Maria Karg-Pirzer prägte die Kreuzbergschule in Schwandorf – Nun geht sie in Ruhestand

„Man muss Kinder mögen – dann springt der Funke über.“ Kaum ein Satz bringt die pädagogische Haltung von Maria Karg-Pirzer besser auf den Punkt. Die scheidende Rektorin der Kreuzberg-Grund- und Mittelschule in Schwandorf hat ihr Handeln stets nach einem Leitsatz von Nelson Mandela ausgerichtet: „Bildung ist die mächtigste Waffe, um die Welt zu verändern.“
In diesem Sommer geht die 67-Jährige mit einem lachenden und einem weinenden Auge in den Ruhestand. Hinter ihr liegen Jahrzehnte im Schuldienst – und eine Zeit, in der sich Schule und Gesellschaft grundlegend verändert haben. „Ich bin ein optimistischer Mensch und sehe immer das Gute in den Schülern“, sagt sie. Dass sie diese Haltung lebt, bestätigen auch ihre Kollegen, die ihre „legendär gute Laune“ hervorheben. In ihrer langen Laufbahn hat Maria Karg-Pirzer vieles auf den Weg gebracht. Ein Herzenswunsch blieb jedoch unerfüllt: ein gemeinsames Mittelschulzentrum für Schwandorf.
Weg aufs Gymnasium war nicht selbstverständlich
Dass sie einmal Lehrerin werden würde, wusste sie schon als Kind. Aufgewachsen in Klardorf, durfte sie in der ersten Klasse ihrem Lehrer gelegentlich helfen. „Das hat mir Spaß gemacht.“ Vor allem aber hatte sie Pädagogen, die ihre Begabung erkannten und ihr Mut machten.
Der Weg aufs Gymnasium war damals alles andere als selbstverständlich. Ihre Eltern waren Fabrikarbeiter, der Vater starb früh, die Mutter musste die Familie allein durchbringen. „Für ein Mädchen war das damals nicht üblich“, erinnert sich Karg-Pirzer. Doch besonders Lehrer Schoierer blieb hartnäckig und überzeugte die Familie. Sie machte Abitur, studierte Lehramt in Regensburg – und bewies früh, dass sie Missstände nicht einfach hinnimmt. Als angehende Lehrkräfte sich plötzlich bereits nach der Ersten Staatsprüfung zwischen Grund- und Mittelschule entscheiden mussten, reichte sie eine Petition im Bayerischen Landtag ein – mit Erfolg.
Weil sie den damals geforderten Notenschnitt knapp verfehlte, arbeitete sie nach dem Studium zunächst zwei Jahre im Arbeitsamt und im Landratsamt. Rückblickend möchte sie diese Zeit nicht missen: „Ich sammelte Erfahrungen, knüpfte Netzwerke und sah vieles auch von einer anderen Seite.“ Sie ist überzeugt: Gerade Umwege eröffnen oft neue Perspektiven.
Ihre ersten Lehrerstellen führten sie nach Oberbayern, nach Mitterdorf bei Cham sowie als mobile Reserve an Förderzentren in Nittenau und Schwandorf. Besonders die Arbeit mit Kindern mit Förderbedarf gefiel ihr. Dennoch entschied das Schulamt, dass ihr Platz an der Grundschule sei.
Kollegen schenkten ihr einen Bumerang: Als Rektorin kam sie wieder
1994 kam Maria Karg-Pirzer erstmals an die Kreuzbergschule, die ihr schnell ans Herz wuchs. Zum Abschied im Jahr 2002 schenkten ihr die Kollegen einen Bumerang – als Symbol für ihre Rückkehr. Tatsächlich führte sie ihr Weg nach Stationen in Neunburg, Wackersdorf und Teublitz 2018 wieder an „ihre“ Kreuzbergschule. Mit ihr kehrte auch ihre Sekretärin und „große Stütze“ Alexandra Kellermann zurück.
Die Jahre in Teublitz und Wackersdorf waren für sie ein wichtiger Abschnitt. Dort erlebte sie, wie sehr eine moderne Lernumgebung das Lernen beeinflussen kann. „Der Raum ist der dritte Pädagoge“, sagt sie. In diese Zeit fällt auch eine Begegnung, die sie nie vergessen wird: Ihr ehemaliger Lehrer Schoierer aus Wackersdorf hatte all die Jahre Hefte aus ihrer Grundschulzeit aufbewahrt, die beim Umräumen für den Neubau gefunden und ihr übergeben wurden. Für Karg-Pirzer zeigte dieser Moment, welchen Einfluss gute Lehrer auf das Leben ihrer Schüler haben können.
