Bürgerfest Velburg: Ausstellung erinnert an verschwundene Dörfer

Vor 75 Jahren verschwanden ganze Dörfer von der Landkarte – doch ihre Geschichten leben weiter. Mit einer außergewöhnlichen Ausstellung holt Velburg zum Bürgerfest die Schicksale der Menschen zurück, die für die Westerweiterung des Truppenübungsplatzes ihre Heimat verlassen mussten.
„Mir liegt meine Heimat sehr am Herzen, ich möchte die Erinnerungen für die jungen Leute bewahren“, sagt die 72-jährige Heimatpflegerin Bele Schneider bei einem Treffen im Wieserstadl, wo sie die Ausstellung mit Bürgermeister Christian Schmid und Archivpfleger Hans Dischner zusammen vorstellt.
Nachdem 2024 beim Bürgerfest eine Ausstellung mit Bildern und Fotos hauptsächlich von Lutzmannstein gezeigt wurde, gehe es nun um das Thema 75 Jahre Truppenübungsplatz: Im Fokus stehen die erneute Nutzung des alten Übungsplatzes und die Westerweiterung.
Ausstellung in Velburg auf Wieserstadl und Neuhaussaal verteilt
Schneider ergänzt, dass es das Anliegen des überraschend verstorbenen ehemaligen Bürgermeisters und Archivpflegers Bernhard Kraus gewesen sei, eine Fortsetzung zu erstellen. Nach dem Tod von Kraus sei sie alleine gewesen, doch mit Hilfe von Dischner und dem Archiv der Stadt Velburg habe sie dieses Anliegen nun Wirklichkeit werden lassen.
46 Tafeln werden im Wieserstadl darüber berichten, wie die Bürger ihre Ortschaften verlassen mussten. Auf vieles konnte zurückgegriffen werden, weil zum Beispiel Eckehard Griesbach aus Schmidmühlen damals vieles archivierte, dazu zahlreiche Fotos aus dem Nachlass von Ferdinand Jungwirth, den Schneider noch persönlich kannte. Einen persönlichen Bezug zur Aussiedlung habe sie nicht, aber als gelernte Kirchenmalerin fand sie den Zugang auch über die Denkmäler und Oberpfälzer Baustile. „Nirgendwo anders gab es in den Ortschaften so verschiedene Baustile“, sagt Schneider.
Der zweite Ausstellungsteil befindet sich dann im Neuhaussaal. Dort berichten 26 Tafeln über die Kirchen und den Verbleib kirchlicher Gegenstände. Dafür holte sich Schneider Informationen aus den Dokumentationen der Bistümer Regensburg und Eichstätt.
Bürgerfest Velburg: Mehrere große Höhepunkte geplant
Als „einen unfassbaren Schatz für unsere Gemeinde“ bezeichnete Schmid die historischen Unterlagen. Ihm sei es wichtig, die Neugierde auf die Ausstellung zu wecken. Gleichzeitig sei es wichtig zu erkennen, dass der Friede ein hohes Gut sei. Geplant ist, die Ausstellung auch am 5. und 6. September sowie am 19. September zum Ehemaligentreffen der Pielenhofener zu wiederholen. „Wir denken darüber nach, die Ausstellung auch dem Landkreis anzubieten, zumal auch von Seiten Hohenfels eine Ausstellung über die Aussiedlung in militärischer Sichtweise im November eröffnet wird“, sagte Schmid.
Die Ausstellung „Verschwundene Welt - veränderte Welt“ ist aber nur einer der Höhepunkte beim Bürgerfest. So gibt es die Live-Musikabende mit „X´Ploushn“ am Freitag und „Fenobanal“ am Samstag sowie „Blech am Stadtplatz“ am Sonntag. Auch gibt es wieder viele kulinarische Angebote sowie ein Unterhaltungsprogramm am Sonntag. Zudem findet durch den ADFC Neumarkt eine Fahrrad-Codieraktion statt.
Programm für das Bürgerfest in Velburg
• Freitag: 17 Uhr, Eröffnung mit Foodtrucks und Livemusik am Stadtplatz.
• Samstag: 17 Uhr, Gottesdienst, 18 Uhr Burgberglauf, 20 Uhr Livemusik, 18 bis 21 Uhr Ausstellung „Verschwundene Welt - veränderte Welt“ im Wieserstadl und Neuhaussaal.
• Sonntag: 13 bis 17 Uhr, Fahrradcodieraktion des ADFC Neumarkt am Stadtplatz (Fahrrad, Kaufquittung und Personalausweis nötig/Unkostenbeitrag 15 Euro), ab 14 Uhr Kaffee und Kuchen im Jugendheim mit „Volksverblechung“, ab 14.30 Uhr „Blech am Stadtplatz“ mit Blaskapelle Stauf, Lupburger Blasmusik, Stadtkapelle Velburg und bis 20.30 Uhr „D ´Wirtshausmusi“, 14 bis 20 Uhr Ausstellung „Verschwundene Welt - veränderte Welt“ im Wieserstadl und Neuhaussaal.