Stadt Neumarkt ersetzt derzeit mobile Radständer durch fest verankerte Anlehnbügel

Von Petra Schlierf · 28. Juli 2026 um 05:00

Wohin mit dem Rad, wenn man in der Innenstadt von Neumarkt etwas erledigen will? Auf der Suche nach Abstellmöglichkeiten werden Radfahrer derzeit noch nicht überall fündig. Die mobilen Radständer hat der Bauhof heuer nicht wie gewohnt wieder aufgestellt. Stattdessen entstehen gerade neue Radbügel an verschiedenen Orten. So läuft der Einbau.

In der Klostergasse stehen sie schon, am Viehmarkt wird gerade gearbeitet: die neuen Absperrbügel für Fahrräder aus Metall, die fest im Boden verankert sind. Das Konzept der Stadt wird gerade Realität. Doch auf Knopfdruck gehe das eben nicht. Das ist nicht die Schuld der Baufirma, sondern liegt an der historischen Innenstadt, erklärt Lutz Worthmann vom Umweltamt der Stadt: „Es müssen immer erst die Archäologen draufschauen. Auch wenn es nur um ein Fundament für einen Fahrradbügel geht.“ Deswegen werkeln die Bauarbeiter immer an zwei Stellen parallel.

Doch warum brauchte es das neue Konzept überhaupt? Einerseits musste sich etwas tun, weil die alten Ständer schlicht nicht mehr zeitgemäß waren, erklärt Worthmann: „Die Vorderräder passten oft gar nicht mehr in die Vorderradklemmen. Die heutigen Reifen sind einfach zu breit.“ Deswegen werden sie wohl auch nicht mehr wiederverwendet werden, sondern im Altmetall landen.

Mehr Stellplätze und weniger Aufwand für den Neumarkter Bauhof

Zum anderen mussten die alten Fahrradständer zeitweise aus der Innenstadt verschwinden – und zwar genau dann, wenn sie besonders viele Nutzer gehabt hätten: im Umfeld von Festen und Veranstaltungen in der Innenstadt wie dem Altstadtfest. Doch der Platz ist eben begrenzt und so mussten die mobilen Fahrradständer zeitweise weg. „Sehr zum Missfallen vieler Bürger“, ist Worthmann klar. Noch dazu kostete es die Stadt viel Geld, den Bauhof jedes Jahr mit dem Wegräumen und wieder Aufstellen zu beschäftigen.

Im Rahmen einer Arbeitsgruppe war es gelungen, ein Konzept für Anlehnbügel über die ganze Altstadt hinweg zu entwickeln. Mitgeredet hätten nicht nur verschiedene Stellen der Stadt, sondern auch Veranstalter von Festen und die Geschäftswelt. So habe man auch zahlreiche neue Standorte entwickelt. „Wir haben eine Förderung beantragt. Das hat leider ein Jahr lang gedauert“, bedauert Worthmann. Im Herbst sei die Zusage aber eingetroffen und die Arbeiten konnten ausgeschrieben werden.

Bevor aus solchen Löchern Fundamente werden, müssen Archäologen einen Blick hineinwerfen. - Foto:

Bis Ende August oder Anfang September sollen alle neuen Bügel eingebaut sein, erwartet Worthmann. Dass dadurch an manchen Standorten eine Lücke entsteht, sei ihm bewusst. Die mobilen Ständer stelle man dort aber absichtlich nicht als Übergangslösung auf, um die Bauhofkosten zu sparen.

Zahlreiche neue Standorte, auch entlang der Marktstraße

Dafür wird es die letzte Durststrecke sein. Und noch etwas Positives hat die Neuerung: „Wir haben deutlich mehr Bügel als vorher. Es werden gut 350 Fahrradparkplätze sein.“ Neu sind zum Beispiel Standorte an der Ecke Klostergasse/Kastengasse, am Unteren und Oberen Tor zu beiden Seiten sowie an der Nordseite des Rathauses.

Die Stadt investiert knapp 200 000 Euro, etwa ein Drittel wird gefördert. Und das scheint sich zu lohnen. Die neuen Anlehnbügel kommen bei den meisten Nutzern jedenfalls recht gut an.

Vor allem, dass es kaum einen Fahrradtyp geben dürfte, der nicht kompatibel ist, freut die Radfahrer. Vom Lastenrad bis zum E-Scooter lässt sich hier alles diebstahlsicher anschließen. Janina Schmid stellt gerade ihr teures Gravelbike mit dicken Geländereifen ab und freut sich über die neuen Bügel, denn: „In die alten habe ich nicht mal die Reifen bekommen. Außerdem habe ich einen Schnellspanner am Vorderrad. Wenn ich es nur daran anschließen kann, ist das Rad mit einem Handgriff weg.“

Neue Lösung kommt bei Nutzern gut an

An der Marktstraße schnappen sich die Radler gerade alles, was niet- und nagelfest ist, um ihre Drahtesel zu sichern. Maria und Klaus Nadler haben sich einen Fahnenmasten ausgesucht. Sie sind als Touristen in der Region und finden das Parkplatzangebot für Zweiräder gerade etwas mau. „Wenn da mehr kommt, ist das gut“, finden sie. „Super. Endlich weg mit den alten Felgenbrechern“, kommentiert Hans Treiber das Aus für die mobilen Radständer, als er sein Mountainbike von einem der neuen Bügel abholt, ehe er davonbraust. In den Sozialen Medien gibt es aber auch Kritik. Insbesondere glauben einige Nutzer nicht, dass sich durch die Bügel mehr Räder unterbringen lassen als vorher.

Während in der Innenstadt also bereits Fortschritte sichtbar sind, müssen die Radfahrer am Bahnhof noch auf neue Parkmöglichkeiten warten. Und das wohl noch bis Winter oder Frühjahr, befürchtet Worthmann. „Wir waren eigentlich schon startklar, die Förderung war schon genehmigt“, erklärt er. Doch dann kam die Großbaustelle der Bahn dazwischen und alles verschob sich. Jetzt warte man auf die Genehmigung des neu gestellten Förderantrags, die wohl frühestens Ende des Jahres kommen werde. „Sobald die vorliegt, wird auch das beauftragt“, versichert er.