Retten mit allen Mitteln: Reservisten testen ihre Ausdauer beim Kleiderschwimmen in Roding

Von Johannes Schiedermeier · 23. Juli 2026 um 15:00

Alle Jahre wieder suchen und finden die Reservisten der Kreisgruppe Oberpfalz-Ost den Rand der Erschöpfung. Inzwischen wissen sie aber schon vorher genau, wo der liegt: am Beckenrand des Freibades Roding nach 100 Metern Kleiderschwimmen. Heuer hatte Organisationsleiter Gottfried Beraus aber noch ein kleines Schmankerl hinten drangehängt: Retten mit allen Mitteln war angesagt...

Video ansehen

100 Meter schwimmen unter vier Minuten – das klingt jetzt zunächst mal recht machbar. Schwieriger wird es schon, wenn man sich vom Starthocker in vollem Feldanzug ins Wasser wirft. Dieses Training absolvieren die Reservisten alljährlich, um in ihrem Ausbildungsbuch ihre Fitness nachzuweisen.

Major der Reserve, Markus Glatzl, Organisationsleiter aus Kümmersbruck, gibt den Startbefehl: „Auf mein Kommando – los!“ Die erste Bahn geht überraschend leicht, bis die Luft dann spätestens bei der Wende nach 50 Metern raus ist – aus dem Soldaten und dem Kampfanzug. Ab da wird die Tarnbekleidung echt hinderlich und die erwünschte hohe Ellbogenaktion beim Freistil gerät auf den letzten Metern immer flacher. Wenn dann die Luft raus ist aus dem Reservisten, dann darf er sich nach dem Anschlagen am Beckenrand noch entkleiden und den bleischweren Anzug an Land werfen.

So mancher hat sich vorher schon gut überlegt, welche Knöpfe er offen lässt beim Schwimmen, damit er beim Ausziehen nicht so lange unter Wasser bleiben muss, wenn die Luft eh schon knapp ist Einer hat sich verkalkuliert und trägt die Hosen auf der zweiten Bahn plötzlich zwischen den Knien. Dann sind am Ende der Kräfte auch noch Anziehkünste unter Wasser gefragt... Am Ende liegen aber alle in der geforderten Zeit.

Falls jemand gedacht hat, dass damit der Tag gelaufen ist, dann entpuppt sich dieses Gefühl schnell als trügerisch. Ramona Kraus von der Wasserwacht Roding steht an diesem Tag nämlich nicht nur am Beckenrand, falls einer der Kleiderschwimmer sich überschätzt. Nein, sie hat auch noch einen Auftrag. Auf dem Stundenplan der Reservisten steht nämlich „Retten mit allen Mitteln“. Ständig muss einer ertrinken. Dann wird der Rettungsring geworfen und die Stange eingesetzt.

Anschließend werden Befreiungsgriffe trainiert. An Land wirkt das noch recht locker. Wenn der Retter dann im Wasser gewürgt wird, merkt er schnell, dass das Inhalieren von Wasser recht unangenehm ist – und er hat einen Fehler gemacht. „Immer beruhigend auf den Menschen in Notlage einreden. Nie sich selbst in Gefahr bringen. Wenn der Ertrinkende um sich schlägt oder zugreifen will – wegschwimmen“, sagt Ramona Kraus und unterstützt die Aussage mit einem unerbittlichen Würgegriff, um zu zeigen, dass man da nur schwer rauskommt, wenn der Befreiungsgriff nicht im Schlaf sitzt.

Dann gibt es noch ein paar Tricks zu lernen, wie man einen völlig entkräfteten Schwimmer über den Beckenrand oder an Land bringt. Nach gut einer Stunde retten und gerettet werden hat die Reserve endlich Ruh.