Zurück an der Kreuzbergschule wollte Maria Karg-Pirzer gestalten. Sie setzte sich zuletzt vor allem für ein gemeinsames Mittelschulzentrum in Schwandorf ein. Mit einem ausführlichen Schreiben warb sie bei den Stadträten für ihre Idee. Bis heute ist noch keine Entscheidung gefallen. Trotzdem hält sie an der Idee fest: „Ein Mittelschulzentrum könnte auch das Image dieser Schulart verbessern. Dort werden schließlich die Fachkräfte von morgen vorbereitet, und es könnte ein Leuchtturmprojekt für Schwandorf werden.“
Neben ihrer Arbeit engagierte sich Karg-Pirzer weit über den Schulalltag hinaus. 14 Jahre lang leitete sie den Förderverein des Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasiums, organisierte viele Jahre das Projekt „Treffpunkt Zukunft“ und begleitete dort die Einführung der Ganztagsbetreuung. Außerdem ist sie stellvertretende Bezirksvorsitzende und Kreisvorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, Personalratsvorsitzende und Mitglied des Bezirkspersonalrats.
35 Nationen an der Schule „sind eine Bereicherung“
Während ihrer Dienstzeit wandelte sich Schule grundlegend. Digitalisierung, Corona-Pandemie, soziale Medien und der Ausbau individueller Förderung veränderten den Alltag ebenso wie die zunehmende kulturelle Vielfalt. „Inzwischen haben wir 35 Nationen an der Schule, und das ist eine Bereicherung“, sagt Karg-Pirzer. Vielfalt bringe neue Herausforderungen mit sich, eröffne aber auch viele Chancen. Gleichzeitig seien Gewaltprävention, soziale Themen und Erziehungsarbeit heute wichtige Bestandteile des Schulalltags.
Man muss Kinder mögen. Und man sollte authentisch und optimistisch sein.“Maria Karg-Pirzer, langjährige Rektorin in Schwandorf
Eine Begebenheit ist ihr bis heute in Erinnerung geblieben. Ein Schüler mit Migrationshintergrund hatte ein Mädchen geschlagen und musste dafür Konsequenzen tragen. Kurz darauf besuchte der Regierungspräsident die Schule. Der Junge meldete sich und sagte: „Ich finde es toll hier. Hier wird einem gleich gesagt, was man tun darf und was nicht.“ Karg-Pirzer muss bei der Erinnerung schmunzeln. Für sie zeigt dieser Satz, dass Kinder klare Regeln oft als Orientierung und Sicherheit empfinden.
Auch die Zusammenarbeit mit Eltern habe sich verändert. Heute erwarten laut Karg-Pirzer viele Eltern stärker als früher, dass Schulen neben Bildung auch Erziehungsaufgaben übernehmen. Jungen Lehrkräften gibt sie einen einfachen Rat: „Man muss Kinder mögen. Und man sollte authentisch und optimistisch sein.“ Zugleich weiß sie aus Erfahrung: „Man kann nicht jeden retten.“
Nun beginnt für Maria Karg-Pirzer ein neuer Lebensabschnitt. Vermissen wird sie ihren Beruf – denn Schule war für sie nie nur ein Arbeitsplatz, sondern eine Berufung. Mehr Zeit bleibt künftig fürs Schwimmen, Lesen, Freunde treffen und ihr Ehrenamt als Schöffin. Ihre Berufswahl würde sie jederzeit wieder treffen: „Lehrer ist einer der schönsten Berufe, die es gibt.“
Loslassen fällt ihr nicht leicht. Doch sie ist überzeugt, den richtigen Zeitpunkt gefunden zu haben. Nun sollen Jüngere Verantwortung übernehmen. Sie hinterlässt mehr als eine Schule, die sie geprägt hat. Vor allem bleibt ihre Überzeugung: Kinder ernst zu nehmen, an ihre Fähigkeiten zu glauben und ihnen etwas zuzutrauen.