Ein kleiner Frechdachs, dem man den Spaß an seiner Rolle anmerkt. Er ist in diesem Jahr ebenso neu dabei, wie seine Mama im Stück die auch im echten Leben seine Mutter ist. Als Wirtin hat Sandra Stoiber ihre liebe Not mit ihrem Lausebengel, den sie kaum bändigen kann.

Damit geht es erstmals in die zum Teil deutlichen Änderungen, die Regisseur Alexander Etzel-Ragusa in diesem Jahr ins Drehbuch geschrieben hat. Das Goldstück, das die Wirtin bekommt, das ihr später gestohlen wird und den Chamerauer als absoluten Bösewicht entlarvt, fällt weg. Florian Fischer spielt den Pfleger der Further, die längst nicht mehr mit ihm zufrieden sind und ihn auffordern, zu gehen. Darüber kann der – und das soll an dieser Stelle durchaus als Kompliment verstanden werden – durchtriebene Widerling nur lachen.
Den starken Mann, so sein Credo, wählt man nur einmal, dann gibt es keine Wahlen mehr. Kurzerhand entlässt er den aufmüpfigen Stadtrat. Als die Ritterin ihn fragt, ob er auch sein Volk auswechseln will, wenn es aufmuckt, antwortet er selbstgefällig: „Das ist gar nicht nötig, sie sind nur noch Zuschauer, wie in einem Theaterstück.“ Auch der Umstand, dass er gar nicht abstreitet, seine Leute und nicht die Hussiten, hätten die eigenen Dörfer geplündert und letztlich Florian ermordet („wo gehobelt wird, da fallen Späne“), führt beängstigend deutlich vor Augen, wie Diktatoren der Neuzeit agieren.
Applaus für friedliches Miteinander in diesem Jahr besonders laut
Auf die Feststellung, der Wandel des Chamerauers in diesem Jahr sei sehr krass, antwortet Etzel-Ragusa, er hätte sich das auch anders gewünscht, aber die Realität sei eben so. Die Sehnsucht der Menschen nach Frieden zeigt sich auch in der Szene, als die Vertreter der drei Religionen Judentum, Islam und Christentum gemeinsam auf der Burgmauer stehen und ein friedliches Miteinander fordern. Der Applaus ist in diesem Jahr deutlich lauter als in den Vorjahren. Man muss dem neuen Sekretär des Kardinals (Lukas Böhm) ein Kompliment machen, ebenso Pater Willibald, der erstmals von Martin Maier verkörpert wird. Er gibt dem verzweifelten Pater noch einmal eine neue Facette.












Auch Florians Mörder (Patrick Lukas) spielt seine Rolle tadellos. Das gilt natürlich auch für die alten Hasen, die das Ritterpaar gewohnt souverän durch das Stück tragen. An dieser Stelle sei die Feststellung erlaubt, es handelt sich um Laiendarsteller, die allerdings Profis in nichts nachstehen. Damit sind wir beim Ritterpaar angekommen. Was soll man dazu noch sagen. Max Wild hat sich im Januar erstmals in einen Sattel gesetzt, dirigiert sein Pferd aber in jeder Situation sicher und souverän durch die Arena: beeindruckend!
Kommen wir zu Ritterin Julia Baumann. Ihre Herausforderung besteht darin, sich gegen die – wenn auch blumig vorgetragen – plumpen Avancen ihres Onkels zu erwehren und ihre Liebe zu Udo zu verteidigen. Sie verkörpert Menschlichkeit und Empathie, hat Opferbereitschaft, bleibt standhaft gegenüber Ungerechtigkeit. Das alles gipfelt in ihrem Alptraum, in dem sie gegen Todesengel kämpft. Ein Kampf, den sie nur verlieren kann und der zur Szene führt, in der sie sich für ihr Volk zu opfern bereit ist. Beide Szenen sind in einer Intensität vorgetragen, die einem Gänsehaut bescheren.
Neu ist in diesem Jahr unter anderem auch, dass sich Ritterin und Chamerauer mehr von der Bühne weg und bis auf die Zuschauerränge bewegen. Das ist gut, schafft Bindung und Nähe zum Publikum. Gelungen ist ebenfalls der Einfall, den Chamerauer auch mit Hilfe des Publikums schließlich doch abzuwählen.

Zögerlich zunächst, dann mit immer mehr Überzeugung gehen auf den Tribünen die Hände nach oben. Nachdenklich macht der darauffolgende Satz: „Danke, Ihr schenkt uns die Freiheit wieder.“ Möglicherweise eine Aufforderung, im Leben häufiger Stellung gegen Tyrannen aller Art zu beziehen.
Dann war da noch das Wetter. Es hielt bis kurz vor dem großen Finale. Dann brach ein Sturm los, der für einige Momente beängstigende Züge angenommen hat. Das Haupttor ging nicht rechtzeitig auf, so dass eine Kutsche bremsen musste. Ein Pferd hat sich laut Inspizient Heinz Winklmüller verhakt, so dass es einige Momente dauerte, ehe die Kutsche ihre Fahrt fortsetzen konnte. Der Wind wurde stärker, als die Ritterin zum Opfergang antrat. Immer wieder musste sie ihre Kopfbedeckung halten.
Es stürmte und regnete, alle machten einfach weiter
Wie stark der Sturm war, zeigte sich, als ein Helfer mit einem Torflügel mitgerissen wurde. Aus Sicherheitsgründen und um den Abschluss zu beschleunigen, wurde Drache Fanny mit ihrem Wagen in die Arena gefahren. Schwierig für den Ritter, weil die Öffnung des Mauls höher als gewohnt stand. Doch Sturm und Regen konnten Ritter Udo nicht beeindrucken. Er stürmte in die Arena und traf.
Dieser besondere Abend hat gezeigt, die Drachenstichfamilie lässt sich nicht beeindrucken, steht fest zusammen und meistert auch schwierigste Aufgaben. Das sieht auch Bürgermeister Sandro Bauer so: „Ich bedanke mich bei der Spielschar, allen Helfern und Rettungskräften für das umsichtige Handeln.“